Thorade, H.: Die Geschwindigkeit von Triftströmungen und die Ekmansche Theorie. 381
Theorie, ‘Sie soll das Ziel der vorliegenden Arbeit sein. Die bisherigen Ab-
handlungen über diesen Gegenstand, von denen weiter unten zu reden sein wird,
behandelten, soweit wir sehen, namentlich die Abhängigkeit der Stromgeschwindig-
keit vom Winde. Für unsere Zwecke müssen wir einen andern Standpunkt
wählen und fragen:
Ist die Geschwindigkeit der Triftströmungen von der geogra-
phischen Breite abhängig? Ist sie insbesondere umgekehrt proportional
zu Ysinge ?
b. Die Aussonderung reiner Triftströmungen.
Die angeführten drei Ekmanschen Sätze gelten nur für reine Trift-
strömungen; es ist aber sehr schwierig, ja kaum möglich, auf dem Ozean
reine Triftströmungen im Sinne Ekmans zu finden. Man kann eine
Strömung nicht einmal dann mit Sicherheit als reine Triftströmung ansehen,
wenn sie um den geforderten Winkel von 45° von der Windrichtung abweicht.
Betrachten wir z.B. den Nordäquatorialstrom des Stillen Ozeans, Nehmen
wir einen überall gleich breiten Passatgürtel an, der von Ost nach West verläuft,
nehmen wir ferner an, daß der Passat beständig gleichmäßig aus NO weht, so
wird überall im Passatgürtel der. Triftstrom an der Oberfläche 45° rechts vom
Winde, also nach W fließen. Die tieferen Schichten aber bewegen sich immer mehr
nach rechts, so daß am Nordrande des Passatgürtels das Wasser angestaut wird, Die
Theorie zeigt, daß der Rücktransport des Wassers (im stationären Zustande) von
einem Strom am Meeresboden besorgt wird, der die gleiche geringe Mächtigkeit
wie der Triftstrom hat, Die ganze Wassermasse zwischen Bodenstrom und Triftstrom
dagegen bewegt sich als Tiefenstrom 90° rechts vom Gradienten, also von O nach
W wie der Triftstrom; in ähnlicher Weise, wie die Windrichtungen um ein Tief-
druckgebiet auch um etwa 90° vom Gradienten abweichen, Der Oberflächen-
strom, s, den der Beobachter wahrnimmt, ist also zwar um 45° vom Winde ab-
gelenkt, aber seine Geschwindigkeit ist zusammengesetzt aus derjenigen des
Tiefenstroms, s,, und derjenigen des reinen Triftstroms, 8,, also
S=8, +.
Es ist auch nicht angängig, die kombinierte Wirkung des Windes und des
von ihm erregten Druckgradienten als Windstrom anzusehen, Denn der Tiefen-
strom s, ist monatelang beständig, der Triftstrom s, aber ändert sich fast so
schnell wie der Wind (siehe auch S, 382). Daher kann s== 8, -|- 8, Sich nicht
in einfacher Abhängigkeit vom Winde oder proportional
1
V sin
ändern, sondern man kann dies nur von
s, erwarten. Es gilt also, s, aus dem
beobachteten s auszusondern, auch wenn
sie nicht gleiche Richtung haben.
Diese Schwierigkeit löst eine mir
von Herrn Dr.Ekman in dankenswerter
Weise vorgeschlagene Methode, Wir
untersuchen die Strömungen an einer
langgestreckten geraden Küste. Dann
ist von beiden Strömungen die Richtung
bekannt: Der Tiefenstrom fließt parallel
zur Küste; das muß z.B. auch dann
der Fall sein, wenn es sich um Zufluß
oder Abfluß andrer Strömungen, also
nicht um reine Windwirkung handelt;
denn eine dauernde Bewegung so großer
Wassermassen senkrecht zur Küste könnte nicht stationär sein. Es wird außer-
dem auch durch die Tiefentemperaturen an den Küsten bestätigt. Der Trift-
strom anderseits weicht um 45° nach rechts vom Winde ab; das ist durch die
Erfahrung gut bestätigt (siehe Abschn. a). In Fig, 1 sei e die beobachtete