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0.1° pro 1000 m wachsen, so daß wir, im Neupommern-Graben von 5000 m abwärts
gehend, nach weiteren 4000 m einen Wärmeüberschuß von dem erstaun-
lichen Betrag = 0.4° finden! d. h. um soviel übersteigt die tatsächliche
Temperatursteigerung den vom adiabatisch-thermischen Gleichgewicht geforderten
Wärmezuwachs. Bei der allgemeinen Bedeutung dieser Tatsachen sind die ent-
sprechenden Kurven t, und t, in großem Maßstab noch in besonderer Figur auf
Taf. 15 graphisch abgebildet worden.
In diesem Wärmeüberschuß am Boden der tiefsten Gräben eine Wirkung
der inneren Erdwärme zu sehen, liegt nahe; aber der sehr große Wert, um den
es sich handelt, muß mindestens Bedenken erregen, den Überschuß in seinem
ganzen Betrage allein dieser Wärmequelle zuzuschreiben. Ziemlich überein-
stimmend wird von verschiedenen Autoren die Wärmemenge, die jährlich einem
em? der Erdrinde vom Erdinnern her zugeführt wird, aus dem Wärmeleitver-
mögen der Erdkruste und der geothermischen Tiefenstufe zu rund 55 gr-Kalorien
berechnet; im Zusammenhange ‚mit ozeanographischen Problemen äußerte sich
hierzu Krümmell), der etwa 52 gr-Kalorien rechnet. Forch?) hat 57 gr-
Kalorien; Lord Kelvin?) hat 58 und Schiötz®) 60 gr-Kalorien, Nur F. Nansen®)
geht mit 105 gr-Kalorien erheblich hierüber hinaus, Wenn wir 55 benutzen,
so bedeutet die Zahl, daß die Temperatur einer 55 cm hohen Süßwasserschicht
oder — entsprechend der etwas geringeren spezifischen Wärme des Seewassers*)
— einer 593 = 59.1 cm hohen Seewasserschicht um 1° im Laufe eines Jahres
durch diese Wärmequelle gesteigert werden könnte; die Steigerung der Tempe-
ratur einer 1000 m mächtigen Schicht um 0.1°, wie sie nach den »Planet«-
Beobachtungen in den zwei pazifischen Tiefsee-Gräben vorhanden zu sein scheint,
würde somit
0.1
beanspruchen. Wir könnten auch — im Grunde natürlich dieselbe Rechnung —
sagen: die über den adiabatischen Effekt hinaus noch vorhandene Temperatur-
zunahme von 0.1° pro 1000 m repräsentiert bei Seewasser 9300 gr-Kalorien;
hiernach 9300 : 55 —= 169 Jahre,
Forel®) kommt, ohne näheren Nachweis zu geben, zu dem Resultat, daß
die innere Erdwärme in einem Jahr im Süßwasser eine 100 m-Schicht um 0.004°
höher temperieren könne; mit diesem Wert würde bei Seewasser die in unserem
Falle vorliegende Temperatursteigerung einer 1000 m-Schicht um 0.1° in 235 Jahren
erreicht werden,
Jedenfalls würde uns die überaus starke, die adiabatische Wirkung noch
überschreitende Wärmezunahme am ‚Boden der zwei westpazifischen Gräben von
diesem Gesichtspunkte. aus zur Vorstellung führen, daß während sehr langer
Zeiträume — sagen wir 200 Jahre — die Erdwärme andauernd dieselben Wasser-
massen zu beeinflussen in der Lage sei, und F. Nansen (a. a. O0. S. 345) rechnet
in der Tat im Nordpolarbecken beispielsweise mit noch längeren Zeiträumen,
zugleich darauf hinweisend, daß durch diese von unten kommende Erwärmung
ein aufsteigender Strom erzeugt werden müsse, Hier aber setzen gerade meine
Bedenken gegen Nansens Anschauung und damit gegen die Erklärung der
ganzen Erscheinung allein durch die Erdwärme ein: es müßte doch dies Tiefen-
wasser, wenn anders eine Temperatursteigerung über den Beirag der in einem
kürzeren Zeitraum (z. B. ein Jahr) wirksamen inneren Erdwärme hinaus zustande
kommen soll, stagnieren, und zwar für sehr lange Perioden, Dies ist aber un-
möglich infolge der Wärmesteigerung mit der Tiefe — auch schon der adiaba-
tischen — und infolge der hieraus sich ergebenden Dichteverhältnisse, die sogleich
Handbuch der Ozeanographie, I. 8, 378. ;
Annalen der Hydrogr. 1904, S. 172. ; .
Beide erwähnt von F, Nansen in Oceanography of North Polar Basin, S. 344. Anm.
Vgl. z. B. Krümmel im Handbuch der Ozeanographie, I. 8. 279.
Handbuch der Seenkunde, Stuttgart 1901, S. 122,
Ann. d. Hydr. usw. 1914, Heft VI.
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