Wegener, K.: Die Eisverhältnisse in Nordwestspitzbergen 1912/13. 431
gelegentlich Sommer, in denen die Fangkutter überhaupt nicht in die Liefde-
und Wijdebai im Norden hinein können, ohne Gefahr, besetzt zu werden. Ja,
für Schiffe,‘ die mit Eis nicht zusammentreffen dürfen, kann selbst die Redbai
ganz im NW schon fatal werden, weil auch sie sich gelegentlich ziemlich rasch
bei N-Wind: mit Treibeis verstopft. Anderseits kann man bei ablandigem
Wind sogar mitten in der Winternacht die Nordküste entlang fahren, weil
die dann ziemlich fest zusammengefrorene und dicke Packeismasse vom Lande
absetzt und eine breite Fahrrinne frei macht. Setzen diese Eismassen aber
wieder auf die Küste zu, so .wird jedes Fahrzeug, das noch in ihren Bereich
kommt, zerdrückt. Der beste Ausweg, der aber auch zweifelhaft bleibt, besteht
bei südwärts gehendem Eis an der Nordküste darin, in aufgebrochene oder
lockere Stellen des Packeises hineinzugehen, Am Ufer türmt das nachdrängende
Eis, wie ich im Frühjahr 1913 gelegentlich einer Schlittenreise sah, die Eisblöcke
bis zu 10 m Höhe übereinander. ;
In einer Mitteilung über die Eisverhältnisse der nordpolaren Meere, diese
Zeitschrift 1914, S. 292 flgde., zitiert Dr. Brennecke eine Mitteilung über
besonders günstige Eisverhältnisse 1913 bei Spitzbergen, wobei als Beleg eine
Fahrt des Kutters Löwenskiöld unter Kapitän Lerner angeführt wird,
Löwenskiöld sollte den Zwecken einer Ablösungsexpedition dienen. Es gelang
ihm in der Tat, so früh wie noch keinem Schiff bisher, das Nordkap Nordostlands
zu erreichen, nämlich im Mai, aber mit dem Endresultat — was wohl der
Erwähnung wert scheint —, daß er bei südwärts setzendem Eise dort
zerdrückt wurde und sank. Erst im Anfang Juli sind allgemein die Massen
des Packeises so weit gebrochen und gelockert, daß ein solides Holzschiff die
Begegnung mit ihnen aufnehmen kann. .
‚Über die Eisverhältnisse der offnen See vor NW-Spitzbergen im Sommer
und Winter geben unsere Bergbesteigungen einige Anhaltspunkte. Wir’ hatten
auf dem 600 m hohen de la Brise Berg eine Thermographenstation eingerichtet,
die alle 2 Wochen besucht werden mußte, Von der Höhe dieses Thermometer-
berges aus sah man die offene See bis zum NW-Ende von Spitzbergen und
Prinz Karls- Vorland und die Cross- und. Kingsbai. Die Namen der Beobachter
sind in Klammern zugefügt.
Die Besuche der Bergstation.
Hütte wird aufgestellt, Oberhalb 400 m = und S, SW 5, Berg frei von Schnee,
Auf der See und dem Fjord kein Eis (Wegener, Robitzsch, Michaelis, Schwarz).
Loser Schnee in großen Vertiefungen, sonst schneefrei. Fjord und See
eisfrei (Michaelis).
Bewölkung 4, W 2, Fjord und See eisfrei (Michaelis).
Oben =°, SW3. AlNes eisfrei (Michaelis).
Oben =°, SO6. Rauhreif, Alles eisfrei (Michaelis).
Bewölkung 4°, SW'3, Abhänge mäßig vereist. Fjord und See eisfrei (Michaelis,
verliert beide Absätze an den Stiefeln). 6
Oben =2, 8 und X-, Abhänge vereist, W10 (Michaelis).
Alle Abhänge vereist, etwa 30 bis 40 cm Eis und Schnee, Die See ist dicht
mit Treibeis bedeckt, der Fjord etwa zur Hälfte mit dünnem Jungeis. Oben W.
Auf und Abstieg 3!/, Stunden (Wegener).
Wolkenbasis 400. Zeitweise Durchblicke. Auf der See Felder von Treibeis,
mit Schnee bedeckt. Fjord etwa halbbedeckt. Ebeltoft-Hafen zugefroren,
schneebedeckt. Abhänge des Berges hart, völlig vereist. Junge Schneedecke
vappt. Oben S3. Auf- und Abstieg 4 Stunden (Wegener, Schwarz).
Abhänge glatt, vereist. Oben =°, ®, NW4 (Schwarz).
‘Sonne ist nun auf 4 Monate unter dem Horizont.) Oben =°, NNOL1. ‘See
ınd Fjord sind eisfrei, letzterer bis zur Mitte. Im Norden = Bank, Abhänge
nit Glatteis bedeckt, durchschnittliche Schnee- und Eisdecke 60 cm. Auf- und
Abstieg 41, Stunden (Robitzsch).
GHatters mit 2 cm Graupeldecke. Fjord bis Kap Mitra mit Jungeis fest be-
Jeckt, ebenso Kingsbai, 4 Stunden (Michaelis).
Auf und Abstieg dauern 7 Stunden! Wiederholt verirrt wegen = und Dunkel-
seit, etwa 20 cm Neuschnee überall. Max.- und Min.-Thermometer sind aus
Jer Hütte fortgeweht (Michaelis, Schwarz),
Neue Thermometer aufgehängt. Überall 10 bis 20 em loser Schnee, darunter
Eispanzer.. Am ‘Quellbecken des Thorsbaches etwa 50 cm loser Schnee,
Dauernd X, von 100 m Höhe ab =], oben NW2. Sehr dunkel. 4'/, Stunden
Wegener).
15.
2