Erkundungsfahrten auf dem Tanganika-See in der Zeit vom 2. Juni bis‘ 19. Juli 1913. 33
jäger wird wohl erst an den See gelenkt werden können, wenn entweder die
Schlafkrankheit selber aufgehört hat, oder die zu ihrer Bekämpfung erlassenen
Sperrungsmaßnahmen gemildert sind. Bei dem meistens auf dem See herrschenden
starken Seegang kann eine Bereisung des Tanganika auch nur ganz seefesten
Menschen empfohlen werden. ; I
Soweit der Bericht des Korv. Kapt. Jacobs. Über die Grundproben aus
dem Tanganika-See, die vom Haımburgischen Mineralogisch-Geologischen Institut
untersucht worden sind und welche Untersuchungsergebnisse in die Tabelle S. 28
bis 30 mit aufgenommen worden sind, macht Herr Dr. E, Horn weitere Mit-
teilungen in dem folgenden Teile.
Grundproben,
Wie aus der Tabelle (S. 28 u. ff.) zu ersehen ist, bestehen die Sedimente des
Tanganika-Sees aus tonig-feinsandigem Material, das mit Diatomeenpelit wechsel-
lagert oder mit Diatomeen vermischt ist und im allgemeinen je näher der Küste
desto sandiger ist. Die Sedimente der Profile Usumbura—Uvia, Uvia—Migeria,
Migeria—Baraka und bei Ras Magala (St. Nr. 16 bis 28) stimmen untereinander
fast überein. Sie bestehen aus grünlichgrauem Schlick, welcher mehr oder
weniger reichlich Aragonitkriställchen!) enthält. Die Menge und Größe der von
den Küsten her den Sedimenten beigemengten Mineralkörnchen, wie Quarz usw.,
nimmt nach der Mitte zu ab. Probe 24 (T — 176 m) ist fast frei von solchen
eingeschwämmten Mineralkörnchen, enthält dafür aber außerordentlich viel
Aragonit. Die Proben 16 und 17 (T =— 135 und 295 m) sind außerdem noch
durch Diatomeen ausgezeichnet.
Von großem Interesse ist das Profil -Rumonge—Baraka (Nr. 6 bis 15), das
an der Nordspitze der Halbinsel Ubwari vorbeiführt und den Burton-Golf quert,
weil es uns die Ursache für die Bildung der eigenartigen Aragonitkristalle er-
kennen läßt. Die Sedimente des Burton-Golfs (Nr, 11 bis 14), abgesehen von
der aus unmittelbarer Küstennähe stammenden Probe 15 (T = 39 m), bestehen
aus grünlichgrauem Schlick mit großen Mengen von Aragonitkriställchen, welche
vielfach zahlreiche, papierdünne weiße Schichten in dem dunklen Schlick bilden.
Die Sedimente von Kap Pansa (Nordspitze der Halbinsel Ubwari) bis Rumonge
(Nr. 6 bis 10) dagegen enthalten. sehr wenig Aragonit, dafür aber mehr oder
weniger reichlich Diatomeen (einzellige Algen mit zierlich gebauten Kieselpanzern),
welche den Ablagerungen des Burton-Golfs fehlen, Die Anreicherung der Dia-
tomeenschälchen ist stellenweise so stark, daß das Sediment als Kieselgur oder
Diatomeen-Pelit bezeichnet ist, wie bei Nr. 9 und 10.
Von den Lotungen bei Njansa ist Nr. 3 auf Felsen gestoßen, Nr. 4 hat
grauen sandigen Schlick gefördert, und in den Proben 5 und 30 liegt wieder
Diatomeenablagerung vor, welche in 5 von Schlick überdeckt wird. In dem
Profil Remba—Musana haben leider nur die beiden Endlotungen ein Resultat
gehabt, da bei den andern der Grund nicht erreicht wurde und bei der später
dazwischen gelegten Lotung 74, welche bei 1277 m den Grund erreichte, der
Lotdraht, gekappt worden ist. Die Grundprobe der östlichen Lotung (Nr. 31)
besteht aus Diatomeenpelit, ebenso wie eine »600 m querab Kap Remba« ge-
wonnene Probe (wahrscheinlich Nr, 2 der Liste). Die westliche Probe (Nr. 39)
des Profils besteht aus grauem sandigen Schlick, Aus Diatomeenpelit bestehen
ferner die Proben des Profils Ras Kobogo-—Kungue (Nr. 69 bis 73). In dem
Profil Kungue—Mtoa (Nr. 42 bis 49) bestehen die drei ersten Proben aus grauem
diatomeenreichen Schlick, welcher bei der dritten aus 480 m Tiefe stammenden
Probe 44 besonders unten auffallend sandig ist. Da es einerseits sehr unwahr-
scheinlich ist, daß der Sand in dieser Probe von der östlichen Küste stammt,
weil dann die Proben 42 und 43 mindestens ebenso sandig sein müßten, ander-
seits die nächste Lotung Nr. 45 nur eine Tiefe von 136 m ergeben hat, so besteht
die Wahrscheinlichkeit, daß in der Nähe dieser geringen Tiefe früher eine jetzt
versunkene Insel vorhanden gewesen ist, welche das sandige Material der
Probe 44 geliefert hat. Auf der Untiefe (in 136 m) bildet sich jetzt Diatomeen-
1‘) Nach freundlicher Bestimmung von Herrn Dr. Herzenberg.
Ann. d. Hydr. usw. 1914, Heft I.