Thorade, H.: Die Geschwindigkeit von Triftströmungen und die Ekmansche Theorie. 387
Daraus folgt als Mittelwert:
Ysin
Kalifornischer Strom . 1.32 2,32
Kanarenstrom . . 1.34 2.46
Somalistrom . .... , . 111 3.00
Mittel . . . 1.26 2.59
Eine bessere Übereinstimmung können wir angesichts unseres Materials nicht
erwarten. Die Ekmansche Theorie bestätigt sich also in dem fraglichen Punkte
— immer in den Genauigkeitsgrenzen, die unser Material bietet: . .
Die Geschwindigkeit einer Triftströmung ist bei gleichem Winde umgekehrt
proportional zu Y sing.
Wir können mathematisch unser Ergebnis so darstellen: - ;
Bezeichnet s die Triftgeschwindigkeit in Sn ‚ v die Windgeschwindigkeit in
ee @ die geographische Breite, so ist in erster Annäherung
S
m
m
po für geringe Windstärken
1260 für größere Windstärken
/sine
Bei etwa III Bft. stimmen beide Formeln überein.
d. Vergleich mit früheren Untersuchungen.
Die in der Literatur öfter genannten Werte für x und A, welch letztere
Zahl wir im folgenden kurz den »Windfaktor« nennen wollen, weichen beträchtlich
voneinander ab, ändern sich jedoch wesentlich bei Beachtung des oben
behandelten dritten Ekmanschen Satzes.
i‘. Mohn, wohl der erste, der den Windfaktor zu bestimmen suchte, benutzte
die englischen »Quadrate« (10° S-Br. bis 20° N-Br.) für die äquatorialen
Strömungen des Atlantischen Ozeans!), Er sonderte 658 Fälle aus, in.denen der
Strom in der Richtung des Windes lief. Indem er diese Strömungen als reine
Triftströmungen ansah, fand er, daß der Windstärke 3.9 Bft. eine von Trift 15 Sm im
Etmal entspricht; er setzte dann s == 2v und berechnete 4 =— 3.2206 DZ Diese
Zahl ist von Wegemann?) und Castens?) mit Hilfe neuerer Reduktionswerte
der Beaufortskala verbessert; Castens berechnet. nach Köppen 4 = 4.94,
Später hat Nansen‘) den Mohnschen Windfaktor als zu groß bezeichnet,
weil alle vom Winde abweichenden Strömungen ausgeschieden und deshalb die
anderen stromerzeugenden Kräfte nicht berechnet und von der Windwirkung
abgezogen wären. Eine genaue Reduktion von i = 4.94 scheitert daher namentlich
an der mangelnden Kenntnis der Tiefenströme.
Um jedoch zu einer ungefähren Abschätzung zu kommen, greifen wir auf
die Ekmansche Theorie der Küstenströme zurück. Ekman Zzeigt®), daß an
einer langen geraden Küste der Oberflächenstrom dann in die Windrichtung fällt,
wenn die Küste (also der Tiefenstrom) 45° nach links (auf der nördlichen Halbkugel)
vom Winde abweicht. Tiefenstrom und Triftstrom sind dann gleich
ı) H. Mohn, Nordhavets Dybder usw. Christiania 1887 (norw. u. engl.) in: »Den Norske
Nordhavs-Expedition 1876 — 1878«, 8. 117 ff.
2) Wegemann, Die Oberflächenstr. des Nordatl. Ozeans. »Aus dem Archiv der Deutschen
Seewarte« 1899, 8. 13.
S) Castens, Unters. über die Strömungen des Atlantischen Ozeans. Dissertation, Kiel 1905.
4) Nansen, The oceanogr. of the North Polar Basin in »The Norwegian North Polar Exped.
1893 + 1896«. Scient. Res., Bd. III, S. 384.
5) Ekman, Beiträge z. Theorie'd. Meeresstr., »Ann. d. Hydr. usw.« 1906, S. 529, Fig. 15:
siehe auch Krümmel, Hdb. d. Oz., II, 2. Aufl. 1911. S. 529, Fig. 152.