378 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1914.
verhältnismäßig günstig. Was zunächst die Zahl derjenigen Tage an den ver-
schiedenen Beobachtungsstellen der Küste betrifft, an denen Eis gesichtet wurde,
ohne Berücksichtigung der Störung der Schiffahrt, so ragen naturgemäß wieder
die Haffe am meisten hervor, Das Frische Haff hatte am häufigsten, nämlich an
75 Tagen Eis, aber doch weit weniger als der Durchschnittswert des achtjährigen
Zeitraumes 1908/04 bis 1910/11 mit 112 Tagen. Noch bedeutender ist der Unter-
schied zwischen dem letztjährigen Betrage und dem langjährigen bei dem Stettiner
Haff, wo an nur 35 Tagen Eis beobachtet wurde, gegenüber 61 im langjährigen
Mittel. Bei weitem geringer ist der Unterschied, wenn man die durch das Eis
verursachte Störung in Betracht zieht. Im Frischen Haff war im letzten Winter
die Schiffahrt an 65 Tagen ganz geschlossen, während dies an 63 Tagen im
Durchschnittswert der Fall war. Trotzdem wird man auch bezüglich der Stärke
der Eisbesetzung den letzten Winter hier als verhältnismäßig günstig bezeichnen
dürfen, da außer dieser beinahe normalen Verhinderung der Dampferfahrt außer-
dem noch die Segelschiffahrt nach den Beobachtungen jenes achtjährigen Zeit-
raumes alljährlich an 57 Tagen geschlossen zu werden pflegt, während dies im
Winter 1913/14 an keinem Tage der Fall war; der Frost setzte gleich so intensiv
ein, daß alsbald die ganze Schiffahrt geschlossen werden mußte; insgesamt pflegt
also normalerweise die Segelschiffahrt an 63 + 57 = 120 Tagen alljährlich im
Frischen Haff aufzuhören, was im letzten Winter nur an 65 + 0 = 65 Tagen der
Fall war. Wie das Stettiner Haff mit 35 Tagen geschlossener Segelschiffahrt den
37 Tagen des achtjährigen Mittels ziemlich nahe kommt, ist dies auch im Rügener
Fahrwasser der Fall; Thiessow meldete für die östliche Einfahrt in den Bodden
bis Stralsund 13 Tage, Barhöft für die nördliche Einfahrt 15 Tage mit ge-
schlossener Segelschiffahrt gegenüber 12 bzw. 14 Tagen im langjährigen Durch-
schnitt. Aber auch hier macht sich das schnelle Eintreten intensiven Frostes in
der Weise bemerkbar, daß die Stärke der Eisbetzung eine anormal plötzliche
war; denn normalerweise sollte hier während des Winters an 42 bzw, 53 Tagen
Eis vorkommen, was im letzten Winter aber nur an 20 bzw. 21, also kaum der
Hälfte der Tage der Fall war. Auch das Revier von Memel hatte nur an
47 Tagen Eis gegenüber normal 66 Tagen, während der Hafen von Pillau mit
seinen 65 Eistagen des letzten Winters der Zahl 69 des achtjährigen Mittels
ziemlich nahe kommt. Aber auch Pillau zeigt die Wirkung des schnell ein-
tretenden intensiven Frostes im letzten Winter dadurch, daß die Segelschiffahrt
an mehr Tagen geschlossen war als normalerweise zu erwarten gewesen wäre;
es stehen den 55 Tagen des letzten Winters nur 47 des achtjährigen Durchschnitts
gegenüber. Auch an der westlichen Ostseeküste wiederholt sich meist dasselbe
Bild, daß die Eisbesetzung von kürzerer Dauer, aber intensiver war, als es nach
den langjährigen Beobachtungen zu erwarten gewesen wäre. Besonders bemerkens-
werte Erscheinungen ergeben sich hier sonst an keiner Stelle.
Die Eisperioden.
Das erste Eis trat an der östlichen Ostseeküste auf, als Ende Dezember
hier Frost eintrat; allgemeiner aber stellte sich die Eisbesetzung erst von der
zweiten Dekade des Monats Januar ab ein. Sie reichte bis Ende Januar, nur
die Haffe behielten noch den Februar hindurch Eis, am längsten das Frische
und das Kurische Haff, von wo noch Mitte März die Meldungen über das Vor-
handensein von Eis eintrafen.