G. Schott: Adiabatischö Temperaturänderung in großen Meerestiefen.
Sulu-See, Stat. Nr. 202. 8° 22’ N, 121° 55’ 0, ;
1098 m 10.06 .
14663 m 10.25 (nach einem Thermom. 10.11, nach einem zweiten 10.39)
Banda-See, Stat. Nr. 193. 5° 24’ S, 130° 37’ O0.
2743 m 3.06
5120 m 3.30 (nach einem Thermom., 3.28, nach dem andern 3.33)
China-See, Stat. Nr. 206. 17° 54’ N, 117° 14' 0.
1829 m 2,50 .
3840 m 2.58 (nach einem Thermom. 2.50, nach dem andern 2.67).
39”
L.
z
3
Diese Beobachtungen dürfen aber als beweiskräftig für die hier behandelte
Frage nicht gelten, weil an Bord des »Challenger« zwar Versuche mit der
ältesten Form des damals. gerade aufkommenden Negretti-Zambraschen Kipp-
thermometers gemacht worden sind, aber die eigentlichen Reihentemperaturen
ale mit Max.-Min.--Thermometern. gemessen wurden.!l) Die Verschiedenheit der
Temperaturen erklärt sich aus der Benutzung’ verschiedener Instrumente dieser
einen Konstruktionsart; bei der Bedeutung der »Challenger«-Messungen gerade in
den hinterindischen Becken — sie sind noch heute die einzigen — mag schon
hier auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, diese Messungen mit modernen
Kippthermometern zu wiederholen und nachzuprüfen.
Sodann hat Frithjof Nansen auf seiner großen Eistrift im Polarbecken
nach den Beobachtungen des August 1894 für rund 81° N-Br. und 128° O-Leg. in
der tiefsten (Boden-) Schicht, nicht etwa in der salzreichen Zwischenschicht,
folgende Temperaturzunahme festgestellt?), bei wahrscheinlich konstantem Salz-
gehalt von 35.29 9/99.
Tiefe
2900 m
3000 «
3400 «
3700 «
3800 «
tr;
LE
— 0.81
—0.78 .
— 0.74
— 0.70
—0.69 — 0.72
beobachtete berechnete
Werte
—m 08T
Nansen, der schon damals die adiabatische Abkühlung einer im Schöpfer herauf-
kommenden Wasserprobe kannte und bespricht, aber den zahlenmäßigen Wert
erheblich zu klein annahm®), meint deshalb, daß hier wohl eine Wirkung der
inneren Erdwärme vorliege. Wenn wir jedoch nach der neuesten Tabelle
Ekmans- (1914) und unserer Diagrammtafel (Taf, 16) obige Werte prüfen, so
erhalten wir für 900 m Tiefenunterschied bei der Mitteltemperatur von rund
— 0.8° C eine adiabatische Änderung um 0.09° C, Der beobachtete Unterschied
von 0.12 stimmt also so ziemlich mit dem theoretisch :zu fordernden überein.
Dies hat Nansen auch selbst neuerdings festgestellt.)
Alle bisher angegebenen Fälle beziehen sich auf mehr oder weniger ab-
geschlossene tiefe Binnenmeere. Aus dem freien offenen Ozean haben wir bis heute,
soweit ich sehe, nur einige vorläufige Angaben von B. Helland-Hansen®©) an
Bord des »Michael Sars« vom Jahre 1910, und zwar folgende 3 aus der Biskaya,
der Kapverdeschen Mulde (westlich der Canaren) und dem nordamerikanischen
Tiefbecken: . ;
‘) Ebenda, Narrative of the ecruise, vol, I, first part. London 1885; 8. 84—92.
2) The Norwegian North Polar-Expedition, Scientific results, vol, III: Oceanography of the
North Polar Basin. Kristiania 1902. S.341ff: the rise of temperature towards the bottom.
3) Im vorliegenden Falle berechnete N. ihn zu nur 0.02°. . -
4) Das Bodenwasser und die Abkühlung der Meere. Internat. Revue der Hydrobiologie und
Hydrographie 1912. Bd. V, Heft 1, S. 10 Anm, ; -
5) Murray-Hjort, the depths of the ocean. London 1912. S. 219—221.