Grossmann und Perlewitz: Gebrauch von Wetterregeln an der deutschen Küste. 19
Bei Ost-, Nord- und Nordwestwind wird es dagegen trocken und schön
oder es hält das gute Wetter an (4), das ist die Hauptwetterregel (1); dasselbe
tritt ein, wenn das Barometer nicht fällt.
In bezug auf die Temperaturverhältnisse heißt es, daß Westwind im
allgemeinen wärmer ist und vor allem gleichmäßigere Temperaturen zeitigt als
Ostwind, der die größten Temperaturunterschiede bringt.
Mit nördlichen Winden ist Aufklaren und Abflauen verbunden; Nord-
wind mit feinem Regen bringt Auffrischen aus Nord; auf stürmischen Nordwind
mit Regen folgt Westwind und Abflauen.
Auf starken Ostwind folgt bald westlicher Wind; . auf Ostwind mit
steigendem Barometer folgt Auffrischen, mit fallendem Barometer Abflauen;
Ostwind mit Nebensonnen gibt Regen; Ostwind, der am Abend einsetzt, dauert
nicht lange; wenn bei Ostwind morgens eine Wolkenbank im Nordwesten auf-
kommt, frischt der Ostwind tagsüber auf und flaut bei Sonnenuntergang wieder
ab; bei Ostwind kommt selten Regen, zuweilen im Winter dauernder Regen vor;
wenn es bei Ostwind regnet, so regnet es sehr viel, lange Zeit, bei vertikalen
Wolken; »Steht der Ostwind 3 Tage, so steht er auch 9« oder »ändert es sich
nicht nach 3 Tagen, so auch nicht nach 9«,
Auf Südostwind mit Regen folgen meist westliche Winde mit Regen,
bei Südostwind mit steigendem Barometer folgt Auffrischen. Südlicher Wind
mit schmieriger Luft und nicht steigendem Barometer bringt stets Regen (3),
Südwind mit steigendem Barometer bringt Nebel (2) und auf See Meerleuchten;
auf südlichen Wind ohne Tau in der Nacht folgt Regen. Bei Süd- und West-
wind fällt vorwiegend Regen im Gegensatz zu Nord- und Ostwind. Süwestwind
mit Schnee zeigt in der Regel Sturm aus Nordost an. Herrscht stürmischer
Westwind und klart es im Nordost auf, so kommt Nord- und Nordoststurm
und gut Wetter; weht Westwind längere Zeit mit darauffolgender Windstille,
so folgt Ostwind.
3. Wetterregeln aus der Winddrehung.
Dreht der Wind nach links, dreht er zurück, krimpt er (8), besonders
von West nach Süd, wobei er gewöhnlich schwächer wird, so tritt schlechtes
Wetter, Regen, ein mit wieder auffrischenden oder stürmischen Winden (7), be-
sonders bei stark bedeckter Luft und fallendem Barometer, OÖstwind, der durch
Süden ging, hält lange stand, Dreht der Wind nach rechts, der Sonne
folgend (2) über West nach Nordwest (6), holt der Wind nördlicher, springt der
Wind auf Nordwest und Nord bei steigendem Barometer (6), so wird das Wetter
besser, schön, es folgt Abflauen; fällt dabei Graupel, so dreht der Wind weiter
bis Nordost und mit diesen nördlichen Winden ist auch Aufklaren verbunden.
Dreht der Wind bei Sturm nach rechts, nach West, und flaut ab, so folgt Regen.
Dreht der Wind über Nordwest und Nord nach Ost, so weht der Ostwind be-
ständig, ‚so hält gut Wetter längere Zeit an. Dreht der Wind bei östlicher
Richtung tags nach Südost, so geht er abends wieder nach Ost zurück, dreht
er von Ost über Südost weiter nach Süd, so tritt schlechtes Wetter, Regen .und
auffrischender Wind ein (4), besonders bei niedrigem Barometerstand,. unter
750 mm.
Windwechsel von Süd auf Nordost, besonders im Frühjahr, kündet
Nebel (2) an. Bei unbeständigen und wechselnden Winden tritt schlechtes, un-
beständiges Wetter (2) ein.
4. Wetterregeln aus der Windstärke und deren Änderung.
; Auf Windstille mit fallendem Barometer folgt stürmische Witterung,
desgleichen nach dem Auftreten von Windhosen,
Die Dauer der Stürme beträgt gewöhnlich drei Tage, starke Stürme
dauern drei Stunden, plötzliche Stürme sind nur kurz. ; 2
Nach stürmischem Nordwind mit Regen dreht der Wind nach. West
and flaut ab. Geht stürmischer West in Böen über. so flaut er ebenfalls ab.
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