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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Grossmann und Perlewitz: Gebrauch von Wetterregeln an der deutschen Küste, 17 
Es gibt gewiß Anzeichen von kommendem Wetter, diese Anzeichen sind aber so 
markant, daß gewiß jeder Seemann sie kennt. Meistens ist das schlechte 
Wetter aber dann schon so nahe, daß es sich nur noch um eine kurze 
Frist handelt, bevor das Wetter losbricht. Wie schlimm es aber mit dem 
Wetter wird, ist immer noch nicht vorher zu bestimmen. Mitunter sieht die 
Luft furchtbar drohend aus, und das Wetter wird gar nicht so schlimm, ein 
andermal sieht die Luft längst nicht so drohend aus, und es wird sehr schlimm. 
Für den Seemann, finde ich, ist, wenn er sich auf See befindet und ihm die 
amtliche Wetterprognose nicht zugänglich ist, das Barometer der einzige wahre 
Wetterprophet; natürlich darf man das Aussehen des Himmels trotzdem niemals 
außer Betracht lassen: Es kommt ja auch darauf an, was man mit „schlecht 
Wetter“ bezeichnet. Für den Seemann ist doch eigentlich nur Sturm „schlecht 
Wetter“; Nebel ist ja auch sehr unangenehm, man bezeichnet aber Nebel doch 
nicht mit „schlecht Wetter“.« 
Ein anderer Bericht aus Cuxhaven von einem früheren Seemann führt an, 
daß dem Verfasser nur wenige Wetterregeln im Sinne des Fragebogens bekannt 
geworden seien, er habe sich während seiner Fahrzeit stets an die folgenden 
Punkte gehalten: »1. Wenn schlecht Wetter war, blieb ich im Hafen; 2. wenn 
mich auf See schlecht Wetter überraschte, hieß es, „was kommt, muß gelten“. 
Hier hat es sich häufig herausgestellt, daß die Wetterregeln falsch waren, den 
aus dem Aussehen der Luft sollte schon bald gut Wetter eintreten, aber es wurde 
statt besser schlimmer, Ob es Regeln gibt oder nicht, das kümmert den Fischer 
nicht. « 
Von einer Würdigung der eingesammelten Wetterregeln soll hier abgesehen 
werden. Eine Prüfung einzelner Regeln würde auf Grund der Beobachtungen 
und Registrierungen meteorologischer Stationen gewiß teilweise möglich sein, 
aber für jede Regel, falls ein zuverlässiges Urteil gewonnen werden sollte, eine 
sehr umfangreiche Arbeit erfordern, deren Erfolg von vornherein wegen der 
häufigen Ausnahmen als nicht im Verhältnis der aufzuwendenden Mühe stehend 
anzusprechen ist. Eine Prüfung der großen Mehrzahl der Regeln würde aber 
mittels solcher Beobachtungen und Registrierungen überhaupt nicht ausgeführt 
werden können. 
Um in der nun folgenden Zusammenstellung anzuzeigen, wie der Glaube 
an die einzelnen Wetterregeln mehr oder weniger verbreitet ist, sind diesen 
Regeln in Klammern Zahlen hinzugefügt worden, die die Häufigkeit des Vor- 
kommens der Regeln in den eingereichten Zusammenstellungen angeben, wobei 
jedoch die Kennzeichnung einer nur einmal angeführten Regel durch eine (1) 
nicht stattgefunden hat. Im allgemeinen werden wir berechtigt sein, der häufiger 
wiederkehrenden Regel ein größeres Vertrauen entgegenzubringen, doch wird 
uns die noch heute so verbreitete Zuversicht zu dem das Wetter beherrschenden 
Einfluß des Mondes, dem alle wissenschaftlichen Bemühungen auf statistischer 
Grundlage bis heute nicht nachzuweisen vermocht haben, auch bei jener Methode 
der Wertschätzung zur Vorsicht mahnen. . 
Die eingesammelten Wetterregeln sind nicht nach dem Inhalte der Vor- 
aussage, sondern nach den Wahrnehmungen, die zu einer Voraussage Anhalt 
gewähren, geordnet, da nicht selten eine und dieselbe Erscheinung als die Grund- 
lage verschiedener und teilweise entgegengesetzter Vorhersagen vorkommt. Um 
die Fülle merkwürdigen, meist veralteten Aberglaubens ungeschmälert hervor- 
treten zu lassen, sind die eingelieferten Wetterregeln ohne Streichung aufgenommen 
worden; ebenso hat das Bestreben vorgelegen, innerhalb des verfügbaren Raumes 
so weit wie möglich die Eigenart ihrer Form zu wahren. ; 
1. Wetterregeln aus den Beobachtungen der: Wolken. 
Bei klarem oder aufklarendem Himmel (2), hellen (2), zarten, hohen (5) 
Wolken, bei einfacher Wolkenschicht (3), mäßigen cu-Wolken, Schäferwolken oder 
Cirren aus Osten (3) besonders bei steigendem Barometer ist besseres oder gutes 
Wetter zu erwarten oder gutes Wetter hält an; je höher die Wolken, desto 
besser das Wetter. 
Ann. d. Hrdr. usw. 1914. Heft T_
	        
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