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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1914,
Zur Kompensation mit Flindersstangen.
In »Ann. d, Hydr. usw.« 1913, Heft IX, schreibt Herr Dr. Meyermann
über die sich bei der Kompensation mit Flindersstangen ergebenden Schwierig-
keiten, Diese bestehen bekanntlich darin, daß es unmöglich ist, den Koeffizienten B
in seine Bestandteile zu zerlegen, wenn keine Beobachtungen auf genügend ver-
schiedenen Breiten vorliegen. Durch diesen Übelstand ist in fast allen Fällen
eine Nachkompensation erforderlich derart, daß die Flindersstange verlängert
bzw. verkürzt werden muß, um den Restbetrag von B, fortzuschaffen; ebenso
sind die Längsschiffsmagnete zur völligen Aufhebung von B, neu zu verlegen,
Die Ungenauigkeiten in der Kompensation entstehen nun zum Teil durch Ver-
nachlässigung des Umstandes, daß der Effekt der’ festen Längsschiffsmagnete
durch eine vor bzw. hinter dem Kompaß befindliche Flindersstange verstärkt
wird, wenn die Magnete das untere Ende der Stange induzieren, Das ist stets
der Fall, wenn die Längsschiffsmagnete ein großes magnetisches Moment besitzen
und eine lange Flindersstange dicht vor dem Kompaßhaus (das ist bei Trocken-
kompassen ja statthaft) sitzt. Der Vorschlag des Herrn Dr. Meyermann geht
nun dahin, bei der Nachkompensation die festen Längsschiffsmagnete zunächst
ganz zu entfernen, dann die Flindersstange entsprechend dem Restbetrage von B,
zu verändern und darauf mittels der festen Längsschiffsmagnete den Koeffizienten B
gleich Null zu machen. Diese sehr empfehlenswerte Methode wird namentlich
den Kompaßadjusteuren gute Dienste leisten, die ja allein darauf angewiesen
sind, auf Grund der während einer Reise nach dem Süden gemachten Beob-
achtungen die Nachkompensation vorzunehmen. Der Schiffsführung möchte ich
folgenden Vorschlag für die Anbringung der Flindersstange machen.
Schon bevor man auf dem magnetischen Aquator mit der Kompensation
von B, beginnt, setze man eine Flindersstange von richtiger Länge ein; das ist
möglich, da der Wert von B, an der Basisstation sich aus den bisher erhaltenen
Beobachtungen (von der Nordsee bis zum magnetischen Aquator) berechnen läßt.
Länge und Abstand der Stange entnehme man einer geeigneten Tabelle (z. B. der
Tabelle III in Meldau, Kleines Kompaßlexikon). Hierdurch wird schon auf dem
magnetischen Äquator der verstärkenden Wirkung der festen Längsschiffs-
magnete Rechnung getragen, so daß eine Nachkompensation häufig gar nicht mehr
nötig sein wird. Zur Erläuterung mögen zwei typische Beispiele dienen.
I. An Bord eines auf nördlichem Baukurse erbauten Schiffes beobachtet
man an der deutschen Küste ein B (B, + B,) von — 30°. Dieser Betrag wird
allein durch feste Magnete fortgeschafft, Am magnetischen Aquator angelangt,
findet man ein B von +10° vor, Dieses B ist gleich dem Koeffizienten B,,
wenn man von B,; (remanenter Magnetismus) absieht. Befindet man sich auf
einer Reise nach Australien (durch den Suez-Kanal), so kann B, völlig ver-
nachlässigt werden, denn auf der Strecke Aden— Colombo wird sich kaum
remanenter Magnetismus bemerkbar machen, weil die Liegezeit auf den vor-
herigen Kursen eine verhältnismäßig kurze ist. Anders ist es jedoch bei Reisen,
die in den Südatlantik führen. Hier wird man schon auf dem magnetischen
Äquator ein +B, von 3° bis 4° als vorhanden ansehen und in Rechnung bringen
müssen. Aus den beiden Beobachtungen:
B = 0° an der deutschen Küste,
B = 410° am magnetischen ÄAquator,
ergeben sich für die Basisstation folgende Werte der Teilkoeffizienten:
Bı+B= ©@
0.5 B, + 0-+B, = L10°
“at
and dementsprechend B = 750 } B— 0.
Nun betrug der Koeffizient vor der Kompensation — 30°, so daß
Bı = — 10°
und Be = — 20°