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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1914,
Ein Abflauen des Windes sowie Wolken in der Kimm aus anderer
Richtung aufkommend haben eine Änderung des Windes zur Folge; auf Ab-
flauen des Sturmes und Rechtsdrehen nach West folgt Regen. Wenn der Wind
mit Sonnenuntergang bei schlechtem oder unbeständigem Wetter abnimmt, so
ist am andern Morgen ein Auffrischen zu erwarten, Flaut Ostwind bei Sonnen-
untergang ab, so setzt er am folgenden Tag wieder ein. Abflauen um Mitter-
nacht hat bessere Witterung zur Folge.
Bei Auffrischen des Windes am Tage und konstantem Barometer ist
Fortdauer des Windes zu erwarten.
5. Wetterregeln aus den Sichtigkeitsverhältnissen der Atmosphäre und den optischen
Erscheinungen.
a. Sichtigkeit der Luft in bezug auf irdische Gegenstände.
Die Wettervorhersagen, die sich auf die gute oder schlechte Sichtigkeit der
Luft stützen, lauten sehr verschieden, eine vorherrschende Ansicht darüber be-
steht offenbar nicht.
Ist die Luft sehr sichtig und klar, erscheinen entfernte Gegenstände, die
Küste oder Gegenstände daselbst und Schiffe besser als sonst sichtbar oder auf
See gehoben, erhöht und klar, in einer Art Luftspiegelung (2), so bleibt das
Wetter gut oder dauernd gut (28), es folgen trockene nördliche oder östliche
Winde; bei Nord- und Ostwinden soll die größte Sichtigkeit herrschen,
Dagegen heißt es fast ebenso oft (in 20 Fällen, gegen 28 oben): Ist die
Luft sehr klar und sichtig, besonders sichtig, erscheinen die Gegenstände näher,
besonders im Herbst, und sind die Leuchtfeuer besser (als sonst) sichtbar, so
ist schlechtes, stürmisches Wetter, Regen, Wetteränderung, eine aufgeregte
Atmosphäre zu erwarten (20).
Mehrfach wird auch eine eingehendere Prognose gegeben: Falls die
Gegenstände, Schiffe usw, gedrückt, niedrig erscheinen, kommt Südwind (2),
Westwind (3) mit schlechtem Wetter. Dunkelblaue Luft gibt Wind, hellblaue
Luft gut Wetter. Neunmal wird gesagt, daß von da, wo die Küste, die Gegen-
stände gehoben und näher erscheinen, der Wind herkommen wird (9).
Wenn die Leuchtfeuer sehr flackern, aber doch gut sichtbar sind, so
ist stürmischer Südostwind mit Regen zu erwarten, erscheinen nachts die Lichter
oder Leuchtfeuer doppelt übereinander, so deutet dies auf Nebel hin, ist die
Luft sehr sichtig, so kommt am nächsten Morgen Nebel. Bei guter Sichtbarkeit
des Helgoländer Feuers wird in fünf Fällen schlechtes Wetter vorausgesagt, nur
vom Beobachter auf Sylt auf gutes Wetter geschlossen,
Schlägt sich der Rauch nieder bei gutem Wetter, so wird es bald schlecht.
Sichtigkeit der Luft in bezug auf das Aussehen der Sterne.
Sind die Sterne gut sichtbar, erscheinen sie doppelt groß, haben wir
einen gut ausgestirnten Himmel, ist der Sternenhimmel sehr nah, so werden
schlechtes (2) oder schlechteres Wetter, südliche Winde (2) mit Regen (3)
oder starke Winde vorhergesagt; sind die Sterne sehr tief im Horizont sicht-
bar (2), steht ein Stern nahe beim Mond, so folgen stürmische Winde; starkes
Flimmern, helles Leuchten, Flackern der Sterne am Abend deutet auf Nebel (2),
besonders bei hohem Barometerstande, oder auf viel Wind mit Regen. Zur Zeit
des Leonidenfalls (November) treten stets Stürme auf.
Von anderer Seite heißt es aber wieder in gewissem Gegensatz zu obigen
Regeln: Wenn nicht viel Sterne zu sehen sind, folgt Trübung; wenn die
Sterne tief sitzen, einen verschleierten Schein zeigen, folgt schlechteres
Wetter (2); erscheinen die Sterne sehr hoch und entfernt, so hält das gute
Wetter an. Ein wenig ausgestirnter Himmel hat nördliche Winde zur Folge.
ce. Aussehen des Himmels bei Sonnenaufgang.
Bezüglich des Sonnenaufgangs herrscht ziemlich allgemein die Ansicht,
daß bei leuchtendem Morgenrot schlechtes Wetter für den Tag zu erwarten
ist. (38). Je schöner die Sonne, desto mehr Regen gibt es. Einzelne Beobachter