26 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1914.
wieder zurück, stauen sich (2), machen halt, werden vom Wasser angezogen,
kommen selten hinüber, kommen vorher zum Ausbruch, ziehen an der Küste
oder dem Flusse entlang (2), teilen sich; nur die sehr starken Gewitter lassen
sich nicht durch das Wasser abschrecken und kommen dann um so stärker zum
Ausbruch; am Wasser finden die stärksten Entladungen statt, wie auch im Ge-
birge; an der Küste sind die Gewitter stärker als weiter draußen auf See, Dies
gilt auch von Küsteninseln, z. B. von Fehmarn, wo die Gewitter länger stehen
bleiben. Kommt ein Gewitter bei Flut zum Ausbruch, so wird es nicht stärker.
16, Wetterregeln, die an bestimmte Zeit gebunden sind.
In bezug auf die Jahreszeiten heißt es: Wie der Wind am ersten Tage
eines Quatembers ist oder am dritten Tag, so weht er das ganze Vierteljahr,
Stürme treten vorwiegend acht Tage vor und nach dem 21, März und
21. September auf — Äquinoktialstürme — sowie zur Zeit des Leonidenfalls
(November). Der Wind, der im Dezember weht, herrscht auch von Januar bis
März vor.
Im Winter bringen Neumond Kälte, Nebensonnen mit fallendem Barometer
schlechtes Wetter, Dauernder Regen kommt im Winter auch bei Ostwind vor.
Im Frühjahr weht Ostwind um so ständiger, je länger er schon weht.
Wenn der Nordwind im Februar nicht auftritt, so kommt er im April. Nebel
kündet sich im Frühjahr durch Windwechsel von Süd auf Nordost an.
Regnet es am Siebenschläfer, so regnet es noch sieben Wochen lang. Ein
schmutziger Juli läßt einen schönen September erwarten.
Wie die Jahreszeit, so ist auch die Tageszeit mit in die Wetterregeln
verflochten. Ein Auffrischen des Windes am Tage bei konstantem Barometer
läßt Fortdauer des Windes erwarten. Läßt der Sturm zur Zeit des Sonnen-
untergangs nach, so frischt er nachts wieder auf (7); Ostwind, der bei Sonnen-
untergang abflaut, setzt am folgenden Tag wieder ein. Nimmt Sturm zur Zeit
des Sonnenuntergangs zu, so flaut er bald ab (3); Ostwind, der am Abend ein-
setzt, dauert nicht lange an,
Schlechtes Wetter dauert fort, wenn ein Regenbogen nach 4 Uhr nach-
mittags erscheint.
Auf eine dritte Zeitperiode gründen sich die Wochentags-Vorhersagen.
Hierhin gehört vor allen der Vergleich des Wetters am Freitag und Sonntag.
In den eingelaufenen Antworten wird in 13 Fällen behauptet, daß Freitagswetter
gleich Sonntagswetter ist, siebenmal wird gesagt, daß diese Regel unbegründet
ist, daß man nichts darüber wisse, daß man nichts aus dem Wetter am Freitag
über das Wetter am Sonntag schließen kann und in 12 Fällen wird kein Wert
auf solche allgemeine Regeln und Wettervorhersagen gelegt,
Von den weiteren Wettervorhersagen dieser Art sind noch folgende an-
zuführen:
Ein Beobachter sagt: Die allgemeine Regel: »Ist der Montag stürmisch,
so ist die Woche still« stimme nur selten, zwei andere Beobachter sagen dasselbe
von einer ähnlichen Regel: »Ein glatter, schmieriger Montag gibt eine schmierige
Woche«, Ferner heißt es: Sonnabends gibt es stets Sonnenblicke (3), wenn auch
nur kurze Zeit, nur zweimal im Jahr nicht. Regnet es am Sonntag, so gibt es
die ganze Woche etwas; ist das Wetter die ganze Woche schlecht, so wird es
Sonntae besser.
17. Wetterverse.
Zum Schluß sollen noch die in poetischer Form uns von den Seeleuten
übermittelten Wetterregeln der Vollständigkeit halber hinzugefügt werden.
>»Abendrot — gut Wetterbot.« ;Morgenrot — schlecht Wetter droht.:
‚Geht unter die Sonne ganz klar, [ wirds Wetter ]
Kommt ÖOstwind ohne Ciefahr.« »Abendrot ; makt Wetter * god.
| deist morgen J
Morgenrot bringt Water in’n Sod.
Geht unter die Sonne im Nest,
Kommt sicher der Wind von West.«