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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Köppen, W.: Über Böen, insbesondere die Böe vom 9. September 1913. 811 
pumpt ihn schnell aus und zwingt ihn zur Erd- oder Wasseroberfläche herab, 
selbst wenn er nicht in den absteigenden Strom hinter dem »Kopfe« hineingerät, 
Verbindet man die hintereinander liegenden Wegstrecken der Fig. 12 zu 
kontinuierlichen Kurven, die überall mit der augenblicklichen Bewegungsrichtung 
der Flüssigkeit zusammenfallen, so erhält man sogenannte »Strömungslinien«, 
Aber diese Linien stellen bei einem System krummliniger Bewegungen, das seinen 
Ort ändert, wie dieses hier, nicht die wirklichen Bahnen der Flüssigkeitsteilchen 
dar. Dort, wo die Bewegung des Teilchens derjenigen des Systems  entgegen- 
gesetzt ist, wird die zum Zentrum konkave Krümmung seiner Bahn durch die 
Bewegung des letzteren verstärkt; wo beide Bewegungen gleichgerichtet sind, 
wird sie abgeschwächt oder sogar konvex zu ihm. Beträgt die Geschwindigkeit, 
mit der die Böe fortschreitet, etwa die Hälfte von der größten Windgesechwin- 
digkeit in ihr’), so werden in: einer Böe, in der die Bewegungen sich so an- 
ordnen wie in Fig. 12, die. Bahnen der Teilchen so sein, wie es in Fig. 13 für 
einige derselben gezeigt ist, Dieselben Schleifen, wie diese Bahnen sie zeigen, 
wird auch ein in der Luft schwimmender Körper zurücklegen. Hat er außerdem 
gegen die umgebende Luft eigene Bewegung — sei es nur vertikale, wie ein Ballon, 
oder auch horizontale, wie ein Luftschiff —, so kann er wiederholt in aufsteigende 
und absteigende Luftströmungen geraten. Wahrscheinlich sind zudem in der 
Umgebung vieler Böen solche Strömungen nicht nur einmal, sondern in mehr- 
maliger Abwechslung vorhanden, wie der stößige Charakter des Windes verrät. 
Fig. 13, 
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In Fig. 13 sind ab Teile der kalten, ef solche der warmen Luftmassen: 
es finden aber auch Mischungen statt, wie die Kurve b an einem aus dem »Kopf« 
heraustretenden kalten und c an einem in ihn hineingerissenen warmen Teilchen 
veranschaulicht. Bleibt auch die einzelne Luftbahn in manchem zweifelhaft, so 
dürfte ihr allgemeiner Charakter doch durch Fig. 13 richtig wiedergegeben sein, 
Fig. 12 und 13 sind nach photographischen Aufnahmen mit feststehender 
Kamera hergestellt und zeigen also die Bewegungen relativ zum Boden. Wesentlich 
anders wird das Bild, wenn die Kamera, wie in den bekannten Versuchen über 
Wasserwiderstand von F. Ahlborn, mit dem Phänomen fortschreitet. Diese Be- 
wegung relativ zur Böe kann auch durch Konstruktion aus Fig. 12 gewonnen 
werden, wenn man überall eine angenommene Geschwindigkeit ihrer Fortpflanzung 
graphisch subtrahiert. Da wir hierbei wenigstens zeitweise einen stationären Zu- 
stand haben und, nach den Versuchen mit gefärbtem Wasser zu urteilen, keine 
erhebliche Mischung zwischen dem »Kopf« und der leichteren. Flüssigkeit statt- 
findet, in die er eindringt, so müssen innerhalb des »Kopfes« den schneller als 
dessen Fortschreiten vorwärts strömenden Massen entsprechend viel langsamer 
(also relativ rückwärts) bewegte Massen gegenüberstehen. In Fig. 12 ist dieses 
freilich wohl nicht der Fall. 
Schwerer wiegt der andere Einwand, den man gegen die allgemeine An- 
wendung der Versuche von W. Schmidt auf die Entstehung der Böen machen 
kann, nämlich das häufige Fehlen des Temperaturfalls in diesen. Bei Gewitter- 
stürmen in den Tagesstunden pflegt zwar die Temperatur plötzlich um viele 
Grade zu fallen; in der Nacht und am Abend zeigt sie aber auch in heftigen 
15 Dies scheint für Böen die Regel und war auch in den Versuchen von Dr. W. Schmidt der Fall.
	        
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