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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXII. Jahrg. (1914), Heft VI. 
798 
Über Böen, insbesondere die Böe vom 9. September 1913. 
Von W, Köppen. 
(Amtlich) 
(Hierzu Tafel 14.) 
Die kurzdauernden Steigerungen der Windstärke, die man als Windstöße 
bezeichnet, können von verschiedener Natur sein. Es ist zweckmäßig, den Aus- 
druck Böen auf diejenige häufigste Klasse der Windstöße zu beschränken, die in ihrem 
Auftreten und in ihrer Natur mehr oder weniger bestimmt die Eigenschaften 
aufweisen, die wir im folgenden besprechen werden. Allerdings gibt es neben 
den typischen Linienböen mit Regen und Schnee, Gewitter und Hagel, in denen 
der Windstoß von einer plötzlichen Barometerschwankung. begleitet und von 
starker Abkühlung gefolgt ist, auch zahlreiche verwandte Erscheinungen, die nur 
einige dieser Züge zeigen. Es ist aber zur klaren Auffassung notwendig, daß 
wir den eigenartigen Typus der Linienböen deutlich dem zweiten, wesentlich 
andern Typus von Windstößen, den Tromben, Wind- und Wasserhosen entgegen- 
setzen. Ob es nicht auch unter den heftigen, zerstörenden Windstößen welche 
gibt, die zwischen diesen beiden Klassen vermitteln, dies zu entscheiden reichen 
unsere Kenntnisse noch nicht aus, 
Von den »böigen Winden«, bei denen die einzelnen Böen, auch wenn sie 
mit Wolke und Regenguß verbunden sind, nur als häufige Verstärkungen in 
einem ohnedies starken Luft- 
strom auftreten, kann hier nicht 
geredet werden, Denn diese Böen 
sind zeitlich und räumlich so 
wenig von ihrer Nachbarschaft 
abgegrenzt, daß ihre Erstreckung 
und ihr Fortschreiten nicht unter- 
sucht werden können und sich 
wenig anderes über sie sagen läßt, 
als daß sie voraussichtlich in der 
noch wenig aufgeklärten Er- 
scheinung der »Turbulenz« der 
Flüssigkeitsbewegungen ihre Ur- 
sache haben. Was uns hier be- 
schäftigen wird, sind die großen, 
gegen ihre Umgebung, nament- 
lich gegen die vor ihnen wehen- 
den schwachen und zum Teil 
anders gerichteten Winde wohl 
abgegrenzten Erscheinungen, die 
man wegen der bandförmigen 
Gestalt des in jedem Augenblick vom Windstoß eingenommenen Raumes als Linien- 
böen bezeichnet, 
Die erste solche Böe, die einer Untersuchung unterzogen wurde, war die- 
jenige, in der am 24, März 1878 das heimkehrende englische Schulschiff 
»Eurydice« in Sicht der Insel Wight kenterte. Eine Wolkenwand, die von NW 
heranzog, hüllte die Fregatte kurz vor 4% N in Schneegestöber, nach dessen Ab- 
zug das Schiff verschwunden war. | 
Durch Benutzung der vorhandenen Beobachtungen und Umfrage stellte 
der englische Meteorologe Cl. Ley fest, daß diese stürmische Böe in jenem 
Augenblick ein etwa schmal sichelförmiges Gebiet einnahm und quer zu dessen 
Längserstreckung nach Südost fortschritt. Sie bewegte sich an der SW-Seite 
Ann. d. Hydr. usw. 1914, Heft VL 
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