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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Köppen; W.: Über Böen, insbesondere die Böe vom 9, September 1913. 8313 
den Beobachtungen auf den Ozeanen scheint auch das Auftreten von Tromben 
in Verbindung mit einer Böe nicht ausgeschlossen zu sein. 
Die Tromben aber — die Wind- oder Wasserhosen — sind noch weit rätsel- 
haftere Erscheinungen als die Böen. Ihre Ausdehnung ist häufig so gering, daß 
in Steinwurfweite vom verderblichen. Windstoß sich kein Blatt rührt. 
Tromben sind indessen so viel seltener als Böen, daß die Wahrscheinlichkeit, 
mit einer solchen zusammenzustoßen, nur gering ist. Ein Fall aus Nordwest-Deutsch- 
land möge durch die nebenstehende Karte (Fig. 14) und Zeichnung (Fig. 15a und b) 
veranschaulicht werden, ‚Letztere gibt das Aussehen der Windhose südlich von 
Oldenburg in zwei Momenten wieder, Auf der Karte (Fig. 14) sind die Bahnen 
von vier Tromben eingezeichnet, die am gleichen Nachmittag auftraten und 
sämtlich nach NNO wanderten. 
Nachdem wir so die Natur der Böen, soweit sie bis jetzt erkannt ist, 
kennen gelernt haben, wollen wir das neueste Beispiel ihres gelegentlichen 
verhängnisvollen Auftretens untersuchen: den Sturm, der am Abend des 9; Sep- 
tembers 1913 in der deutschen Nordsee. auftrat und in dem das Luftschiff »L 1« 
unterging. 
Daß auch dieser Windstoß eine Linienböe war, die mit breiter Front aus 
NW nach SO (fortschritt, ergibt sich.leicht aus den Zeitbestimmungen: nachdem 
er um 6l/,b das Luftschiff zerstört hatte, das etwa */, Stunde vorher in ihn 
gelangt war, begann er um 7% gleichzeitig auf Helgoland und Norderney, um 
714 ®. auf dem Feuerschiff Außen-Eider, um. 8% auf Wangeroog, zwischen 9 und 
91/2 zu Wilhelmshaven und Cuxhaven, sodann mit abnehmender Stärke um 
11l/4» zu Bremen noch als starker Wind und um 11*/;%* in Hamburg wenigstens 
als plötzlich nach Windstille aufspringende Briese, ; . 
Die Karte (Taf. 14) zeigt die Böennatur dieses Sturmes, seine geringe Aus- 
dehnung und: seine Fortpflanzung nach Südost deutlich. Die Windpfeile geben 
Richtung und Stärke des Windes um 8% abends, das gestrichelte Band die Lage 
der Böe um diese Zeit, wobei zu bemerken ist, daß nur deren vorderer Rand 
ausgeprägt war, an der Rückseite der Böe dagegen der Wind allmählich nach- 
ließ. Die Zahlen bedeuten die Stunde des Ausbruchs der Böe. 
Wenn man als Zeit, wann »L1« in die Böe hineingeriet, 61/,r und als 
Ort den seines Sinkens annimmt, so hat die Böe die 99 km von da nach Wilhelms- 
haven in 3, die weitere Strecke von 64 km bis Bremen in 2 Stunden zurück- 
gelegt, was ihre Fortpflanzungs-Geschwindigkeit zu 33 und 32 km p. Stunde 
ergibt — nur etwa halb so groß wie die der Böe vom 9. August 1881. 
Von den mit selbstregistrierenden Instrumenten ausgerüsteten Stationen 
in der Umgebung der Helgoländer Bucht haben nur Helgoland, Wilhelmshaven, 
Cuxhaven und Bremen einen starken bis stürmischen Windstoß gehabt. Auf 
Borkum hat statt dessen ein viele. Stunden anhaltender steifer Wind geweht, der 
schon vor der Annäherung der Böe begann und ziemlich stetig die Nacht über 
anhielt. In Keitum und Hamburg dagegen blieb der Wind andauernd schwach, 
die Stundenmittel erreichten während beider Tage keine 6 m p. Sek,, wenn auch 
die Änderungen in der Richtung und Stärke des Windes zu Hamburg in 
deutlichem Zusammenhange mit der Böe standen; in Keitum war auch das 
letztere kaum der Fall, 
So war denn das Gebiet der Böe nach rechts und links eng begrenzt. 
Die Länge des Böenbandes betrug nur etwa 120 km, gegenüber 440 km bei der Böe 
vom 9. August 1881. Auch ihre Lebensdauer und entsprechend die NW- bis NO- 
Ausdehnung des von ihr bestrichenen Raumes sind offenbar nur gering gewesen. 
Die Zeugnisse reichen nur 27km nach NW von der Unfallstelle und ander- 
seits nicht über Bremen hinaus, und es ist, wie wir sehen werden, nicht wahr- 
scheinlich, daß die .Böe erheblich früher als um’ 4% entstanden und erheblich 
später als um 12% erloschen sei, also mehr als 8 Stunden existiert habe. . 
‚ So beschränkt das Gebiet ihres Auftretens war, so war doch der Verlauf 
der Böe an verschiedenen Stellen innerhalb desselben ziemlich verschieden, 
Sehr ausgeprägt sowohl in bezug auf Stärke als auf plötzliches Auftreten war
	        
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