Hasenkamp, H. v.: La Cours Untersuchungen über das sogenannte Quasinivellement, 543
Wie sich im folgenden zeigen wird, gibt die Kenntnis der Oberflächen-
strömung und teilweise auch die der Windverhältnisse ein Mittel, solche zu-
sammengehörige Werte der Glieder in Gl. VI genähert zu finden, die dem Werte
P=0 entsprechen. Dann ergibt die Gleichung
x=4H-—46.
Diese Gleichung gibt direkt den absoMıten Höhenunterschied zwischen den
beiden festen Punkten Oxy und Og.
Eine solche Bestimmung von Höhenunterschieden nennt der
Verfasser ein Quasinivellement. . .
Er zeigt nun zunächst, daß die Strömung im Öresund im gewissen Sinne
als gleichgerichtet angesehen werden kann, indem gleichzeitige Einzelbeobach-
tungen bei den Feuerschiffen Lappegrund bei Helsingör und Drogden bei Dragör
ergeben, daß die Strömung bei beiden Schiffen entweder nach außen (nach dem
Kattegat) oder nach innen (nach der Ostsee) gerichtet ist. Wegen des verhältnis-
mäßig engen Fahrwassers bei Lappegrund nimmt der Verfasser an, daß der
Strom bei diesem Feuerschiff besser als irgendeine andere Messung die Resul-
tante der Wasserbewegung durch den Öresund darstellt; er hält sich daher in
seiner Arbeit ausschließlich an die hier angestellten Strombeobachtungen.
Die Richtung und Geschwindigkeit der Strömung, die alle vier Stunden
beobachtet werden, werden nur durch Schätzung bestimmt. Indessen sind die
Beobachter sehr geübt und die Beobachtungen in gewisser Richtung sehr gut.
Die Stromangaben beziehen sich auf den sogenannten Oberflächenstrom. Die
größere Übereinstimmung zwischen den Stromrichtungen der beiden Feuerschiffe
als zwischen deren Geschwindigkeiten ergibt sich aus der Natur der Sache, Die
Geschwindigkeitsschätzungen sind trotz aller Sorgfalt mit nicht unbeträchtlichen
Fehlern behaftet; der mittlere Fehler der einzelnen Beobachtung ist etwa 0.3 Sm
(Kvartmil) in der Stunde... Dagegen ist die Richtung des Stromes, der so gut
wie ausschließlich entweder ein- oder ausgehend ist, nicht so leicht zu verfehlen,
da die Beobachtung nur einem »Entweder — oder« entspricht. Ferner ist die
Stromgeschwindigkeit unter anderm infolge von Tiefenverhältnissen und der
Erdrotation in der Regel an verschiedenen Stellen in einem Querschnitt ver-
schieden, selbst wenn die Richtung des Stromes in dem ganzen Querschnitt die-
selbe ist. Namentlich bei Mittelbildungen darf man durchaus nicht annehmen,
daß zwei entgegengesetzt gerichtete Ströme, die in Wirklichkeit gleichviel Wasser
z. B. durch die 10 obersten Meter des Oresundes führen, im allgemeinen gleich
stark an einer bestimmten Stelle, z. B. bei dem Feuerschiff Drogden, auftreten,
Ströme von Norden können der dänischen Küste näher verlaufen als Ströme
von Süden. ;
Einige der Schwierigkeiten fallen bei den hier zu machenden Anwendungen
weg, die für das Quasinivellement mit einer Nullmethode zu vergleichen sind,
So ist die Einheit der Skala für die Geschwindigkeit gleichgültig, ebenso wie die
Frage der Tiefe des Stromes. Auch die Skala braucht nicht dieselbe für den
auslaufenden, wie für den einlaufenden Strom zu sein; es ist also nicht not-
wendig, daß sich entgegengesetzte Ströme an der Beobachtungsstelle gleich stark
bemerklich machen, selbst wenn sie gleich. viel Wasser durch den Öresund
führen. In diesem Falle sind Mittelbildungen, in die aus- und eingehende Ströme
eingehen, natürlich unzulässig. Es hat sich indessen gezeigt, daß diese Ungleich-
artigkeit für die Station Lappegrund wenig Bedeutung hat.
Im allgemeinen verursacht der Fall einer Mittelwasserstandsfläche gegen
die Geoidfläche eine mittlere Strömung, ohne daß man theoretisch vollständig
über deren Verhalten unter den verwickelten Verhältnissen Rechenschaft geben
könnte, wie sie die dänischen Gewässer darbieten. Auch wenn die Meeresober-
fläche mit der Generalmittelwasserstandsfläche zusammenfällt, werden die Geoid-
kräfte im allgemeinen Strömungen hervorrufen, da die Ursachen, von denen diese
Fläche abhängt, andre sind als die, die der Geoidfläche zugrunde liegen. Selbst
wenn die Wasserstandsfläche der Geoidfläche parallel ist, können Strömungen
auftreten; nur sind hier nicht die Geoidkräfte, sondern andre Ursachen maß-
gebend, wie Wind, Luftdruck, Unterstrom usw. Die Ströme im Öresund werden