Brennecke, W.: Einige Ergebnisse von Scotts Südpolarexpedition. 345
16. I. °1913). Roß, der 1841 bis 1842 vom 17. XII. bis zum 2. IL in 146° W-Lg.
von 61° S-Br. bis 67'/, S-Br. im schweren Packeis südwärts vorgedrungen war,
fand die Packeisgrenze von 67'/, S-Br. 159° W-Lg. südwestlich verlaufend bis
75° S-Br. und 173° O-Lg.: Im Westlichen Teil der Roß-See wurden stets leichtere
Eisverhältnisse getroffen wie im Östlichen Teil; wenn man aber Roß- und
Weddell-Meer miteinander vergleicht, so braucht nur angeführt zu werden, daß
die Deutsche Antarktische Expedition im Weddell-Meer von 57'/, S-Br. bis
74° S-Br. fast stets mit Schollen- oder Feldeis zu kämpfen hatte, vom 15, XI.
1911 bis zum 29. I 1912, und daß es hier weder dem »Jason«, noch. der
»Antarctie« noch der »Scotia« gelungen ist, die südlichsten Meeresgebiete zu er-
reichen. Daß letzteres der Deutschen Expedition gelungen ist, bleibt das un-
bestreitbare Verdienst ihres Kapitäns Richard Vahsel, der mit nie ermüdender
Energie, Seemeile um Seemeile das Packeis forecierend, nach Süden vordrang.
Die Ursachen für die leichteren Eisverhältnisse im Roß-Meer dürften. in
folgendem zu finden sein: Die meridional verlaufende West-Seite des Roß-Meeres,
Süd-Viktoria-Land, kurvt in 71° S-Br. in Ost-West-Richtung um, das nördlichste
bekannte Gebiet der Ost-Seite, König Eduard VII. Land, liegt in 75° S-Br.;
die südlichste Begrenzung des freien Meeres liegt in 78° bis 79° S-Br. Die Ein-
buchtung des Roß-Meeres ist also flach und demzufolge die Gesamtmenge des
im Winter gebildeten Meereises nicht bedeutend im Vergleich zum Weddell-Meer,
dessen Westküste sich — soweit wir heute wissen — von 62° S. bis 78° S-Br.
erstreckt und so, da die Ostküste auch erst zwischen 70° bis 72° S-Br. umschwenkt,
eine tiefere Einbuchtung als das Roß-Meer ist, welche die Bildung des Meereises
begünstigt,
Die erwähnten ungünstigen Eisverhältnisse im östlichen Teil der Roß-See
Führe ich auf eine Stauung der großen Trift der längs der Küste des antarktischen
Kontinents sich von Ost nach West bewegenden Eismassen zurück, eine Stauung,
die dadurch verursacht wird, daß die von Osten und Süden nach niedern Breiten
geförderten Eismassen in 65° bis 70° S-Br. durch vorwiegend westliche Winde
wieder nach Osten gedrückt werden.
Ebenso wie im Weddell-Meer sind im Roß-Meer die Eisverhältnisse in den
einzelnen Jahren verschieden. So fand die »Terra Nova« auf der zweiten Süd-
reise Mitte Januar 1912 die südlichsten Gebiete völlig von Packeis blockiert, und
es dauerte drei Wochen, bis es dem Schiff möglich war, zum Mac Murdo-Sund
zu gelangen — vier Wochen später als auf der ersten Reise. Ebenso war Ende
Februar 1912 die Ostküste von Viktoria-Land unzugänglich, so daß eine hier in
der »Terra Nova«-Bucht auf einige Wochen abgesetzte Zweigexpedition wider
Willen überwintern mußte.
Auf der Rückfahrt von der ersten Reise nach Süden gelang es der »Terra
Nova« im Februar 1911 unter dem Kommando von Leutnant Pennell die bisher
unbekannte Festlandküste im Westen von Kap-Nord zu sichten, die Oates-Land
benannt wurde (69° 43’ S-Br., 163° 17’ O-Lg.). Vor der Küste lag Packeis, das
Land selbst war in Nebel gehüllt und das Schiff wurde bei weiterem westlichen
Vordringen mehr und mehr von, der Küste abgedrängt. Die Küste war steil
und zerrissen, sie ist durch Felsvorsprünge, die durch Gletscher getrennt sind,
charakterisiert. Soweit man feststellen konnte, befand sich‘ das Schiff am west-
lichen Ende einer großen Bucht.
Die »Terra Nova« .hat auf allen ihren Reisen nach Süden ozeanographische
und biologische Arbeiten ausgeführt, worüber D. G. Lillie berichtet. Auf -der
Ausreise von Europa wurde sowohl mit dem Plankton- wie mit dem Schleppnetz
gefischt, auch wurden einige Meerwasserproben aus verschiedenen Tiefen zur
Salzgehaltsbestimmung konserviert. Während einer dreimonatigen Vermessung
an den Nordküsten Neu-Seelands wurden 80 Planktonfänge und 32 Seewasser-
proben gewonnen, Die größte Ausbeute entfiel auf die drei Sommerreisen nach
dem Süden: . 135 Planktonproben und 96 Seewasserproben, auch wurden 50
Schlamm- und Schlickproben des Meeresgrundes gesammelt. Es ist dies um so
erfreulicher, als wir bislang trotz der zahlreichen Fahrten in die Roß-See recht
wenig über die Natur des Meeres hier wissen, '