Köppen, W.: Über Böen, insbesondere die Böe vom 9. September 1913, “307
dabei nur Begleiterscheinungen, eine Rückwirkung derselben auf das große
mechanische Phänomen ist. nirgends nachweisbar.
Eine Gewitterböe, die am 27, August 1890 ungefähr mit derselben Geschwindigkeit
von 60 bis 90 km in der Minute, wie sie die vom. 9. Juli 1881 zeigte,
Frankreich und Süddeutschland durchzog, |
hat Durand Greville im Jahre 1892 be- Fig. 6.
arbeitet, Sie zeigte die einmalige .Druckstufe
noch ausgeprägter als die von 1881
(siehe Fig. 6).
In diesen Fällen stellten die Böe und
die Druckstufe den vorwärtsdringenden
Rand eines ausgedehnten kalten Luftgebietes
gegen ein davor liegendes warmes Gebiet
dar. Die Erscheinung kann also in ihnen
als einmaliger seitlicher Einbruch kalter
Luft betrachtet werden.
Dieser Böentypus ist der ausgesprochenste,
doch folgen ihm nicht alle Böen
und Gewitter. Selbst von den echten Linienböen
sind nicht alle am Boden von einem
Einbruch kalter Luft begleitet. In der
Nacht verlaufen auch solche Böen, die eine
starke Druckschwankung aufweisen, gewöhnlich
ohne bedeutende Temperaturänderung;
ein Teil des Vorganges spielt sich
dann in der Höhe über der schwereren ‚erkalteten
Luft am Erdboden ab. Nicht selten
kommen auch mehrere Gewitterböen rasch
nacheinander, in extremen Fällen. mit
mehreren wellenartig nahe hintereinander folgenden. Luftdruckfurchen, von denen
einzelne innerhalb des kalten Luftgebietes liegen. Ein solches Beispiel zeigt das
Kärtchen vom Abend des 16.Juli 1884 (Fig: 7)!) ; gg bezeichnet die Lage zweier Gewitter.
Indem sich ie 7. 16. Juli ade
diese Furchen nach Fig. 7. 16. Juli 1684, abe
Ost fortpflanzen,
bewirken . sie . die
charakteristischen
raschen Schwankungen
des Barometers,
welche die
folgende Fig. 8 für
Hamburg vorführt.
Die Fortpflanzung
dieser Druckwellen
über. Norddeutschland
erkennt man
aus Fig.9. Während
der Fortpflanzung
findet allerdings
auch eine Umgestaltung
derselben
statt, sodaß z.B, die
in Fig. 7 am linken
Rande, gezeichnete ;
Druckfurche in Magdeburg und Berlin nur noch schwach, an den übrigen Orten
kaum mehr erkennbar ist. Neufahrwasser (Danzig) zeigt von der ganzen Erscheinung
nichts mehr.
1) Nach Börnstein-Köppen, Meteorol, Zeitschr. 1887, S. 451,