Köppen, W.: Über Böen, insbesondere die Böe vom 9. September 1913, 317
Die Aufzeichnungen der Barographen an vier von den Stationen und auf
SM. S. »Preußen« und »Hela« zeigt Fig. 18. In Borkum und Keitum ist im
Barogramm überhaupt keine Unstetigkeit zu erkennen, auf S, M, S. »Preußen«
(Ort 54° N 5° O) eine schwache um 2!/,® N. Auf S.M.S. »Hela« (54°N 7.4° 0),
sowie in Cuxhaven und Wilhelmshaven stieg das Barometer sprunghaft während
der Böe, jedoch nur um 2%, bis 1 mm. Daß dieses Steigen in Wilhelmshaven
erst um 9%/,* sich zeigt, liegt vielleicht an der allzu kleinen Zeitskala des
Richard-Barographen. In Bremen war die Änderung, wie auch die der Wind-
stärke, allmählicher. In Hamburg, wohin der Windsprung erst um 11*/,% gelangte,
änderte sich das Barometer während desselben fast gar nicht, wohl aber war
hier das den Tag über andauernde Fallen desselben gegen 7% N, nach dem
ersten Ausschießen des Windes, durch einen kurzen Ansatz zum Steigen unter-
brochen, der auch in der Bremer Kurve zu erkennen ist. In Hannover hat der
Barograph ein ’anhaltendes Sinken des Druckes bis 3% nachts, ein Gleichbleiben
bis 31/2 und darauf am 10. und 11, ein ziemlich gleichförmiges Steigen während
32 Stunden gezeigt.
Bevor wir uns von diesen durch Instrumente verbürgten Daten zu den
weniger bestimmten Beobachtungen auf See wenden, wollen wir die räumliche Über-
sicht der Vorgänge im Großen betrachten, welche uns die Wetterkarte bietet.
Fig. 18,
AhWF 4ih 10h hM 94 ah Ah Eh bh 77h @h 9b 10h 141% 12h 1hV 9b gb
A
—
7
S.M, S, „Preußen“.
Helgoland.
S.M.S. „Hela“.
®
Cuxhaven.
Wilhelmshaven,
Bremen.
—
Hamburg.
9. bis 10, September 1913.
Über dem östlichen Teil‘ des Ozeans lag in diesen Tagen — vom 6. bis
zum 11. September — anhaltend hoher Luftdruck, Das Herüberkommen eines
Sturmwirbels aus Amerika nach Europa in diesen Tagen ist eine völlig den
Tatsachen widersprechende Behauptung. An der Nordostseite dieses hohen Luft-
druckes trat am 8. in Skandinavien Abnahme des Druckes ein, die sich allmählich
südwärts und ostwärts fortpflanzte, Am Morgen des 9. erstreckte sich (vgl. Fig. 19)
zwischen dem Hochdruckgebiet auf dem Ozean und einem zweiten »Hoch« über
Südosteuropa eine breite flache Furche niedrigen Druckes von Skandinavien über
Westdeutschland nach dem westlichen Mittelmeer, Ein »Tief«, das sich gleich-
zeitig an der NW-Küste von Irland zeigte und von den meteorologischen
Instituten übereinstimmend auf das Vorhandensein niedrigeren Druckes auf dem
Ozean gedeutet wurde, erwies sich durch den weiteren Verlauf als eine unbe-
deutende Bildung am Rande des Hochdruckgebietes, die schnell verschwand.
In der erwähnten Furche war der Luftdruck unregelmäßig verteilt und
herrschten Stillen und schwache Winde verschiedener Richtungen. Ein kleines
Gebiet niedrigen Druckes in Lothringen war, wie die Beobachtungen zu Belfort
und Lyon zeigen, vom »Tief« auf dem Mittelmeer durch eine Brücke etwas
höheren Druckes getrennt, und nach denen in Belgien und Holland durch eine
ebensolche Brücke auch von der V-förmigen Rinne niedrigen Druckes, die nach
dem skandinavischen »Tief« führte, Im Laufe des Tages vertiefte sich der‘ süd-
Jiche Teil der Rinne durch Fallen des Luftdruckes in Deutschland, wohin das