Köppen, W.: Uber Böen, insbesondere die Böe vom 9, September 1913, 315
diesem Tage an unserer Küste nirgends außer in Cuxhaven den Wert von 12 m
p. Sek, erreicht haben, der erfahrungsmäßigen unteren Grenze dessen,” was
Schiffen gefährlich werden kann (der sog. »Sturmnorm«).
Auf dem Meere scheint die Windstärke größer gewesen zu sein (s. unten),
wenngleich der Anemograph auf Helgoland keine größere Geschwindigkeit als
12.8 m p. Sek. (von 71/, bis 8b) angegeben hat, Leider sind die Aufzeichnungen
des Helgoländer Instruments an diesem Tage nicht einwurfsfrei, was. indessen
mehr für die Richtung, als für die Geschwindigkeit des Windes gilt,
Die Änderungen der Windrichtung zu Wilhelmshaven und Bremen. sind
am Fuße von Fig. 16 angegeben. Die treppenartige Aufzeichnung rührt daher,
daß der Anemograph Sprung-Fuess nur acht Richtungen zu unterscheiden ge-
stattet. An beiden Orten ist fünf bis sechs Stunden vor der mit BB bezeichneten
Zeit der größten Stärke der Wind von W oder NW nach S oder SW zurück-
gegangen, um dann, noch immer 2'/, Stunden vor dem Höhepunkt der Böe,
Fig. 16.
9. September 1913. Windstärke und -richtung.
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B B Zeit der größten Stärke,
mehr oder weniger schnell nach N auszuschießen. Es war eine Eigenart der
Böe vom 9. September, daß das Umgehen des Windes im Sinne des Uhrzeigers,
das gewöhnlich die ausgeprägten Böen begleitet, in diesem Falle nicht wie sonst
mit der Böe zusammenfiel, sondern Stunden vorher stattfand, so daß die Böe nur
in einer — plötzlichen oder allmählichen — Verstärkung des bereits aus-
geschossenen Windes bestand, Wie in Wilhelmshaven und Bremen, so hat auch
auf Norderney, Schillighörn und Eider-Feuerschiff nach den Aufzeichnungen der
Beobachter der Seewarte die Zunahme der Windstärke erst 1 oder 2 Stunden
nach dem Umgehen des Windes nach NW oder N stattgefunden, Auf der Karte
(Taf. 14) ist für 8% die Grenze der zunächst schwachen nördlichen Winde durch
eine dünne gestrichelte Linie angegeben. ;
Sehr ausgesprochen waren die Änderungen der Windrichtung, . besonders
das Krimpen und Ausschießen vor der — hier nur sehr schwachen — Böe in
Hamburg. Nach dem Steffens’schen Windrichtungs-Autographen war deren Gang
zwischen 2b N und 2% nachts wie folgt (Fig. 17). Von 101/ bis 11!/„%, also auch
während des Ausschießens, war dabei die Windgeschwindigkeit nur etwa 1m
p. Sek. Erst 17 Minuten nach dem plötzlichen Ausschießen nahm die Windstärke
in wenigen Minuten auf etwa 6m p. Sek. zu.