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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1914.
oben wurde gezeigt, daß die Abwechselung von kalten und warmen Wintern mit
dieser Variation in der Mondbahnkonstellation zusammenhängt. Wallen hat jetzt,
ganz unabhängig von mir und auf anderen Wegen, gefunden, daß die mittlere
Jahrestemperatur derselben Periodizität von 2.2 ,. Jahren unterliegt, welche einen
so bedeutenden Einfluß ausübt, daß: »ein Jahr in der Nähe des Maximums um
1.5° wärmer ist als ein Minimumjahr«.
Nun gibt es aber einen anderen Faktor welcher mächtig auf die Jahres-
temperatur einwirkt, nämlich die Sonnenstrahlung, welche‘ zu einer 12monat-
lichen Variation prädisponiert. Der Einfluß dieser Jahresperiode zeigt sich in
der periodischen Temperaturschwankung in Bergen und Gothenburg.
Nach der Maxima, Nach der Minima,
Gothenburg. . . . . 24.5 Monate, 24.2 Monate.
Bergen . ..... 242 .« 24.3 «
Das Klima von Gothenburg und Bergen unterliegt nicht direkt dem Ein-
fluß des Ozeans, sondern vielmehr demjenigen des Küstenwassers der skandi-
navischen Halbinsel, welches dem Baltischen Strom entstammt und als eine
dünne Oberschicht die Süd- und Westküste von Schweden und Norwegen umsäumt.
Die Temperatur dieser Wasserschicht wechselt mit der Jahreszeit und zeigt also
eine jährliche Periode. Die Apsidenperiode der Mondbahn bewirkt, daß jedes
andere Jahr im Durchschnitt wärmer wird.
Ferner hat Wallen gefunden, daß die größten Abweichungen von
dem Mittel auf die Wintermonate fallen, eine Observation, welche mit der
oben von mir gegebenen Darstellung übereinstimmt. Man ersieht von der Seite 268
gegebenen Tabelle, daß die mittlere positive Temperaturanomalie für die sym-
metrischen Apsidjahre 1815, 1817, 1819, 1821 = 1.7°C und die negative Temperatur-
anomalie der asymmetrischen Jahre 1814, 1816, 1818, 1820 — 2.3° ist. Ebenso
findet man die mittlere positive Temperaturanomalie für die asymmetrischen
Apsidjahre 1878, 1880, 1882, 1884 — 2.25° und die negative Temperaturanomalie
für die symmetrischen Jahre 1877, 1879, 1881 == 2.4°,
Daß diese Schwankungen in der Wintertemperatur derjenigen Jahre, worin
die zweijährige Periode typisch ausgebildet hervortrat, größer sind als die von
Wallen gefundene Temperaturamplitude 2.8°, welche als Mittel für die 150jährige
Jahresperiode angegeben wurde, erscheint ganz natürlich,
Zur Theorie der Gezeiten im Adriatischen Meere.
Von Dr. A, Defant.
Im Aprilheft dieser Zeitschrift habe ich über eine Abhandlung berichtet,
die in den »Mitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens« erschienen ist und in
der W. v. Kesslitz die Ergebnisse der harmonischen Analyse der Flutaufzeichnungen
von zwölf an der österreichischen Küste gelegenen Stationen des Adriatischen
Meeres mitteilt. Die Stationen befinden sich ausschließlich an der Ostküste dieser
Meeresbucht und umfassen dieselbe fast vollständig. Im Anschluß an diesen
Bericht gibt W. v. Kesslitz ohne weitere mathematische Entwicklungen eine zu-
sammenfassende Erklärung der Gezeitenvorgänge im Adriatischen Meere, die er
im Wesen als die Resultierende von vier Wellen auffaßt; diese vier Wellen sind
folgende:
1. Eine stehende Welle von ganztägiger Periode mit einer Knotenlinie
im Kanal von Otranto; da die Periode der Eigenschwingungen des Adriatischen
Meeres, als Bucht des Jonischen Meeres aufgefaßt, nahe an die Periode der er-
zeugenden Kraft herankommt (22.4 zu ungefähr 24 Stunden)!), hat diese Welle
den Charakter einer freien Schwingung mit entsprechend größeren Amplituden,
1!) Siehe »Ann. d. Hydr. usw.« 1911, Heft IIL. Defant: Über die Periodendauer der Eigen-
zschwingungen des Adriatischen Meeres,