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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1914,
Ich habe aus den vorhandenen hydrographischen Tieflotungen den Zustand
der Ostsee im Mittelalter zu rekonstruieren versucht. (Fig. 3.) Der folgende
Durchschnitt des südlichen Ostseebeckens von dem großen Belt bis zu der großen
Tiefe östlich von Gothland gibt eine Idee davon. Die vollgezogenen Isohalinen
repräsentieren den Zustand im August 1877 bei der ersten hydrographischen
Erforschung der Ostsee, welche von F. L. Ekman, assistiert von Cronander,
GC. Ekman und Scholander ausgeführt wurde, Die schraffierte Linie be-
zeichnet das Niveau des Tiefenwassers in den früheren Jahrhunderten, Die Be-
rechnung ist gemacht unter der Voraussetzung, daß die Ostsee nur in sehr kalten
Wintern zugefroren war, wie das folgende Beispiel zeigt. Angenommen, daß so
viel Salzwasser mit dem Unterstrom in das südliche Ostseebecken hineingekommen
wäre, daß in dem Sunde zwischen Schweden und Bornholm die Isohaline von
9% 0 30 m statt 40 oder 45 m unter der Oberfläche läge, so würde man in dem
kalten Winter 1892 bis 1893 eine feste Eisdecke zwischen Schweden und Deutsch-
land!), aber in dem warmen Winter 1893 bis 1894 eisfreies offenes Wasser ge-
habt haben. Eine erhöhte Intensität in der ozeanischen Zirkulation, wie sie am
Schluß des Mittelalters zur Zeit des absoluten Maximums der Flutkraft der Ge-
stirne vorkam, würde die Heringsschwärme wiederum der Ostsee zuführen und
zugleich die alten eisreichen Winter herbeiführen, Dasselbe Resultat würde sich
ergeben durch eine Vertiefung der Segelrinnen »Drogden« oder »Flintrännan«
im südlichsten Teil des Sundes. Da dies vielfach besprochen und sogar in der
gesetzgebenden Versammlung im Interesse des Schiffsverkehrs vorgeschlagen
wurde, erscheint es geraten, daß man sich einen Begriff von den Folgen macht.
Fig. 3.
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N-Br. 55%3'
3-Lg. 10°50’
+0 41 42 4:
m» Ki = S —e
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Klimaschwankungen im 18, und 19. Jahrhundert,
Von dem absoluten Maximum in dem 15. Jahrhundert gehe ich über zur
Besprechung der beiden letzten Epochen der sekundären Maxima, welche in die
Jahre 1797 #1 und 1889 @77 fielen und zugleich Epochen in der Klimaschwankung
bezeichnen, Diese Schwankung zeigte sich sowohl in den Niederschlagsmengen
wie in der Temperatur. Da ich hier nicht alles ausführen kann, verweise ich
auf die Originalarbeit hinsichtlich der Niederschlagsverhältnisse und beschränke
meine Darstellung auf eine Übersicht der mittleren Temperatur der Wintermonate
Dezember, Januar und Februar während der letzten 150 Jahre. Das Material für
die Darstellung ist enthalten in der wichtigen Arbeit von H. E. Hamberg, des
früheren Direktors der Meteorologischen Zentralanstalt zu Stockholm: Moyennes
mensuelles de la temperature ä l’observatoire de Stockholm. In diesen Tempera-
turserien hat Woeikoff eine dreifache Periodizität entdeckt (von zwei, acht und
neun Jahren), die an sich rätselhaft und paradox erscheint, aber bei näherer Be-
trachtung in vollkommener Harmonie steht mit den in dem ersten Abschnitt
erwähnten Mond- und Sonnenfleckenperioden, Um die Übersicht zu erleichtern,
werde ich hier die Tabelle Woeikoffs in etwas veränderter Aufstellung
wiedergeben.
1) Herr Kapitän Speerschneider von dem dänischen Meteorologischen Institut hat mir mit-
geteilt, daß man authentische Nachrichten davon hat, daß ein Mann in dem Winter 1809 diesen Weg
zu Fuß über das Eis zurückgelegt hat. Es ist bemerkenswert, daß dies sich gerade zur Zeit des
ietzten sekundären Maximums der Flutkraft zugetragen hat, zu welcher Zeit die kältesten Winter 1809
and 1814 der letzten Jahrhunderte einsetzten.