24
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1914,
facher Wolkenschicht (3), nimmt es einen sehr niedrigen Stand ein (4), so tritt
schlechtes, stürmisches, regnerisches Wetter ein; starkes, ständiges Fallen (7),
besonders bei Süd- und Südwestwinden, oder Fallen bei Windstille bringt Sturm.
Langsam fallendes Barometer deutet auf Südwind, fallendes Barometer und Ab-
flauen des Windes am Tage auf Windwechsel, fallendes oder niedriges Baro-
meter und Winddrehung von Ost über Südost nach Süd auf schlechtes Wetter
und Auffrischen, fallendes Barometer und Nebensonnen auf Sturm, Regen,
schlechtes Wetter.
12. Wetterregeln aus der Mondphase,
Der Mond ist für den einen unschuldig, für den andern ein Schelm und
für den dritten ein sonderbarer Gesell.
Der Einfluß des Mondwechsels auf die Witterung wird sehr verschieden
beurteilt, die Ansichten sind sehr widersprechend, Viele sagen, daß der Mond-
wechsel keinen oder keinen zuverlässigen Einfluß ausübt (10), andere sind
dagegen von einem großen, einem sicheren Einfluß überzeugt (3), jedoch ohne
nähere Angabe, inwiefern dies der Fall ist; wieder andere sprechen ihre Ansicht
dahin aus, daß bei Mondwechsel, beziehungsweise 3 Tage vorher oder nachher
ein Witterungswechsel, eine Unterbrechung des Wetters, meist schlechtes, unruhiges
Wetter zu erwarten ist (12).
Ein bis zwei Tage nach Mondwechsel kommen die kritischen Tage und
nach einer alten Seemannsregel kommt immer drei Tage nach Mondwechsel
Westwind.
Findet der Mondwechsel zwischen Mittag und Mitternacht statt, so folgt
gut Wetter (3), ist er dagegen zwischen Mitternacht und Mittag, so ist schlechtes
Wetter zu erwarten (3); findet er näher bei Mitternacht als bei Mittag statt, so
folgt gutes Wetter (3), andernfalls schlechtes Wetter (3); ist der Mondwechsel
vormittags, so sind östliche Winde (2), ist er nachmittags, westliche (2) zu erwarten.
Vollzieht sich der Mondwechsel im Sternbild der Fische, so folgt schlechtes
Wetter. .
Bei Vollmond treten stürmische, vielfach nordwestliche Winde ein (7)
und die Stürme dauern bei Vollmond länger als bei Neumond. Neumond im
Winter bringt Kälte. Springtiden bringen stürmisches Wetter.
Mit abnehmendem Mond kommtschlechteres Wetter (2), mit zunehmendem
besseres (2).
Liegt die Mondsichel bei zunehmendem Mond auf dem Rücken, stark
zurückgelehnt, so folgt nach einigen Beobachtern gut Wetter (3), nach andern
schlecht Wetter und Sturm (2); ist der Mond nach vorn übergeneigt, so folgt
nasses Wetter (2), steht der Mond aufrecht, so folgt unbeständige, stürmische
Witterung. Auch sind die Ansichten verschieden, wenn bei Neumond die Sichel
aufrecht oder liegend oder schräg steht; man spricht von hängendem Neumond
und schlechtem Wetter, aufsitzendem Neumond und gutem Wetter; doch sind
die Ansichten oft sehr verschieden und unklar.
Geht der Mond auf, so hört es auf zu regnen. Steht der Mond am süd-
lichen Himmel, so folgt schlechtes Wetter, steht er am nördlichen Himmel,
gutes Wetter.
13. Wetterregeln aus der Temperatur.
Die Temperatur und ihre Änderung wird von den Seeleuten an der Küste
im allgemeinen nicht zu Wettervorhersagen benutzt. Eine Ausnahme bildet die
Voraussage von Nebel. Bei plötzlichem, starkem Temperaturwechsel, meist
Temperaturfall, und steigendem Barometer wird auf Nebel geschlossen (8), der
sich am Horizont oft gleichzeitig durch eine Bank anzeigt.
Außerdem ist als einzige auf die Temperaturverhältnisse sich gründende
Wetterregel angegeben: Ist Rußland im Winter kalt, so bleibt die Ostsee ruhig,
ist die Ostsee im Sommer warm, so wird sie unruhig.