2326 Annalen der Hydrographie und Maritimen Metcorologie, April 1914,
lange Long-Höhenrücken, bis zu 600 m ansteigt. Grand Pond, der größte See
auf der Insel, ist 56 Sm lang, 5 Sm breit und ungefähr 110 m tief, er bedeckt
einen Flächenraum von 500 qkm; dann folgen der Indian-, der Gander- und der
Deer-See. Der bedeutendste Fluß ist der Exploit, er ist 200 Sm lang und ent-
springt nahe beim Südende des Long-Höhenrückens. Größere Flüsse sind auch
der Humber, der Gander und der Terra Noya-Fluß.
Urbarer Boden findet sich fast nur an einzelnen Buchten, Ackerbau und
Viehzucht sind daher unbedeutend. Es werden fast nur Kartoffeln, etwas Hafer
und Gerste gebaut. Im Innern sind beträchtliche Fichten-, Lärchen- und Birken-
waldungen, Von Mineralien wird Kupfer in den Buchten Tilt, Betts, Little und
Notre Dame, Blei zu la Manche in der Placentia-Bucht abgebaut. Eisenkies wird
auf der Insel Pilley in der Notre Dame-Bucht, große Mengen Roteisenerz werden
auf der Insel Bell in der Conception-Bucht gewonnen. Kohlen findet man an
der Westküste in der Nähe der St. George-Bucht und des Grand Pond, Gips und
Marmor bei Codroy und bei den Buchten St. George und Bay of Islands. Bei
Random und am See Thorburn sind zwei große Granitbrüche.
Von Landtieren sind zu nennen das Karibu oder amerikanische Renntier,
der Wolf, der schwarze Bär, der Fuchs, der Biber, die Otter, der Polarhase, das
Wiesel. Der berühmte Neufunüländer Hund findet sich nur noch in einzelnen
Exemplaren. Von der Vogelwelt sind Adler, Habichte, Eulen, Spechte, Schwalben,
Schneehühner, Alken, Lummen, wilde Gänse u. dergl. vertreten. Die Zeit zum
Abschuß der Tiere und Sammeln der Vogeleier ist gesetzlich geregelt,
Wichtiger als die Landtiere sind die Fische, deren Fang fast die ganze
Bevölkerung in Arbeit setzt. Große Schuner mit 16 bis 20 Mann Besatzung
betreiben von April bis Oktober den Kabeljaufang auf der Großen Neufundland-
Bank und auf der Vlämischen Kappe, östlich davon. Kleinere Schuner mit
7 Mann Besatzung und Boote verschiedener Größe fischen an der Küste und in
den Buchten Neufundlands, Schuner mit 7 bis 9 Mann Besatzung an der Küste
Labradors. Es sind etwa 98 000 Männer mit dem Fang und ungefähr 100 000
Männer und Frauen mit Trocknen, Salzen und Verpacken dieses Fisches beschäftigt.
Große Bedeutung hat auch der Fang von Köderfischen für den Kabeljau, wofür
namentlich der Hering in Betracht kommt; es werden jedoch auch andere Fische
wie Kaplan, Tintenfisch und Kinkhorn hierzu verwendet. Der Fang der Köder-
fische beschäftigt die Bevölkerung das ganze Jahr hindurch. Großen Gewinn
wirft auch die Robbenschlägerei ab. Dampfer und Segler ziehen dazu aus. Die
Tiere dürfen nicht vor dem 14, März und nicht mehr nach dem 20. April getötet
werden. Es dürfen deshalb Segelschiffe nicht vor dem 1. März und Dampfer
nicht vor dem 12. März den Hafen verlassen. Sehr zurückgegangen ist der
Walfischfang, mehrere Firmen haben daher schon ihre Schiffe und Faktoreien
verkauft. Der Hummerfang liefert nur sehr kleine Exemplare. Endlich ist noch
der Lachsfang und der Fang anderer Frischwasserfische zu erwähnen, der auf
den Flüssen und Seen betrieben wird. Der Lachs darf in freiem Wasser nicht
vom 11. September bis 30. April, in eingeschlossenem Wasser, ebenso wie die
Forelle oder sonstiger Frischwasserfisch, nicht vom 15. September bis zum
15. Januar gefangen werden.
Die Bevölkerung der Insel Neufundland ist der Hauptsache nach fran-
zösischen und englischen Ursprungs, Die Ureinwohner, die mächtigen Beothuk-
Indianer, sind ganz ausgestorben. Die Kopfzahl der Bevölkerung beträgt etwa
216 000. Es sind nur die Landstriche in der Nähe der Küsten bewohnt, und zwar
leben zwei Drittel der Bevölkerung auf der Halbinsel Avalon; an der Westküste
befinden sich nur wenige Niederlassungen, die Nordküste ist unbewohnt,
Die ganze Halbinsel Labrador hat etwa 1329000 qkm, der zur Kolonie
Neufundland gehörige Teil 311000 qkm Flächenraum und ungefähr 650 Sm
Küstenlänge,. Es ist jedoch nur der östliche Teil der Halbinsel erforscht. Die
Küste ist von unzähligen Förden und Buchten durchschnitten und mit Inseln
und Klippen besetzt. Im nördlichen Teil steigen hinter dem Aulatsivik-Sund
Berge bis 2000 m Höhe an, Dahinter liegt eine 600 bis 700 m hohe, von Seen
und Flüssen besetzte und mit erratischen Blöcken besäte Hochebene, die nach