G. Schott: Adiabatische Temperaturänderung in großen Meerestiefen, 329
wurde aus naheliegender Erwägung die Zeit, in der an Bord der Expeditions-
schiffe noch ganz oder vorwiegend die: Sixschen Minimum- oder Index-Thermo-
meter in Gebrauch waren, getrennt behandelt von der neuen Epoche der Kipp-
Thermometer; in allen Fällen ließ sich freilich nicht sicher feststellen, was für
Instrumente gebraucht worden waren. Endlich wurde das Material noch nach
einigen wenigen großen geographischen Räumen sortiert. Das Ergebnis dieser
etwas langwierigen Untersuchung ist negativ ausgefallen, darum aber nicht
weniger wichtig (Tabelle V). In den offenen Weltmeeren ist hiernach im all-
gemeinen eine auch nur leise Temperaturzunahme in den ganz großen, dem
Boden nahen Wasserschicehten nicht vorhanden: dies lehrt Tabelle V. Die 159
Ablesungen an Index-Thermometern zeigen zwar im Ostbecken des Nordatlan-
tischen Ozeans von der Stufe */,ooo zur Stufe 5/6090 Sowie im Nördlichen Stillen
Ozean von “000 zu S/4000 eine Steigerung der Temperatur, aber da diese Instru-
mente :an sich. nicht geeignet sind, ein Wasserlager höherer Temperatur unterhalb
eines solchen mit niedriger Temperatur nachzuweisen, dürfen wir diesen Befund
wohl nicht verwerten; diese Ablesungen sind überhaupt nur deshalb mitgenommen,
um nebenbei die vorauszusehenden durchschnittlichen Unterschiede in den Tem-
peraturwerten älterer und neuerer Zeit zu erhalten.
Die mit Kippthermometern gewonnenen Bodentemperaturen lassen inner-
halb der untersuchten Schichten (3000 bis 7000 m) die allbekannte Temperatur-
abnahme bestehen, freilich mit einer Ausnahme, auch im Nördlichen Stillen Ozean,
wo die Mittelbildung . für 5/6000 1.50, für %/-900 1.60 ergab; jedoch liegen diesen
zwei ‚Zahlen nur im ganzen 5 Beobachtungen zugrunde, die keinesfalls als ent-
scheidend angesehen werden dürfen, Im Atlantischen Ozean erscheint auffällig,
daß für die Wasserlager */,ooo und S/so00 Sowohl im nordhemisphärischen Ost-
becken als auch im südhemisphärischen Ostbecken nördlich des Walfisch-Rückens
der Temperaturunterschied nur den verschwindenden Betrag von — 0.02 für das
tiefere Lager erreicht; diese zwei Mulden sind aber. gegen die mächtigen nord-
und südpolaren direkten Einwirkungen am besten geschützt.
Wir haben endlich aus dem Nördlichen Stillen Ozean durch das V.St. Schiff
„Nero« gelegentlich der Auslotung der Kabellinie Hawai—Guam-—Manila 1898/99
eine große Zahl von J. Flint!) bearbeiteter Bodentemperaturen, deren‘ Grup-
pierung nach Tiefenstufen eine gewisse Wärmesteigerung von rund: “*/,49 m ab
anscheinend ergibt. Flint selbst ist, da die Messungen mit Index-Thermometern
ausgeführt sind, der Meinung, daß die höheren Temperaturen durch mangelhafte
Druckkorrektion herbeigeführt sind; Krümmel*?), der die- Zahlen auszugsweise
ebenfalls anführt, und zwar gelegentlich der Besprechung der etwaigen Wirkung
der inneren Erdwärme auf die Bodentemperaturen, läßt es unentschieden, ob
mangelnde Sicherung gegen Zusammenpressung der Thermometerkapillare oder
ob doch vielleicht ein Einfluß der-inneren. Erdwärme, vorliegt®), | Hier.’sind. die
in Betracht kommenden Originalzahlen Flints:
Tiefenstufe in m
1646— 1829
1829—2743
2743-—3658
23658.— 5486
Durchschnitts-
temperatur
IC
Anzahl der
Beobach-
tungen
2.44 So
1.92 42
1.84 83 I
1.76 266
Tiefenstufe in m
Durchschnitts-
temperatur
Ct
Anzahl der
Beobach-
tungen
5486 —7315 1.79 188
7315—9143 194 3
9271—9328 219 2
1!) J. Flint, a contribution to the oceanography of the Pacific (»Nero«). Washington 1905,
U. 8. National Museum, S. 8, 9.
2?) Handbuch der Ozeanographie, I. Band, S. 379. Stuttgart 1907.
3) Krümmel kommt bei dieser Gelegenheit auf gewisse Beobachtungen‘ in der Ostsee zu
sprechen (an derselben Stelle S. 378/379) und schreibt: »In den abgeschlossenen Mulden der Ostsee
kann eine Temperaturzunahme nur bei völlig gleichem Salzgehalt der untersten Schichten als beweis-
kräftig (für eine Wirkung der inneren Erdwärme) gelten, und hierfür hat das Landsorter Tief in der
Tat einige Beispiele von ganz geringem Ansteigen der Bodentemperatur geliefert: so im Nov, 1902, wo
in 280 m 4.31°, in 370 m aber 4.34° (bei identischem Salzgehalt von 10.3 %,9) gemessen sind: ähnlich
Fortsetzung der Fußnote 3 auf S. 330,