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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

390 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1914,

erreicht; auf Borkum lag zwar sogar die mittlere Windgeschwindigkeit zweier
Stunden über 16 m p. Sek,, aber dies ist durch die besonders hohe Aufstellung
des Anemometers bedingt. Hierüber, sowie über die Aufzeichnungen auf Helgoland
 vgl. das oben Gesagte. Die Geschwindigkeit des Windes am Ort und zur
Zeit des Unfalles des »L 1« läßt sich leider nicht feststellen.
Das Luftschiff hatte!) um 1% 50min Hamburg (Fuhlsbüttel) bei schönem
Wetter verlassen und traf etwa 5% 30min über Helgoland ein. Bei Brunsbüttel
bedeckte sich der Himmel, bei Cuxhaven fiel der erste leichte Regen, der bis
Helgoland stärker wurde und weiterhin noch immer zunahm, »Im Laufe der
Übung sandte S.M.5S. »Cöln« drei Warnungen vor Böen an »L 1«, von denen
die letzten beiden durch die sich schnell nähernde starke Böe überholt wurden.
Fig. 21. 9. September 1913, Sh N.

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Das Luftschiff befand sich zu der Zeit in einem dichten Nebel, der nur auf
Sekunden Durchblicke gestattete. Es hatte ein derartiger wolkenbruchartiger
Regen eingesetzt, daß das Wasser in die Kabinen hineinströmte, Durch die
Wasserbelastung wurde das Luftschiff heruntergedrückt und nun auch von den Luftströmungen
 der Böe erfaßt«, Dazu kamen vor allem die vorhergehenden Gasverluste
infolge der durch aufsteigende Luftströme erzwungenen Aufwärtsbewegungen des
Luftschiffes, die zu heftig waren um mittels des Höhensteuers ausgeglichen zu
werden. Nach den Beobachtungen von 5S, M. S. »Schleswig - Holstein« wurde
»L 1« in der Zeit von 5b 58min bis 6b 5"i" abwechselnd in Höhen von 150, 80,
300 und 200 m gesehen. Unmittelbar vor der Katastrophe, die um 6'/„r stattfand,
 war der Wechsel noch größer und schneller: innerhalb von Sekunden war
das Luftschiff auf 100 m, mehr als 1400 m und dann gleich wieder dicht über
dem Wasser, Als es dieses mit einer Geschwindigkeit von über 20 m p. Sek,
berührte, zerbrach es in mehrere Teile und sank nach kurzer Zeit.
Ein derartiger rascher Wechsel von heftigen auf- und absteigenden Bewegungen
 ist bereits wiederholt im Luftballon und im Luftschiff in Gewitterböen
 beobachtet worden. Betreffs der Beispiele in A, Wegener’s »Thermodynamik
 der Atmosphäre« vgl. oben S, 312.

+) Vgl. Kriegsgerichtliche Feststellungen über den Untergang des Marineluftschiffes »L 1<.
Marine-Rundschau, November 1913, S. 1303.
            
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