Grossmann und Perlewitz: Gebrauch von Wetterregeln an der deutschen Küste. 93
9. Wetterregeln aus den Feuchtigkeitsverhältnissen der Luft und den Niederschlägen.
Wenn Holz oder Gegenstände ausschlagen, Gegenstände im Freien
schwitzen, so folgt sehr bald Tauwetter (2), schwitzen die Fliesen, die Roste
im Schornstein — ein untrügliches Zeichen —, geräucherte Speckseiten (2), so
tritt Regen ein; dampft die See bei Frostwetter, So wird sich nach drei Tagen
Tauwetter einstellen.
Bei Eintritt von Regen flaut der Sturm ab (2); nach sehr starkem
Regen ist Windabnahme zu erwarten.
Feiner Regen bei Nordwind bringt Auffrischen aus Nord; auf stürmischen
Nordwind mit Regen folgt Abflauen und Drehen des Windes nach West. Regen
bei Ostwind dauert 3 Tage oder 9 (vgl. S. 19). Auf nassen Südostwind folgt
nasser Westwind, auf nassen Süd stürmischer West. Schneit es bei Südwest-
wind, so ist in der Regel Sturm aus Nordost zu erwarten.
10. Wetterregeln aus dem Verhalten der Tiere im Freien.
An vielen Orten gelten die Tiere als Wetterpropheten,
Besseres ‚oder gutes Wetter tritt ein, wenn die Spinnen überall kriechen,
die Schweine träge und faul sind, die Möwen sehr hoch, wenn sie auf See hin-
ausfliegen oder sich nach Sturm aufs Wasser setzen (4).
Schlechteres Wetter dagegen ist zu erwarten, wenn die Möwen land-
einwärts, wenn sie von See nach Land fliegen, wenn sie schreien (3) oder
kreischend um Schiff und Mast fliegen (2), wenn Tümmler aus dem Wasser
springen, um das Schiff schwimmen, wenn Schweine unruhig werden. ;
Wenn Hunde Gras fressen tritt Regen ein, wenn sich Schafe stoßen, Win d.
Sind die Fische im Sommer sehr träge, riecht die See fıschig, so deutet
das auf Nebel.
Schießen die Schwalben niedrig über des Wasser, so kommt Gewitter.
Schlechteres Einschlafen des Menschen deutet Sturm an,
11. Wetterregeln aus den Beobachtungen des Barometers.
Die bisher angeführten Wetterregeln und -vorhersagen gründeten sich
auf rein persönliche Naturbeobachtungen. Nur in ganz wenigen Fällen und bei
diesen erst in zweiter Linie, stützen sie sich auf Barometerbeobachtungen. Im
folgenden sollen nun diejenigen uns zugegangenen Wetterregeln aufgezählt werden,
die sich in erster Linie auf Beobachtungen an diesem im allgemeinen einzigen
meteorologisch -wissenschaftlichen Hilfsmittel der Seeleute, dem Barometer,
beziehen.
Aus der Barometeränderung kann man stets einen Umschwung im
Wetter erkennen (2); über die Dauer der Witterung kann man sich aus den
Barometerbeobachtungen ein Urteil bilden (2).
Bei steigendem Barometer (4), besonders über 760 mm — bei Ost-
und Nordwind — bei langsamem Steigen und klarer Kimm (2), tritt trockenes,
gutes, ruhiges Wetter ein oder das gute Wetter hält an, starkes schnelles Steigen,
Wiedersteigen bringt stürmischen Wind (2), Witterungswechsel.
Bei steigendem Barometer und Ostwind folgt Auffrischen, Bei steigendem
Barometer und Rechtsdrehen des Windes nach Nordwest folgt Abflauen des
Sturmes.
Beginnt das Barometer zu steigen, steigt es schnell (2), steigt es bei Süd-
wind, so tritt Nebel ein; am Abend fällt bei steigendem Barometer starker Tau.
Ruhiges und beständiges Barometer deutet auf gut Wetter (2),
konstantes Barometer und Auffrischen ‚auf Fortdauer des Windes: Falls das
Barometer bei NorAwest-, Nord- und Ostwinden nicht fällt, hält das gute Wetter
an. Bei höchstem oder niedrigstem Barometerstand ist Windwechsel,
nach einem andern Beobachter bei einem barometrischen Maximum gutes Wetter
wahrscheinlich.
Ist das Barometer unruhig (2), besonders bei wechselndem Wasser-
stand oder wechselnder Strömung, fällt das Barometer, bei grauer, mehr-