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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Köppen, W.: Die Beziehungen zwischen Druck, “Temperatur, Luftströmung u, Depressionsbahn, 253 
Die nebenstehende Figur 6 zeigt durch die dicken Linien die. Isobaren 
einer wandernden Depression von ungefähr normalen Verhältnissen im Meeres- 
niveau, durch die dünnen Linien deren Zerlegung in die genannten zwei Ele- 
mente des Gradienten, nach der Methode der Schnittpunkte. Sind in dem ganzen 
Raume keine horizontalen Temperaturunter- Eie. 6 
schiede vorhanden, so behalten die Isobaren BD 
in allen Höhenschichten dieselbe Form und 
stellen die: dünnen Linien unserer Figur nur 
ideale »partielle« Isobaren!) dar. In der Regel, 
wenigstens in den gemäßigten Zonen, haben 
wir es aber gleichzeitig mit Druck- und mit 
Temperatur-Unterschieden in horizontaler Rich- 
tung zu tun; und in diesen Fällen können die 
verschiedenen Liniensysteme entweder die tat- 
sächliche Druckverteilung in verschiedenen 
Höhen oder, bei passender Intervallengröße 
(vgl. Meteor. Zeitschr. 1888, S. 474), die Isobaren 
eines Niveaus und die Isothermen der mitt- 
leren Temperatur der zwischen beiden Isobarenniveaus liegenden Luftmasse dar- 
stellen?). Stellen z. B. die geraden Parallelen solche Isothermen mit gleichmäßigem 
Gefälle nach N (in der Figur oben) vor und die Kreise Isobaren im Meeres- 
niveau, so ist in einer höheren Schicht in der Atmosphäre die Isobarenform von 
der Art der mit den dicken Linien ausgezeichneten. Herrscht dieselbe Wärme- 
verteilung auch in größeren Höhen vor, so werden die Kurven immer flacher, 
wie sie sich durch Verbindung der Schnittpunkte der Geraden und der dicken 
Kurven oder jener mit jedem 3. oder 4. Kreise ergeben usw. Umgekehrt erfordert 
der Übergang von kreisförmigen Isobaren in Meereshöhe zu geradlinigen in 
großen Höhen eine Wärmeverteilung von der Art, wie sie in Fig. 6 die dicken 
Linien zeigen, und zwar so, daß die Temperatur in der Mitte höher sei. Eine 
ähnliche Verteilung ist auch nicht ganz ungewöhnlich, nämlich in den sogenannten 
»Gewittersäcken« sommerlicher Depressionen; doch folgt diese mehr dem Schema 
zweier Systeme von V-förmigen Linien, deren eines — die unteren Isobaren — 
nach nördlicher, das andere — die Isothermen — nach südlicher Richtung offen 
ist und deren Krümmungen sich in einer gewissen Höhe gegenseitig aufheben, 
so daß oben die V-förmige Ausbuchtung der Isobaren, 
die das Gewitter beherbergt, einem gleichförmigen Gefälle 
nach N oder NW Platz macht, wie es die Figur 7 ver- 
anschaulicht. 
Wir haben oben gesehen, daß in der nördlichen ge- 
mäßigten Zone rechts von der Bahn einer Zyklone höhere 
Temperatur herrscht als links von ihr, Dem barischen 
Windgesetz entsprechend weht aber der Wind vor dem 
barometrischen Minimum von der rechten, warmen Seite 
der Bahn her, hinter demselben von der linken, kalten. — Isobaren unten 
Die Vorderseite der Zyklone ist also in der Regel wärmer » oben 
als ihre Rückseite, ihre Annäherung ist mit Erwärmung, ----=— Isothermen 
ihr Vorübergang mit Abkühlung verbunden; im warmen der Zwischenschicht, 
Luftstrom ihrer Vorderseite fällt das Barometer, im kalten Luftstrom ihrer Rück- 
seite steigt es. 
1) Der Begriff der partiellen Isobaren wurde von Möller 1882 (Ann. d. Hydr., S. 221, 
Taf. 12) eingeführt und später von Bezold und Wundt ausgebaut. 
2) Klarer und zugleich strenger wird der Ausdruck, wenn man statt der Druckverteilung in 
verschiedenen Niveaux die Höhenlage verschiedener Isobarenflächen der Betrachtung zugrunde legt, 
wie dies Bjerknes empfiehlt und wie es in begrenztem Umfange Möller u. a, schon’ früher getan 
haben. Die Höhe der oberen Fläche ergibt sich dann direkt durch Addition der Dicke der zwischen- 
liegenden Schicht zur Höhe der unteren Fläche; und daß diese Dicke der Dichtigkeit umgekehrt 
proportional, also von der Temperatur abhängig ist, sieht man ohne weiteres ein. Möglich, daß man 
dereinst vorziehen wird, statt der Isobaren im Meeresniveau die Seehöhe der 1000 mb (750 mm)- 
Fläche auf den Wetterkarten darzustellen. Hier schien es indessen ratsamer, gewohntere Größen zu 
benutzen, um so mehr als eine rechnerische Verfolgung der Frage nicht im Plane lag.
	        
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