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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXII. Jahrg. (1914), Heft V. 
x F 
VA: 
Die Beziehungen zwischen Druck, Temperatur, Luftströmung 
. und Depressionshahn. 
Von W.. Köppen. 
Unsere meteorologischen Anschauungen haben naturgemäß stets den Stempel 
des Ortes getragen, an dem die ihnen zugrunde liegenden Beobachtungen gewonnen 
waren. Wie die Klimatologie in den letzten 100 Jahren sich nur langsam von den 
in Westeuropa empfangenen Vorstellungen durch die zunehmende Bekanntschaft 
mit den andersartigen Verhältnissen der Ostküsten Amerikas und Asiens zu einem 
allgemeineren Standpunkte durchringen konnte, so ist in vielen Punkten unsere 
Auffassung von den großen Vorgängen in der Atmosphäre noch ausschließlich 
von den Wahrnehmungen am Grunde des Luftmeeres beeinflußt und beginnt nur 
allmählich einen freieren, die ganze. Atmosphäre überblickenden Standpunkt zu 
gewinnen, von dem sich viele Dinge ganz anders ausnehmen, 
Die Beobachtung, daß in unseren Breiten im Winter bei starker Kälte das 
Barometer hoch, bei Tauwetter niedrig zu stehen pflegt, hat in der ersten Hälfte 
des vorigen Jahrhunderts zu der Vorstellung geführt, daß die wandernden Ge- 
biete hohen und niedrigen Druckes - der gemäßigten Zonen durch kalte und 
warme, bis in größte Höhen reichende Luftsäulen. — besser Luftscheiben‘) — 
gebildet würden, deren Bodendruck, bei ungefähr gleicher Höhenerstreckung, 
eben durch ihre verschiedene Dichte bedingt werde. Diese Auffassung fand eine 
starke Stütze in der jahreszeitlichen Schwankung des Luftdruckes und der 
Druckverteilung über den Festländern und den Ozeanen: die relativ kalten Gebiete 
im Winter die Kontinente, im Sommer die Ozeane — zeigen höheren, die 
relativ warmen niedrigeren Luftdruck im Meeresniveau, Freilich wurde schon 
damals erkannt, daß die Verteilung des Luftdruckes nach den geographischen 
Breiten gar nicht zu dieser Auffassung stimmt, denn sie gibt durchschnittlich 
eine starke Abnahme des Druckes von der heißen nach der kalten Zone, wenigstens 
von 35° bis 60° Breite. Daß dies eine Wirkung der Erdumdrehung sein müsse, 
war klar, und so entwickelte in den Jahren 1856 bis 1885 J. Ferrel ein sehr geist- 
reiches mathematisches System der atmosphärischen Bewegungen, worin einerseits 
die schnell wandernden Depressionen als Zyklonen mit warmem: Zentrum, ander- 
seits der große Kreislauf jeder der beiden Erdhalbkugeln, als Zyklone mit kaltem 
Zentrum aufgefaßt und beide Erscheinungen aus dem Zusammenwirken von 
Dichtigkeitsunterschieden mit der ablenkenden Kraft .der Erdumdrehung erklärt 
werden. Diese Lehren, die in Deutschland besonders durch’ das für seine Zeit 
vortreffliche Lehrbuch von Sprung (1885) bekannt geworden sind, stellen gewiß 
einen großen Fortschritt gegen die bis dahin herrschenden unklaren Vorstellungen 
dar und liefern für die Beantwortung vieler Fragen das notwendige Rüstzeug; 
allein seitdem sind manche neue, unerwartete Tatsachen bekannt geworden, die 
eine weitgehende Änderung der Ferrelschen Lehren verlangen. und an die 
Stelle ihrer scheinbaren Abrundung wieder eine Reihe von merkwürdigen 
Problemen setzen. 
Das - alte Schema der Druckverteilung und Zirkulation in zwei neben- 
einander befindlichen Luftsäulen verschiedener Temperatur ist in Fig. 1 dar- 
gestellt. Es gilt (vgl. Sprung: Lehrbuch d. Meteorol., S. 108 bis 111) zweifellos 
für Flüssigkeiten in zwei oben und unten kommunizierenden Röhren, zwischen 
denen durch Zu- und Abfuhr von Wärme dauernd ein Dichteunterschied erhalten 
wird, mindestens so weit, als man die Wirkungen der Erdrotation vernachlässigen 
darf; k ist die kalte, dichte, w ist die warme, leichtere Säule; die Druckzunahme 
1) Denn ihre Höhe ist, selbst wenn man sie bis zu‘ einem Druck von weniger. als Ur des 
Bodendruckes hinaufrechnet, fast stets weniger als. 1°/g ihres horizontalen Durchmessers, 
Ann. d. Hydr. usw. 1914. Heft V.
	        
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