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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

276 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1914, 
wären sehr gering, die Annäherung ziemlich groß. Die theoretischen Berech- 
nungen für einen Kanal von solchen Tiefenverhältnissen wären sehr kompliziert, 
jedoch nicht unlösbar, Der Gardasee besitzt eine ähnliche »Normalkurve«, im 
Chrystalschen Sinne, und die Ermittlung der Periode seiner Eigenschwingungen 
(seiches) ist dort gelungen!). Durch ähnliche Gleichungen und Rechnungen ließe 
sich auch diesem Problem beikommen. 
Wie die späteren Betrachtungen ergeben werden, genügt jedoch eine weniger 
große Annäherung ohne einen so komplizierten Rechenapparat, um die Beob- 
achtungstatsachen fast vollkommen zu erklären. Als diese Annäherung wählen 
wir eine gleichförmig abnehmende Tiefe vom Nordende bis zur Straße von 
Otranto; in der Figur ist diese Linie gestrichelt eingezeichnet. Die Darstellung 
der Tiefenverhältnisse durch eine solche Linie ist bis zu 550 km Entfernung vom 
Nordende annehmbar, also für fast ?/, der Adria; dann sind die Abweichungen 
allerdings sehr groß, indem wir die tiefe Einbuchtung im südlichen Tiefseebecken 
ignorieren. Als erste Annäherung wird aber diese Annahme erlaubt sein, Wir 
ersetzen also das Adriatische Meer durch einen Kanal von konstanter Breite und 
mit Annäherung an die Mündung gleichförmig zunehmender Tiefe. Die Tiefe 
an der Mündung a = 860 km sei h, := 330 m. Die Gezeitenbewegung in einem 
solchen Kanal ist dann gegeben durch Gleichung 6, in der wir nun für den 
Parameter v„ die entsprechenden, für die Adria geltenden Zahlen einzusetzen haben, 
&. Die ganztägigen Gezeiten, Die in Betracht kommenden Gezeiten- 
wellen sind O, K,, P. Die Perioden der erzeugenden Kräfte sind der Reihe nach 
25.82, 23.93 und 24.07 Stunden. Im Mittel können wir dafür rund 24 Stunden 
nehmen; es ist also T=— 24. Die Periode der Eigenschwingungen eines Kanals 
von gleichförmiger Tiefe h, ist Ti Für a= 860 km und h, = 330 m, 
0 
ergibt sich T;=38.,39 Stunden. Der Parameter v wird somit für die ganztägigen 
Gezeiten v = 0.35, und die Gleichung ihrer Bewegung ist 
_ah@-2Vr) 
Nuy=C ne-H cos (24t + ©), 
worin 0<y=1 ist, 
Diese Bewegung besitzt eine eventuelle Knotenlinie für Jy(2-27Vy)= 0. 
Diese Gleichung besitzt jedoch keine Lösung, da die erste Wurzel von Jy (x) = 0 
erst bei x = 2,405 ist. 
Die ganztägigen Gezeiten besitzen also eigentlich keine Knoten- 
linie. Die Amplitude der Schwingungen ist am kleinsten an der Mündung des 
Kanals, an der Straße von Otranto, am größten am Nordende des Kanals. Die 
Amplituden sind proportional der Größe Jy(2-2yy). Setzen wir die Amplitude 
am Nordende (y = 0) gleich 1, so erhält man folgende Werte für die einzelnen 
Entfernungen vom Nordende: 
y=0 0.1 02 03 04 05 06 07 08 09 1.0 
J@.2V7)=10 088 077 067 0.57 0.48 0.40 032 0.24 0.17 0.11, 
. Diese Werte sind in Figur 2 
. Fig. 2. graphisch dargestellt; man ersieht 
Amplitude der ganztägigen Welle, daraus, daß die Amplituden der 
ganztägigen Wellen fast linear mit 
der Entfernung vom Nordende ab- 
nehmen, und daß die Amplitude der- 
selben ‚an der Straße von Otranto 
yegenüber jener am Nordende so 
klein ist, daß man getrost von einer 
Knotenlinie an dieser Stelle sprechen 
kann. Aber auch der theoretisch 
berechnete Grad der Zunahme der 
Amplituden von der Straße von 
Otranto bis zum Nordende ist der- 
selbe wie der beobachtete, wie fol- 
gende Tabelle: lehrt: 
Band 117 1908. 
Yu 
+ Defant, 1. c. Sitzungsber. der Wiener Akad
	        
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