Hasenkamp, H. v.: La Cours Untersuchungen über das sogenannte Quasinivellement, 489
lokale Besonderheiten und systematische subjektive Fehler der Beobachter. Unter
Voraussetzung von Proportionalität zwischen Gradient und Windstärke sind die
geometrischen Summen mehrerer Gradientwerte ein Maß für die mittlere Wind-
stärke, und die Richtung der Gradientresultanten ist sehr genähert ein Ausdruck
für die mittlere Windrichtung (ungefähr senkrecht darauf); nur bei sehr kleiner
mittlerer Windstärke wird die Unsicherheit der Richtungsbestimmung groß.
Verschiedene Versuche führten den Verfasser zu dem Ergebnis, daß man
sich mit großem Vorteil an eine einzige Windrichtung halten und den mittleren
Gradienten benutzen kann, der aus dem Luftdruck in den Ecken des sphärischen
Vierecks zwischen 50° und 60° N-Br. und 0° und 20° O-L. berechnet werden
kann. Diese Ecken liegen ungefähr bei den Shetlandsinseln, Calais, Krakau und
den Älandsinseln. Der Einfachheit wegen werden als Gradienten die Luftdruck-
differenzen in ganzen Millimetern benutzt, indem die Summe des Luftdrucks an
den nördlichen Ecken von der Summe des Luftdrucks an den südlichen subtra-
hiert wurde, Die Bezeichnung Luftdruckdifferenz, Luftdruckgradient, Gradient
werden deshalb von dem Verfasser gleichbedeutend gebraucht und immer auf
das erwähnte sphärische Viereck bezogen. Der Gradient wird positiv gerechnet,
wenn der Luftdruck im Norden niedriger ist als im Süden; einer Einheit des
Gradienten entspricht eine mittlere Windgeschwindigkeit von nahezu 0,3 msec.-*.
Die Luftdruckangaben sind den Monatskarten der synoptischen Karten des
Atlantischen Ozeans entnommen und bis auf ein Millimeter genau, Jedoch ist
die Schwerekorrektion auf 45° Breite nicht berücksichtigt, so daß mehrere der
Resultate noch eine Korrektion erfordern, die sich jedoch leicht anbringen läßt.
Hinsichtlich der Monatsmittel zeigte sich als Regel eine lineare Abhängig-
keit zwischen der Größe der Luftdruckdifferenz und der Abweichung des Wasser-
standes von einem festen Punkt der Pegelskala. Eine ähnliche Abhängigkeit
läßt sich auch für die Pentadenmittel erwarten; eine entsprechende Untersuchung
ist aber vorläufig noch nicht aufgenommen. Der Verfasser stellt die gefundene
Abhängigkeit graphisch dar für Esbjerg und benutzt hierzu sämtliche Wasser-
standsbeobachtungen für die Jahre 1890 bis 1907, Als Abszisse nimmt er die
Abweichung der Monatsmittel der Gradienten von dem für die Jahreszeit in dem
sphärischen Viereck normalen Wert; als Ordinate ist das Mittel der Abweichungen
der entsprechenden Monatsmittel des Wasserstandes von dem für die Jahreszeit
normalen mittleren Wasserstand genommen, ohne die Werte im übrigen irgend-
einer Ausgleichung zu unterziehen. Aus dieser graphischen Darstellung geht
unmittelbar hervor, daß die beiden Werte, von denen hier die Rede ist, innerhalb
des dargestellten Bereichs (größere Abweichungen sind sehr selten) linear mit-
einander verbunden sind.
Diese Abhängigkeit, die bei allen Stationen lange nicht gleich deutlich
hervortritt, ist im übrigen bei den verschiedenen Stationen und in den ver-
schiedenen Monaten verschieden. In den Sommermonaten sind die Abweichungen
des Gradienten von dem normalen Durchschnitt so klein, daß das Gesetz kaum
aus Beobachtungen zu dieser Jahreszeit allein hervorgehen würde, Für Esbjerg
erhält der Verfasser durch Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate die
Gleichung für den Monat März
AE=2923x — 9247 Sn
OD
Hier ist AE die Abweichung eines Monatsmittels des Wasserstandes im
März von dem Generalmiftelwasserstand!) in Esbjerg in cm, während x das
zugehörige Monatsmittel der Luftdruckdifferenz. in ganzen mm darstellt. Diese
Gleichung bezeichnet der Verfasser als Wasserstandsgradientgleichung für Esbjerg
im März, die sich, ‚wie er zeigt, mit Vorteil in verschiedener Weise, z. B. zu
Untersuchungen von längeren periodischen und aperiodischen Änderungen des
Wasserstandes verwenden läßt. Denn reduziert man mit HiMfe der Gleichung
1 Der Generalmittelwasserstand (Generalmiddelvandstand) ist das Gesamtmittel der‘ mittleren
Wasserstände der Station seit Beginn der Beobachtungen, Vgl. Den Danske Gradmaaling. Ny Raekke,
Hefte 9, 1912 Forste Afsnit. Vandstandsmaalingen, woraus die Definition des Ausdruckes hervor-
geht, der sonst nirgend in der hier zugänglichen Literatur zu finden ist. v. H.