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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Brennecke, W,: Tiefenbestimmungen im Meer usw. 
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Bei der Erörterung der technischen Einzelheiten der Lotungen und Serien- 
messungen auf der »Valdivia«-Expedition!) macht G. Schott besonders auf den 
Drahtwinkel aufmerksam und kommt zu dem Ergebnis, »daß selbst in einer 
mäßigen Oberflächenströmung von 1 Sm pro Stunde bei Reihen-Temperaturen, 
die bis 1000 m Tiefe gehen sollen, Fehler von 10%, möglich sind und man nur 
900 m wirklich erreichen kann, wenn die Verhältnisse ungünstig sind.« Auf der 
Forschungsreise S, M.S. »Planet« versuchte ich Aufschluß über die wirklich er- 
reichte Tiefe bei verschiedenen Drahtwinkeln durch Versenken eines registrie- 
renden Tiefseemanometers von Schäffer und Buddenberg zu erlangen, das 
eigens zu diesem Zweck konstruiert worden war?), Die Versuche erstreckten 
sich bis zu Tiefen von 1200 m; da das Instrument sehr schwer war und die 
Versuche relativ viel Zeit kosteten, so wurden nur neun ausgeführt. Das Er- 
gebnis dieser Versuche war folgendes: »Nur wenn das Schiff dauernd stark ab- 
treibt, der ablaufende Draht also dauernd seitlich durch das Wasser gezogen 
wird, werden bemerkenswerte Fehler auftreten können; in allen anderen Fällen, 
wo das Schiff immer wieder möglichst senkrecht zum Draht zu bringen versucht 
wird, wird der Fehler gering sein.« Für den ersteren Fall ergab sich ein Fehler 
von etwa 10%, während im letzteren Fall eine Verbesserung von 10 bis 20 m 
für hinreichend gehalten wurde. 
Weitere systematische Untersuchungen über Beziehungen zwischen Draht- 
winkel und erreichter Tiefe haben meines Wissens nicht stattgefunden, wohl aber 
wies Ruppin einen neuen Weg zur Ermittelung der von den Instrumenten 
wirklich erreichten Tiefe, indem er hierzu die Differenz zwischen einem offenen, 
nicht gegen Druck geschützten Kipp-Thermometer und einem gewöhnlichen, 
gegen Druck geschützten Kipp-Thermometer benutzte, also den Druck der über 
dem Instrument befindlichen Wassersäule aus diesen Temperaturdifferenzen er- 
mittelte®). Ruppin hat sein Verfahren bei den Arbeiten der Internationalen 
Meeresforschung erprobt; eine. weitere Prüfung der Methode fand durch Perle- 
witz‘) gelegentlich einer Probefahrt S. M.S. »Möwe« im Nordatlantischen Ozean 
für größere Tiefen statt. 
Für meine ozeanographischen Arbeiten auf der Deutschen Antarktischen 
Expedition hatte ich aus den Beständen der Lehrmittel-Sammlung der Deutschen 
Seewarte ein Umkipp-Thermometer mit offenem Schutzrohr (von Richter-Berlin) 
entliehen, um neues Material für die Frage nach den Beziehungen zwischen 
Drahtwinkel und wirklich erreichter Tiefe zu sammeln, indem ich mit dem 
Ekman-Schöpfer neben dem geschützten ein ungeschütztes Thermometer hin- 
untergab. Nachdem ich schon eine große Anzahl Beobachtungen gesammelt 
hatte, ging das Thermometer infolge Bruches eines Spleißes der Drahtlitze ver- 
loren. Dies war um so bedauerlicher, als — wie sich später herausstellte — 
dies das einzige nicht geprüfte Thermometer war. Ich verfuhr folgendermaßen: 
Unter den Serienmessungen, bei denen ich sowohl ein geschütztes wie ein un- 
geschütztes Thermometer versenkt hatte, befand sich eine Serie, bei welcher der 
Drahtwinkel 0° betrug und eine zweite Serie, bei welcher nur sehr kleine 
Drahtwinkel auftraten. Ich führte nun ein mittleres Volumen von 120° in die 
Korrektionsformel ein und nahm nach einigen Proberechnungen eine Korrektion 
von — 0.03° C, für das Hauptthermometer an. Bezeichne ich mit t die Tiefen- 
temperatur des Wassers in situ, mit tu die Temperatur, ermittelt aus den 
Ablesungen des ungeschützten Thermometers, so ergibt sich: die wahre Tiefe 
D==(tu—t) K; K ist, wie sich aus den beiden nachstehenden Serien ergibt, in 
unserem Fall — 100. Mit L ist die Länge der ausgegebenen Drahtlitze bezeichnet, 
1) Wissensch, Erg. der Deutschen Tiefsee-Expedition a, d. D. »Valdivia«, 1898/99, Bd, I. 
Ozeanographie. S. 71. 
?) Forschungsreise S. M. S, »Planet« 1906/07. Bd. III. Ozeanographie, S. 11. 
3) Vgl. hierzu Ruppin: Umkipp-Thermometer als Tiefenmesser in Wiss, Meeresuntersuchungen., 
Abt. Kiel, N.F. Bd. 9. Nr. 5. 1906. Ferner Ruppin: Die Hydrographisch-Chemischen Methoden. 
Ebendort.. N. F. Bd. 14, Nr. 2. 1912, 
4) Ann. d. Hydr. usw.« 1908, $S. 1...
	        
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