G. Schott: Adiabatische ‚Temperaturänderung in großen Meerestiefen. 831
Beobachtungen nahe am Meeresboden auf, so war man geneigt, entweder eine
Druckwirkung auf das Instrument selbst oder eine Wirkung der inneren Erd-
wärme darin zu erblicken; F, Nansen hat diese letztere Möglichkeit ziemlich
ausführlich behandelt‘).
Immerhin haben doch schon verschiedene Meeresforscher auf adiabatische
Vorgänge im Ozean hingewiesen. Am frühesten ist, soweit- ich sehe, die adia-
batische Abkühlung berücksichtigt worden, der eine im isolierten Petterssonschen
Wasserschöpfer heraufgeholte Meerwasserprobe. notwendig unterliegt, und die
deshalb bei Benutzung der Nansenschen Thermometer zu direkter Ablesung der
Tiefentemperatur berücksichtigt werden muß. F. Nansen selbst?) spricht über
diesen Punkt 1902 wohl als erster; seine für die thermische Wirkung der Zu-
sammendrückbarkeit des Wassers berechneten Zahlen sind freilich noch erheblich
zu klein (S. 327). 1904 hat E. von Drygalski im Reisebericht über seine
Südpolarexpedition®) die Beobachtung kurz besprochen, daß beim Heraufholen
des Petterssonschen Schöpfers aus größeren Tiefen die Temperaturen nicht
einwandfrei abzulesen sind, insbesondere in den ersten Minuten nach dem Auf-
holen .noch ein deutliches Sinken der Innentemperatur bemerkbar sei. Er erklärt
diesen Vorgang dadurch, daß beim. Übergang des Wassers von höherem Druck
zu niedrigem Druck‘ innerhalb der absorbierten Gasmengen molekulare. Ver-
änderungen vor sich gehen, die auch die Temperaturen beeinflussen. Hiernach
hat von Drygalski die rein physikalische Erklärung, die adiabatische Wirkung,
offenbar noch nicht im Auge gehabt. Dann hat 1905 V. Walfrid Ekman*) im
Zusammenhang mit der Beschreibung der Wasserschöpfer und Kippthermometer
die adiabatische Abkühlung solcher heraufgeholter Wasserproben behandelt und
hierbei die erste zutreffende graphische Darstellung des mit der Anfangstempe-
ratur. (und den Tiefenunterschieden) wachsenden adiabatischen Gradienten
gegeben.
Beide Autoren, Nansen wie Ekman, haben auch schon in jenen Jahren
die Möglichkeit solcher Wärmeänderungen im Ozean selbst in das Auge
gefaßt, Aber Beobachtungen, die diese Möglichkeit bestätigen, sind wohl mit
Bewußtsein zuerst 1906 wiederum von V. W. Ekman®) beigebracht worden, und
zwar aus dem Mittelmeer; diese Zahlen sind in unserer Tabelle Nr. IV, S. 325,
mit aufgeführt, sie haben bis vor kurzem wohl kaum Beachtung gefunden, .da
sie nur als Hilfszahlen gelegentlich einer besonderen Untersuchung über die
Zusammendrückbarkeit des Meerwassers erlangt waren. Entscheidend wurden
daher erst die im Jahre 1910 kurz hintereinander beobachteten Temperatur-
zunahmen, erstens im' Frühjahr an Bord des »Michael Sars« im Atlantischen
Ozean®), und zweitens im Sommer an Bord des »Thor« im Mittelmeer”), Über
die ersteren hat mit dem Hinweis auf die adiabatische Wärmesteigerung
Helland Hansen 1911 berichtet®), über die letzteren in derselben Weise
J. N. Nielsen im selben Jahre®)., In einer längeren ‚Anmerkung gelegentlich
seines Aufsatzes über »Das Bodenwasser und die Abkühlung des Meeres« erörtert
F, Nansen!°) 1912 ausführlich die Frage, wem die Priorität des Gedankens des
neuen ozeanographischen Gesichtspunktes zufalle. Beide Forscher, Helland
Hansen sowohl wie Nielsen, sind dann noch auf den Gegenstand wieder zurück-
1) Oceanography of the North Polar Basin. Kristiania 1902. S. 342 ff.
2) Norwegian North Polar Expedition; Scientific results, vol. III: Oceanography, Kristiania
1912. S. 4 ff.: temperature-corrections necessary on account of the pressure of the water at the
various depths. | e
3, »Zum Kontinent des eisigen Südens«. Berlin 1904, S, 118/119.
4) Conseil perm. internat, pour l’exploration de la mer; Publications de circonstance Nr. 23,
Copenhague 1905. 8. 5 ff. . . . . . . ; .
5) Public. de ecirconstance, Nr. 43, S, 14. Copenhague 1908. Näheres hierüber s. in Ekmans
neuestem Aufsatz, diese Zeitschrift, 1914, S. 343.
$) Oben 8. 327,
7) Oben 8. 324ff. C .
8, Z. B. in Zeitschrift der Ges, für Erdkunde 1911, S. 448, auch .in Murray-Hjort, the
depths of the ocean. London 1912, S. 219 ff. . ;
3) Bulletin de l’Institut Oc6anographique de Monaco Nr. 209. Monaco 1911.
0) Internationale Revue der Hydrobiologie und Hydrographie,.. 1912, Bd, V, Heft 1, 8. 9.