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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1914. 
Die Pfeile in Fig. 10 geben die Bewegung der Luft nach Abzug der Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeit der Böe, also relativ zu dieser, nicht zum Erdboden 
an. Sie sind aus zweierlei erschlossen: aus den Kontinuitätsbedingungen der 
Strömung und aus der Wolkenbildung. Die ersteren verlangen, daß der Quer- 
schnitt — also in diesem Falle auch die Höhe — der Strömung vor und hinter 
dem Bande stürmischen Windes größer sei als in ihm selbst; daß also vor der 
Böe die Luft in aufsteigender, hinter ihr in absteigender Bewegung begriffen 
sei. Die Wolkenbildung lehrt dasselbe, denn die dicke niedrige Masse des Böen- 
kragens kann nur in einem starken aufsteigenden Luftstrom bestehen, und die 
gewölbeförmige Erhebung der Untergrenze der Wolke im Regen und weiterhin 
das Aufklaren hinter der Böe deuten auf absteigende Luftbewegungen hin. Die 
Länge der Pfeile in Fig. 10 soll ein ungefähres Bild der Stärke der (relativen) 
Bewegung geben; dazu kommt dann noch die von links nach rechts gerichtete 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Böe. 
Fig. 12. 
In sehr anschaulicher Weise wird das Bild der typischen, von plötzlicher 
Abkühlung und Emporschnellen des Barometers begleiteten Böen durch Experi- 
mente erläutert, die Dr. Wilhelm Schmidt in Wien mit dem horizontalen Ein- 
strömen einer dichteren in eine dünnere Flüssigkeit oder kälterer und mit 
Tabakrauch beschwerter Luft in bzw. unter wärmere reine Luft angestellt hat. 
Zu diesen Versuchen diente ein Trog von 181 cm Länge, 31 cm Höhe und 4 cm 
Breite mit Seitenwänden aus Glas; 40 cm von einem Ende befand sich eine 
Scheidewand, die nicht bis zur Oberfläche des eingefüllten Wassers reichte und 
deren unterer Teil aus einem Schieber bestand. Wurde die kleinere Kammer 
vorsichtig mit schwererer Flüssigkeit gefüllt und dann der Schieber geöffnet, 
so zeigte sich stets die nämliche Erscheinung: am Vorderrande der unten ein- 
dringenden Masse ein erhöhter Kopf, dahinter eine Einschnürung und weiter ein 
ganz langsames Ansteigen der nachfließenden Masse. Der Umriß des »Kopfes« 
ist (für mittelmäßige Dichteunterschiede) durch die starke Linie in Fig. 12 an- 
gedeutet. Die Zeichnung stellt im übrigen nach photographischer Aufnahme die 
Bewegung von im Wasser suspendierten Sägespänen während 2 Sekunden dar. 
Die Länge der Linien gibt also die Geschwindigkeit der Teilchen an. Die von 
rechts längs dem Boden einströmende schwerere Flüssigkeit wirft vor sich die 
leichtere empor, die dann hinter dem Kopf der Böe wieder teilweise herabsinkt. 
Diese aufsteigenden und absteigenden Bewegungen sind es, welche die Böen für 
Ballone und Luftschiffe besonders gefährlich machen. Denn ein in die Höhe 
geführter Ballon verliert Gas und geht dabei erfahrungsgemäß über seine 
Gleichgewichtslage hinaus, so daß er, sobald die lebendige Kraft seiner steigenden 
Bewegung aufgezehrt ist, unter diese Lage herabfällt; dieses Auf- und Abpendeln
	        
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