Pettersson, O.,: Studien in der Geophysik und der kosmischen Physik, 261
Fig. 2.
. Während des Bronzealters vollzog sich eine große Änderung in der Wasser-
zirkulation der Ostsee, indem die Tiefe des Öresund durch die Landerhebung nach
dem Schluß der sogenannten Litorinaepoche um 6m und diejenige des Großen
Belts um etwa 3 m vermindert wurde. Während der, Litorinaepoche hatte das
Nordseewasser und die Nordseefische freieren Zutritt zu dem Inneren der Ostsee‘).
Sämtliche in der Ostsee lebenden Nutzfische, mit Ausnahme des Aals und der
Makrele, sind als Relikte des Litorinameeres zu betrachten, da sie sowohl biolo-
gische als morphologische Rassenverschiedenheiten von den Nordseefischen der-
selben Gattungen zeigen. Die Heringsschwärme der Nordsee dringen auf ihren
Wanderungen nunmehr nur selten und spärlich durch die Sunde in die Ostsee
ein, wie es früher, im späteren Mittelalter, der Fall war, zu welcher Zeit die
große »Hanseatische« Heringfischerei bei Skanör und Trelleborg noch existierte,
die nach der Maximumepoche der Flutkraft im 15. Jahrhundert allmählich auf-
hörte. Daß die Heringswanderung sich soweit erstreckte, zeigt an, daß der Unter-
strom des Kattegats und die internen Bewegungen des Tiefenwassers, welche so
intim mit dem Erscheinen des Wanderherings verbunden sind, damals stärker
waren als jetzt.
Ein anderer Beweis dafür ist der Umstand, daß in einigen Wintern in
diesen Jahrhunderten die Ostsee und das Kattegat zufroren, so daß man mit
Pferden und Wagen zwischen Dänemark und Deutschland, bisweilen auch zwischen
Gothland und Esthland, fahren konnte. Ein derartiges Zufrieren der offenen
Ostsee ist seit mehr als .300 Jahren nicht mehr vorgekommen. Die sogenannte
Deckschicht in der Ostsee ist heutzutage so mächtig, daß das Wasser auch in den
kältesten Wintern nicht durch Konvektion bis zu.seinem Gefrierpunkt abgekühlt
wird. Die Temperatur sinkt in milden Wintern nicht unter + 2° und in kalten
Wintern nicht unter + 1° in der südlichen Ostsee.
Wie war dann der Zustand der Ostsee vor 600 Jahren, zu welcher Zeit
die Oberfläche in kalten Wintern von Eis bedeckt war? >
1) Die hydrographischen Verhältnisse der mittleren Ostsee waren damals ähnlich denjenigen
des südlichsten Kattegats in unserer Zeit, wie die beiden Kartenskizzen zeigen. Die rechts stehende
enthält eine Rekonstruktion der Isohalinen der Oberfläche während der Litorinazeit von dem schwe-
dischen Geologen Munthe. Die links stehende Karte ist gezeichnet von mir nach den Ergebnissen
der ersten Schwedischen Ostsee-Expedition im Jahre 1877.