380 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1914.
schwingung, sich die Amphidromie im Adriatischen Meere richtig darstellen läßt,
ohne hierbei nachweisen zu wollen, daß die bei der von der Erdrotation erzeugten
Querschwingung beobachteten Amplituden und Phasen vollkommen durch die
Erdrotation numerisch ihre Erklärung finden. Diese Stelle bleibt einer späteren
Untersuchung noch offen.
Wir nehmen ein Becken von den Dimensionen der Adria: die Breite ver-
halte sich zur Länge wie 3:13. Die Knotenlinie der Längsschwingung liege
nicht symmetrisch in der Mitte des Beckens, sondern gegen das Nordende ver-
schoben; die zwei Teile verhalten sich wie 4.5:8.5. Die Amplitude am Nordende sei
A, = 30 cm und nehme linear gegen die Knotenlinie ab; am Südende sei sie
A‘, =15cm. Die Querschwingung erfolge überall um eine Längsmittelachse
als Knotenlinie und habe eine Amplitude von Ay= 10 cm,
Die Verschiebung eines Punktes, der durch die senkrechten Abstände
0, und 0, von den Knotenlinien fixiert ist, beträgt bei der Längsschwingung
n= A A sin Tr e+ ?,), bei der Querschwingung 7 = 4A, Te sin T (t + go).
Die tatsächliche Verlagerung durch beide Wellen ist:
°
nm = AO sin SZ (6 g1) + Ar © sin SZ 4-0).
1 5A
Ein Punkt (0,, 02) zeigt ein Maximum bzw. ein Minimum der Verlagerung
zu einer Zeit, bei welcher 57 = 0 ist. Setzt man t-+ @, = tT und gı — D, = 0,
30 ergibt sich hierfür als Bedingungsgleichung für 7
Are 006773 sin 20 tg 2xe
1, Az@ T T T
Nehmen wir dieselbe Phasendifferenz, die R, v. Sterneck!) für beide
Schwingungen genommen hat, nämlich zwei Stunden, so wird für @ = 10, T=12
und %, = 0 die Bedingungsgleichung
7) AL = —1V3 tang %* — 14.
i) Teil des Beckens nördlich der Knotenlinie der Längsschwingung
Ay = 30; Ay = 10) } = 45; L= 15;
daraus A = 1, und Gleichung 7 nimmt die Form
Pe = —1/V3 tang m — Yo an.
2
Für verschiedene Wertepaare o, und 0, erhält man folgende Werte von t
und folgende Amplituden
= 00 —075 —15 —30 --45 —15 0.0
= 15 15 1.5 15 00 2—15 —15
t= 11% Oh IR 2h 3b 4b 5h
1) = 165° 195° 225° 255° 285° 315° 345°
Ampl., = 6.67 8.7 10.0 17.4 30.0 — 10.0
2) Teil des Beckens südlich der Knotenlinie
A’, = 15) A,= 10; ], = 85; L = 15;
daraus Art = 0.25, und Gleichung 7 hat die Form
0.26 0% = — 1 V3 tang A,
Für verschiedene Wertepaare von go, und 0, erhält man folgende Werte von t
0 = 2.88 5.77 8,5 8,5 5.77
d=—15 —15 L1 0.0 1.5
=— 6 7h sh 9b 10h
PP?) = 15° 45° 75° 105° 135°
Ampl. = — — — 15 13.1
1) Der Unterschied gegenüber den Rechnungen des Rı v. Sterneck sen. liegt darin, daß hier
die Hauptschwingungen in der Längs- und Querrichtung erfolgen, während v. Sterneck zwei
Schwingungen um Knotenlinien, die genau in der Richtung West—Ost und Nord—Süd verlaufen,
angenommen hat,
2) Nach den Ergebnissen der harmonischen Analyse entspricht der Flutlinie 9b etwa eine
Phase # = 105°; die obigen Werte von @ sind von diesem Werte an gezählt.