Grossmann und Perlewitz: Gebrauch von Wetterregeln an der deutschen Küste, 91
machen dabei die Bedingung, daß südliche Winde wehen, daß schmieriger Himmel
ist, daß die Himmelsfarbe dunkelrot ist;. andere erklären, daß der Sonnenauf-
gang täuscht (2), Ist die Sonne bei Aufgang ganz weiß, so folgt ebenfalls
schlechtes Wetter, Südwest mit Regen, desgleichen, wenn der Sonnenaufgang
ebenso wie der Sonnenuntergang schmierig ist, wenn es bei Aufgang zuerst im
Zenit ‚hell wird; Morgengrauen im Zenit bedeutet Sturm, im Horizont schön
Wetter,
Ist die Luft bei Sonnenaufgang grau, so folgt gut Wetter (3);
Morgenrot bei Ostwinden bedeutet Auffrischen des Ostwindes. Im Winter deutet
dunkelroter Sonnenaufgang bei dem einen Beobachter auf Frost, bei dem anderen
auf schlechtes, bei einem dritten auf gutes Wetter hin. ;
_. Erscheint bei Sonnenaufgang die Sonne mit einem horizontalen Streifen
über. dem Horizont, so folgt Niederschlag (Regen, Hagel oder Schnee). Sn
d. Aussehen des Himmels bei Sonnenuntergang.
Geht die Sonne hinter einer Bank (11) im Dunstkreis unter, so folgt
schlechtes Wetter, Westwind, Regen. (Uber Wolkenbank siehe Wetterregeln
unter 1.)
Ist‘ der. Himmel bei klarem Sonnenuntergang schmutziggelb, gelb,
bleigrau, grell, postwagengelb, kupferfarben, von wechselndem Rot, so ist
schlechtes Wetter und vor allem Windzunahme zu erwarten (22).
Ist der Sonnenuntergang dagegen bei klarem Himmel von purpurrotem,
rosa, ganz: hellgelbem, schönem, Abendrot begleitet, so haben wir gutes Weiter,
meist östliche. Winde oder Nordost- oder Nordwind, und.zwar noch für längere
Zeit, für mehrere Tage zu erwarten (44). Einzelne Beobachter lassen dies nur
gelten, wenn zur Zeit der Beobachtung östliche Winde herrschen; weht West-
wind, so wird die Witterung unbeständig. i
Gelbrote Luft am Abend im Westen bei ruhigem Wetter deutet auf Nebel,
e. Auftreten von Nebensonnen, Sonnenringen und -höfen, Sonnen-
strahlen und Windgallen,
Nebensonnen deuten fast alle Beobachter auf schlechtes, unbeständiges,
stürmisches oder regnerisches Wetter (34); einzelne knüpfen daran die Bedingung,
daß Winter ist, daß das Barometer fällt, daß Ostwind herrscht; ein Beobachter
hält die Nebensonnen, wenn sie links der Sonne auftreten, für ein Zeichen
kommenden guten Wetters, ein anderer kündet gutes Wetter an, wenn Neben-
sonnen bei Sonnenaufgang erscheinen, Ist eine Nebensonne vorhanden und es
schlägt auf gutes Wetter, so bleibt es lange gut, meistens schlägt es aber auf
schlechtes Wetter. .
Ein Sonnenring oder -hof deutet bei den meisten .Beobachtern mit
großer Bestimmtheit auf stürmisches, regnerisches Wetter hin (16).
Nebel folgt, wenn die Sonne einen Ring, einen Hof hat.
Steigen Sonnenstrahlen im Horizont auf, wirft die Sonne strahlen-
förmige Streifen über den Himmel, streift der Himmel, steht die Sonne. auf
Stützen, zieht sie Wasser, bewirkt: sie eine trichterförmige Wolkenstrahlung,
sendet sie sehr starke Strahlen aus, erscheint sie sehr weiß oder blaß, so ist auf
stürmisches, regnerisches Wetter zu rechnen.
Eine klare und goldene Sonne ohne Nebensonnen deutet auf gutes
Wetter; eine Windgalle, ein heller Schein, ‚ein heller Fleck gegenüber der Sonne
auf Sturm oder starken Wind.
f. Sichtigkeit und Aussehen des Mondes, Mondhof, Mondring
und Nebenmonde. ;
Sieht der Mond blaß aus, sitzt er tief weg, hat er einen Schleier, ist er
unklar zu sehen, umkränzt, so ist schlechtes Wetter zu erwarten. Ist der Mond
scharf begrenzt und rötlich gefärbt, so gibt es besonders starken Wind. Schlechtes
Wetter, eine aufgeregte Atmosphäre tritt ferner ein, wenn der Neumond, wenn
die dunkle Mondhälfte sichtbar ist und wenn die Mondsichel scharf zu sehen ist.