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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1914,
Von den wenigen Angaben über die Ergebnisse dieser Untersuchungen
sei erwähnt, daß in den kälteren Meeresgebieten die Größe der Planktonfänge
rasch zunahm, namentlich bei den Diatomeen, die die Planktonnetze verstopften.
In den Grundproben fand man noch 10 cm unter der Oberfläche viele Diatomeen
mit Protoplasma und Chlorophyllkörperchen. Die Untersuchung der Sommer-
temperaturen in verschiedenen Tiefen des Roß-Meeres ergab, daß eine Temperatur
von + 1°C beinahe nie erreicht wurde, die gewöhnliche Temperatur war ein
wenig unter 0°C. Eine Folge der niedrigen Wassertemperatur ist die geringe
Zersetzung der Organismen. Die Zahl der angetroffenen Wale war sehr groß,
vorherrschend waren der Blauwal und. Zwergfinnwal sowie große Schwärme von
Schwertwalen. »Ein auffallender Zug der Meeresfauna der Antarktis ist der
außerordentliche Reichtum an Individuen, während die Verschiedenartigkeit an
Formen nicht sehr groß zu sein scheint.«
Ein zusammenhängender Bericht über die Lotungen liegt nicht vor, jedoch
entnehmen wir den Reiseberichten Scotts, Evans und Pennells, daß auf allen
drei Reisen zum Roß-Meer Tiefsee-Lotungen ausgeführt wurden. So wurde auf
der zweiten Reise täglich gelotet und das Programm der dritten Reise enthielt
die Aufgabe, »eine Lotungslinie von der Bankshalbinsel bis 60° S-Br., 170° W-Lg.
abzulaufen. Von dort sollte das Schiff südwärts gehen bis zur Packeisgrenze
und täglich zweimal loten, im Packeis sodann in etwa 165° W-Lg. die Boden-
verhältnisse untersuchen.« Auf dieser Reise wurden mehrere Lotungen von
mehr als 5000 m Tiefe ausgeführt, bei der Rückfahrt nach Norden wurden in
Ansteuerung der Terre Nova-Bucht an der Ostküste von Viktoria-Land (auf der
Flachsee) 1160 m Tiefe gelotet, in der Nähe des Ufers noch 362 m. Sind auch
keine bestimmten Angaben bislang über die‘ einzelnen Lotungen in dem Reise-
bericht gegeben, so erhellt doch aus diesem schon, daß fleißig gearbeitet worden
ist, und daß wir eine wesentliche Bereicherung unserer Kenntnis des Bodenreliefs
dieses Meeresraums zu erwarten haben,
Sehr reich dürfte auch die meteorologische Ausbeute der Expedition sein,
da ein Observatorium 1. Ordnung mit registrierenden Instrumenten und Termin-
ablesungen auf der Winterstation während zweier Jahre unterhalten worden ist.
Hierzu treten die gleichzeitigen Beobachtungen während eines Jahres bei Cap
Adare, ferner ergänzend die Beobachtungen der Zweig-Expeditionen und schließ-
lich später diejenigen von Amundsens Station in der Walfisch-Bucht. Auf der
Winterstation wurden auch zahlreiche aerologische Beobachtungen mittels Ballons
und Drachen ausgeführt, ferner wöchentliche absolute Bestimmungen des Erd-
magnetismus neben den ständigen Registrierungen aller drei Elemente, Be-
obachtungen des Südlichts sowie der optischen Erscheinungen und schließlich
Bestimmungen der Schwerkraft durch Pendelbeobachtungen,
Aus den Angaben über die beobachteten Temperaturen führe ich an, daß
die Jahrestemperatur im Mac Murdo-Sund — 18.0° C betrug, während sie in
‚Framheim« auf der Barriere zu — 25.2° festgestellt wurde — letzteres ist die
niedrigste, bislang beobachtete Jahrestemperatur auf der Erde. Eine Erklärung
dieses enormen Unterschieds zwischen der englischen und norwegischen Winter-
station ist z. Zt. noch nicht möglich, jedoch wurde schon auf der »Discovery«-
Expedition festgestellt, daß die Barriere viel niedrigere Temperaturen aufweist
als Mac Murdo-Sund, auch beobachtete im Juli 1911 eine nach Cap Crozier auf-
gebrochene Abteilung auf der Barriere — 60.5°, die niedrigste Temperatur, die
bislang in der Antarktis festgestellt worden ist.
Besteht schon in den Temperaturverhältnissen ein wesentlicher Unter-
schied zwischen der englischen und norwegischen Station, so ist er noch aus-
geprägter in der Stärke der Winde bzw. in der Häufigkeit der Stürme. Aus
Amundsens Bericht entnehme ich folgendes: »Die durchschnittliche Geschwindig-
keit des Windes betrug 3.4 m/sec. Diese Geschwindigkeit ist überraschend
gering, aber die Anzahl der Sturmtage stimmt damit überein, denn es waren
im ganzen nur 11 wirkliche Sturmtage, die sich ziemlich gleichmäßig auf die
Monate verteilen, Windstillen waren sehr häufig.« Der Meteorologe der Scott-
Expedition berichtet dagegen von der Aufeinanderfolge der Orkane (gemeint