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. Annalen der‘ Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1914.
gedrungen wär, daß niemand :©ohne Lebensgefahr die alte Route segeln konnte,
Er gibt genaue Segelanweisungen für die neue Route, welche nun um Kap Farvel
gelegt werden mußte, In den folgenden Kartenskizzen (Tafel 12) habe ich ver-
sucht, eine Idee zu geben von den älteren Segelrouten im Vergleich mit der-
jenigen, welche jetzt benutzt wird, um nach Südgrönland zu gelangen.
Die Ostküste von Grönland war in der Vikingzeit nur bewohnt von Ver-
brechern, welche aus den Kolonien vertrieben waren, und war berüchtigt wegen
der Schiffbrüche, welche dort vorkamen; aber das Meer um Südgrönland herum
war befahrbar und eisfrei. Der ostgrönländische Eisstrom war zu dieser Zeit
ungefähr ebenso frei von. Eis wie der ostisländische Polarstrom in unserer Zeit.
Das Klima von Südgrönland muß unter diesen Verhältnissen Ähnlichkeit gehabt
haben mit demjenigen von gewissen Teilen!) der norwegischen Westküste unter
denselben Breitegraden in der Jetztzeit. Dabei ist aber zu erinnern, daß Acker-
bau nur ausnahmsweise in Grönland betrieben wurde und daß die Vegetation,
besonders mit Hinsicht auf die Bewaldung, eine ganz verschiedene war. Da kein
Eis um Kap Farvel herum in die Baffinsbai kam, war auch der Labradorstrom
relativ frei von Eis,
Die Eisschmelze im Meer.
Man wird dagegen einwenden, daß es unmöglich erscheint, daß die Aus-
fuhr von Eis aus dem Polarmeer auf längere Zeit sistiert sein kann. Für den-
jenigen, der in der Lage gewesen ist, die Eisschmelze in einem von unseren
tiefen Fjorden hydrographisch zu studieren, erscheint die Sache in etwas anderem
Licht. J. W. Sandström hat als Assistent auf der Station Bornö die Eisschmelze
im Gullmarfjord durch tägliche und stündliche Beobachtungen studiert. Die Eis-
schmelze im Gullmarfjord ist ebensowenig wie im Meer ein Auftauen, bewirkt
durch die Sonne oder durch höhere Lufttemperatur, Das Eis bildet sich nämlich
nur dann, wenn die oberste salzarme Wasserschicht dünn und durch Ausstrahlung
in ruhigem Wetter und besonders in klaren Nächten Wärme an die Atmosphäre
abgibt. Die Eisdecke wächst an Dicke, erst schnell, dann immer langsamer,
schließlich unmerklich und bleibt so lange liegen, als die abgekühlte Oberschicht
nicht durch innere Wellenbewegungen aus dem Fjord vertrieben wird. Unter
ruhigen Verhältnissen in der Grenzschicht entsteht ein stationärer Zustand in
dem Fjord, indem die Eisdecke sich in thermischem Gleichgewicht mit der dar-
unter liegenden kalten Wasserschicht befindet, während man 1 bis 3 Meter dar-
unter?) auf das scharf markierte Niveau des 3° bis 8° warmen Bankwassers stößt.
So kann die Eisdecke sich mehrere Wochen auch in warmen März- und
Apriltagen scheinbar unverändert erhalten. Das Eis, welches am Tage ver-
dunstet, wird in den klaren, kalten Nächten durch Zuwachs nach unten ersetzt,
bis eine größere Wellenbewegung in der Zwischenschicht einsetzt. Was dann
geschieht, erhellt am besten aus Sandströms Beschreibung ?), der auf meinen
Vorschlag die Eisschmelze studierte:
»Wishing to carry out observations I went out on the ice on a sledge
and let down a current meter of Petterssons construction. I measured the
velocity at intervals of one meter from 1 to 10 meters depth. From that depth
and to the bottom measurements were executed at every 5% meter. From the
surface to the depth of 10 meter the current flowed inward into the fjord, from
there and to the bottom it flowed out. The velocity was greatest (= 23 cm/sec.,)
at 6 meters depth. Fig. 1, Tafel 13 shows the velocity diagram. It indicates a
strong inward current just under-neath the ice and a lesser outward current at
the bottom. Fig. 2, Tafel 13 shows the results. The curves connect points of
the same veloecity. Thus on the o-eurve the velocity of the meter is zero, + denotes
4) Ich denke hierbei an einige Kirchspiele in Norwegen, welche in der Nähe des Justedals-
gletschers belegen sind,
2) In der Nacht zwischen dem 8. bis 9. Dezember 1913 bildete sich zum erstenmal in diesem
Winter eine dünne Eisdecke (etwa 1 cm dick) auf dem inneren Teil des Gullmarfjords. 2 m unter-
halb der Eisdecke hatte man Bankwasser von +8°.5C und 32 90.
3) On ice melting in seawater and currents raised by it »Svenska Hydrografisk Biologiska,
Kommissionens Skrifter« II.