250 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1914.
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letzteren an; in unseren Gegenden liegt durchschnittlich etwa die Hälfte der
Atmosphäre unter dem Niveau von 5'/„, km und etwa %/, unter dem von 10 km
Höhe, wo bei uns durchschnittlich die Stratosphäre beginnt. Die oberste Grenz-
region der Troposphäre wird uns, wenn nicht etwa niedrigere Wolken sie ver-
hüllen oder wolkenloser Himmel herrscht, sichtbar durch Cirruswolken, die in
ihr schweben.
Auch innerhalb der Troposphäre kommen Temperatur-Invgrsionen vielfach
vor, in Deutschland besonders bei südlichen Winden im Herbst und Winter, Der
Unterschied ist der, daß diese Umkehrungen kurzdauernd sind und ‚daher in den
Mitteln verschwinden, während die Stratosphäre sich stets, wenn auch in wech-
selnder Höhe, vorfindet.
Schon vor 40 Jahren hat der englische Landpastor Clement Ley bei
Untersuchung der Druck- und Temperatur-Verteilung am Erdboden und des
Zuges der Cirruswolken einige wichtige allgemeine Sätze über die Bewegung der
Gebiete niederen Druckes gefunden‘).
Der Hauptinhalt dieser Sätze ist, daß die Depressionen in Europa die
Neigung haben, so fortzuschreiten, daß sie die Gegenden höheren Drucks und
höherer Temperatur zur rechten Seite ihrer Bahn lassen, und daß die Cirrus-
wolken ebenfalls die großen Hochdruckgebiete zu ihrer Rechten zu lassen streben
und zugleich eine zentrifugale Tendenz über den Gebieten niederen Drucks
zeigen; doch gilt der letztere Satz wesentlich für deren Vorderseite, auf der
diese Wolken überwiegend zur Beobachtung kommen, und nur in beschränktem
Maße auch für die Rückseite,
Der erste dieser Sätze ist von Cl. Ley auch so dargestellt worden, daß
die Bewegung der Depression rechtwinklig zum stärksten barometrischen Gra-
dienten oder der Verbindungslinie zwischen Minimum und Maximum geschieht,
Die zentrifugale Bewegung der Federwolken über Depressionen ist von Hilde-
brandsson schon früher, aber ohne Beziehung auf die Fortpflanzung der De-
pression, erkannt worden.
Im Jahre 1882 habe ich in dieser Zeitschrift”) die Erfahrungssätze von
Cl. Ley dargestellt und unter allgemeinere Gesichtspunkte gebracht. Da der
Luftdruck in warmer Luft langsamer nach oben abnimmt als in kalter, so
bedeutet, Übriges gleich gesetzt, hohe Temperatur der Luftsäule hohen Luftdruck
in der Höhe. Da der Winkel gegen die Isobare, unter dem der Wind in die
Depression einströmt, um so kleiner ist, je geringer die Reibung, und bei sehr
geringer Reibung sogar häufig durch die Fliehkraft aus dem Einströmen ein
Ausströmen werden kann, so geschieht die Bewegung der Cirren (vorn und rechts
vom Minimum) mit der Richtung der Isobaren in ihrer Höhe (etwa 9 km) ent-
weder parallel oder selbst unter geringem Winkel nach dem höheren Druck,
Die Wahrnehmung, daß die Depressionen und ebenso die Federwolken die großen
Gebiete höheren Druckes und höherer Wärme zu ihrer Rechten behalten, besagt
also, daß beide der vorherrschenden Richtung der Isobaren in der freien Atmo-
sphäre, in einiger Höhe über dem Boden, parallel zu gehen streben.
Diese Neigung zu einem Parallelismus zwischen der Zyklonenbahn und
der Bewegung der Federwolken ist ganz neuerdings durch eine Untersuchung
von Hesselberg®) bestätigt worden. Fig. 4 gibt eine anschauliche Darstellung
dieses Verhältnisses nach einer Zusammenstellung von Forst6n*), in der etwa
2500 Beobachtungen aus Deutschland, England und Schweden in drei Gruppen
1) CL Ley: The Laws of the Winds prevailing in Western Europe. 8°, London, 1872. —
Derselbe: Connection between the relative steepness of Gradients and the Course of the Depression,
Journ. Scott. Met, Soc. IV, Met. Zeitschr. 1876. — Derselbe: Relation between the Upper and
Under Currents of the Atm, Quart. Journ. Met. Soc. 1877, Met. Zeitschr, 1878. — Derselbe: Aids
to the Study and Forecast of Weather. London 1880.
2) Köppen: Über den Einfluß der Temperaturverteilung auf die oberen Luftströmungen und
auf die Fortpflanzung der barometr. Minima. Ann. der Hydr., 1882, S, 657.
3) Hesselberg: Die Luftbewegungen im Cirrusniveau. Veröffentl. des Geophysikal. Inst.
der Universität Leipzig, 2. Serie, Heft 2. Leipzig 1913.
4) Forsten: Über den Zusammenhang der Cirrusbewegung mit der Fortpflanzung der De-
pressionen. Meteor. Zeitschr. 1888, S, 105. .