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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1914,
Konstruieren wir hiernach graphisch eine Temperaturkurve (Fig. 4), so
erhalten wir folgende Reihe in runden Metern:
Fig. 4.
znnnl70 0 90 2.00 .10 20 30 40 BC
60C
10,
800
MY.
x X x Temperaturen im oflenen Stillen Ozcan (N-Br.)
Nach V. St. 5. „Nero“: nicht adiabatisch.
> — m — = Kurve bei adiabatischer Temperaturverteilung
3a
SC
4000
178
5000
| 1.76
6000 I 7000
1 18S | 18
8000
9000
191 1 208
9500 m
2.93
Da nur 5 Messungen aus Tiefen von mehr als 730C m vorliegen, ist vielleicht
auf die hier ersichtliche Wärmevermehrung überhaupt kein rechter Verlaß.
Andererseits sind gerade diese Messungen in den größten Tiefen — wie die des
»Planet« im Philippinen-Graben mit der adiabatischen Temperaturschichtung —
zweifellos in echten Tiefseegräben gemacht, weil Tiefen von mehr als 7000 m im
Bereiche der großen, weitgedehnten Weltmeerböden offenbar nicht vorkommen.
Ich würde deshalb bei der Regelmäßigkeit der Wärmezunahme nicht zweifelhaft
sein, daß ein adiabatischer Effekt vorliegt, wobei unwesentlich wäre, daß diese
Temperatursteigerung erheblich hinter dem von der Theorie geforderten Betrag
zurückbleibt!); denn dies werden wir auch für das Mittelmeer finden?). Da aber
Index-Thermometer zur Beobachtung des Phänomens überhaupt nicht geeignet
sind, muß wohl eine Druckwirkung auf die Thermometer erfolgt sein. Eine
Wirkung der inneren Erdwärme liegt dann auch nicht vor.
Alles erwogen, bleibt es somit vorläufig dabei, daß die offenen Weltmeere
mit ihrer Durchschnittstiefe von 3—4—5000 m die adiabatische
Wärmesteigerung im allgemeinen nicht besitzen, und daß nur gewisse
abgeschlossene Meeresteile sie aufweisen.
II. Zur Geschichte und Theorie des Problems.
Die Zeit vor der Einführung der eine genaue Bestimmung gestattenden
Richterschen Kippthermometer war dem Auffinden einer geringfügigen, oft nur
Hundertstel Grad betragenden Temperaturzunahme mit der Tiefe begreiflicherweise
nicht günstig, und der Gedanke, daß doch in gewissen Meerestiefen ein
adiabatischer Gradient zustande kommt, dürfte nicht wenigen Ozeanographen
neu sein, er ist jedenfalls so neu, daß O. Krümmel in seinem grundlegenden
Handbuche der Ozeanographie (I. Band 1907. II Band 1911) den Begriff einer
adiabatischen Temperaturänderung im Meerwasser überhaupt noch nicht hat.
Trat eine auffällige Wärmezunahme in anscheinend homogenem Wasser bei den
im August 1903.« Es liegt der Gedanke nahe, diese Wärmezunahme auch vielleicht als adiabatische
zu erklären; eine Rechnung nach Ekmans neuer Tabelle IV (S. 343) zeigt jedoch, daß der adiadatische
Effekt nur !/,, des tatsächlich beobachteten Wärmeunterschiedes bei dem in Betracht kommenden
Tiefenunterschied ergeben würde, Ich glaube aber auch nicht, daß hier ein Einfluß der
inneren Erdwärme vorliegt; denn der Salzgehalt ist, wie die Originalpublikationen ergeben, nicht ganz
streng konstant, er war ım Nov, 1902 in 200 m 10.26, in 280 m 10,34, in 345 m 10.80, in 370 m
unbeobachtet, und im August 1903 schwankte er gar für die ungefähr gleichen Tiefen zwischen 10.01
und 10.25 % 0. Höchstwahrscheinlich erklärt sich die Temperaturzunahme lediglich durch die allgemeine
für die Ostsee gültige Regel: je tiefer, desto reiner der salzhaltige wärmere Unterstrom.
1) Vgl. hierzu Fig, 8.
2?) Vgl. S. 334.