430 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1914.
geht dann bei Voll- bzw. Neumond wieder hinaus, Bei Überwinterungen und
gelegentlichem Passieren des äußeren Teiles der Buchten im Frühjahr muß mit
diesem Hinaustreiben des Eises gerechnet werden. Im Winter 1912/13 z, B.
waren die äußeren Teile der Cross- und Kingsbai längstens einmal, im März, auf
10 Tage zugefroren. Gewöhnlich aber ging die Eisdecke, die sich bei stillem
Wetter und halbem Mond gebildet hatte, bereits nach 3 bis 4 Tagen wieder
hinaus. Wie unzuverlässig das Eis dort ist, habe ich bei mehr als einer Gelegen-
heit gesehen. In einem Fall gingen wir die Küste entlang über das Eis, das
eine einzige, ungeheure, vertrauenerweckende Scholle bildete, vom Kap Mitra
zum Observatorium zurück, Eine Stunde nach unserer Rückkehr war der ganze
Fjord schwarz; alles Eis war hinausgegangen.
Als Beispiel für den normalen Verlauf seien folgende Beobachtungen
mitgeteilt, die am Kap Mitra gesammelt wurden:
1913. 1. Januar, Feste Eisdecke von etwa 0,40 m, Alle Waken sind zu.. Fjord gangbar,
2; Dünung. KEisdecke zerbricht in große Schollen. Fjord gangbar.
Be Grobe Dünung. Eis zerbricht weiter, bleibt aber noch liegen. Die Sechollen
heben und senken sich an der Küste bis zu 1 m.
Nachts Südsturm. See im Westen nun offen; abends zwischen Kap Mitra und
Karls -Vorland offenes Wasser, Kis ist jetzt in kleine Stücke zermalmt.
Starke Dünung,
Früh. Fijord ist leer bis auf einige Schollen,
Die Eisdecke ist niemals an den Ufern festgefroren, sondern, weil sie sich
mit den Gezeiten hebt und senkt und am Ufer Brandungswellen auftreten, durch
einen etwa 20 m breiten Streifen offnen Wassers mit vereinzelten Schollen
darin vom Ufer getrennt. Dieser Streifen offnen Wassers schließt und öffnet
sich etwas mit dem Winde. Dies erklärt, warum sich diejenigen Teile der Fjorde,
in denen das Eis nicht durch ein Kap oder eine Verengung festgehalten wird,
so rasch und gründlich entleeren können,
In den inneren Teilen der Fjorde wird das Eis im Laufe des Winters
2 m dick. Im Anfang Juli hat es noch etwa 1m Dicke, ist meist ungebrochen,
an der Oberfläche aber sehr zerfressen und mit tiefen Wasserlöchern bedeckt.
Meist verläßt es schon vor dem 1. Juli seinen Winterplatz, indem sich das
flache Uferwasser erwärmt, die »Gezeitenrinne«
verbreitert, und so schließlich bei ablandigem
Wind der Riesenscholle den Ausweg ermöglicht.
Die nebenstehende Skizze zeigt, zu welchen Zeiten
erst das innere Eis der Fjorde in dem guten
Eisjahr 1913 hinausging, (1913 blieb die West-
küste Spitzbergens im Juli, August und Sep-
tember ganz frei von Treibeis.) 1912 waren
Cross- und Kingsbai bereits am 1. Juli frei von
gis. Die nicht schraffierten Stellen zeigen, wie
weit die Fjorde offen bleiben, eigentlich das
ganze Jahr hindurch. Denn diese Teile waren
selbst im kältesten Monat höchstens 10 Tage lang
mit Eis bedeckt. In dieser Hinsicht sind über-
naupt wohl Cross- und Kingsbai neben der
Smeerenberg- und Magdalenenbai, noch weiter
nördlich, als die eisfreiesten Plätze Spitzbergens
zu betrachten, sehr im Gegensatz zu dem wegen
seiner Kohlen viel stärker benutzten Eisfjord.
Der Eisfjord fängt an seinem Eingang an, im Oktober zuzufrieren, so daß
der Zugang versperrt ist, Die inneren Teile bleiben wegen lokaler Strömungen
bis Dezember, ja, öfter Januar offen, oder jedenfalls unsicher. Erst Anfang Juli
geht er wieder auf, so daß die Kohlenschiffe, die vom Juni ab fahren, sich einen
langen Weg sägen und sprengen müssen,
Vor der Nordküste Spitzbergens liegt mit Ausnahme von Juli, August,
September dauernd die mächtige Treibeismasse des nördlichen Polarmeeres,
Auch die drei Sommermonate sind aber dort noch unzuverlässig. Es kommen
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