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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1914. 
hierbei, da sie durch den äußeren sich mehrenden Druck zusammengepreßt 
werden, eine von der Druckzunahme und der hierdurch bedingten Volumen- 
verkleinerung abhängige Arbeitsleistung in sich auf, die sich in Wärme umsetzt 
und demgemäß an langsam steigender Temperatur erkennbar wird. 
Es wird hier also dauernd eine gewaltige Arbeit geleistet; der Vorgang 
ist, wenn auch in dem rein zahlenmäßigen Effekte gewaltig davon verschieden, 
dem Föhn der Gebirge vergleichbar. Neben dem Absinken der Wassermassen 
findet ebenso andauernd ein Aufsteigen statt in konvektiven Ausgleichsbewegungen, 
nimmt doch die Temperatur nach oben ab. Ein Stagnieren der Wassermassen 
kann nicht in Frage kommen, da sonst Homothermie im Laufe der Zeit eintreten 
müßte. Das Wasser des Tanganika-Sees besitzt nach den Messungen des Korv. 
Kapt. Jacobs!) keinen adiabatischen Temperaturgradienten, es wird also dies 
Tiefenwasser mehr oder weniger unbewegt sein. Diejenigen Meeresgebiete 
dagegen, die eine adiabafische Wärmeverteilung erkennen lassen, müssen ganz 
oder zeitweise und irgendwie in die ozeanische Zirkulation hineingezogen sein, 
indem nur dann die Bewegungsvorgänge auch in den größten Tiefen zustande 
kommen können, Die adiabatische Wärmeschichtung im Meere verrät uns einen 
bestimmten Vorgang; sie ist nicht etwa eine Folge der Druckwirkungen im 
Meere an und für sich, es würde die Erscheinung in solchem Falle ja auch 
universell sein müssen, was nicht zutrifft. 
Hieraus folgt, daß wir nach den bisherigen Beobachtungen noch nicht 
berechtigt sind, für alle mehr oder weniger abgeschlossenen Meeresteile bei 
genügender Tiefe und homogenem Wasser eine solche dynamische Wärmeänderung 
ohne weiteres zu fordern; heute können wir noch nicht behaupten, daß alle 
durch die früheren Tiefsee-Expeditionen gefundenen Homothermien in Becken 
und Kesseln nicht streng gültig sind und bei schärferer Untersuchung durch 
die neuzeitlichen exakten Kippthermometer eine adiabatische Wärmezunahme 
zeigen werden. Es ist denkbar, daß manche Becken, wie z. B. die Sulusee zwischen 
Philippinen und Borneo oder das Rote Meer, doch in derart hohem Grade vom 
ozeanischen Wasseraustausch abgeschnitten sind, daß absolute Wärmegleichheit 
unter dem Niveau der Satteltiefe besteht. Für sehr wahrscheinlich halte ich 
aber diese Möglichkeit nicht, zumal die Anzeichen — nach den Gas- und Strom- 
bestimmungen -— sich häufen, daß die Tiefsee doch ganz allgemein stärkere 
Bewegungsvorgänge besitzt, als man noch vor einem Jahrzehnt anzunehmen 
geneigt war. 
Es wird eine Aufgabe der nächsten Zukunft sein, die geographische Ver- 
breitung des Phänomens genau festzulegen. In absehbarer Zeit wird dafür 
schon bei mehreren Ozeangebieten Gelegenheit sich bieten. Wenn Amundsen 
auf der »Fram« in 1915 zum Nordpolarbecken sich begibt, so kann bei der 
sorgfältigen Berücksichtigung, die die Meeresforschung von jeher durch Amundsen 
erfuhr, erwartet werden, daß wir ausführliche moderne Serien erhalten. Ich 
bin ziemlich sicher, daß die merkwürdigen Temperaturdifferenzen zwischen dem 
Bodenwasser des Polarbeckens und dem des europäischen Nordmeeres, die zu so 
starker Fehde unter nordischen Forschern geführt haben, ihre Erklärung auf 
diesem Wege finden: das Bodenwasser des Nordmeeres zieht nordwärts über die 
von Nansen geforderte, noch zu erlotende Schwelle zwischen Ostgrönland und 
Westspitzbergen und sinkt dann in das Polarbecken ab, hierbei dynamisch sich 
erwärmend. Der scheinbare Widerspruch, daß das Bodenwasser am Nordpol 
wärmer ist als z. B. unter 70° N-Br., wäre dann erklärt. 
Die Karibischen Gewässer einschließlich der tiefen Teile des Golfes von 
Mexiko kommen für die Erscheinung auch in Betracht; nachdem mehrere Staaten 
die Resolution des Zentralausschusses der internationalen Meeresforschung?) zu 
erfüllen geneigt sind, wonach gelegentlich der Einweihung des Panama-Kanales 
die zu entsendenden Kriegsschiffe gewisse ozeanographische Aufgaben in synop- 
tischer Arbeit übernehmen sollen, besteht die begründete Hoffnung, auch aus 
dem westindischen Meere neuzeitliche genaue Serien in Bälde zu erhalten. 
') Annalen der Hydrographie 1914, 5. 27ff. 
ZH Vol. Annalen der Hrdrographie, 1914. S. 146€.
	        
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