Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1914.
Koinzidenzen der ganztägigen Wellen. Gegenüber den x-Zahlen der
halbtägigen Tiden zeigen die x-Zahlen der ganztägigen Tiden einen auffallenden
Unterschied. Während erstere von Süden nach Norden hin allmählich zuerst
langsam, dann immer rascher zunehmen, ändern sich die letzteren nur sehr
wenig, und nicht systematisch, so daß die Annahme, daß diese für das ganze
Adriagebiet als konstant anzusehen sind, berechtigt erscheint. Die extremen
Unterschiede sind nicht größer als ungefähr 10°, während bei den halbtägigen
Tiden die Änderungen von % eine ganze halbe Umdrehung (180° umfassen.
Eine Welle, die für alle in Betracht kommenden Punkte dieselbe x- Zahl,
also dieselbe Phasenzeit aufweist, ist eine stehende Welle, Die Knotenlinie
müßte demnach in der Nähe der Straße von Otranto liegen. In auffallender
Weise bestätigt nun ein Vergleich der Amplituden der ganztägigen Wellen diesen
Schluß. Sie nehmen von Süden gegen Norden regelmäßig zu. Trägt man sich, wie in
beigegebener Figur geschehen ist, auf einer Abszissenlinie, welche die Mittellinie
der Adria darstellen soll, in richtiger Entfernung vom Anfangspunkte als Ordinaten,
die den einzelnen Hafenorten entsprechenden Amplituden von K, auf, so findet
man, daß die Endpunkte dieser Ordinaten nahezu auf einer Geraden liegen; die
Abnahme der Amplituden von Norden nach Süden ist also linear. Verlängert
man diese Verbindungslinie aller Ordinatenendpunkte bis zum Schnittpunkte mit
der Abszissenlinie, so erhält man dadurch jenen Punkt, an dem die Amplitude
dieser stehenden Welle gleich Null ist, somit die Knotenlinie derselben. Dieser
Schnittpunkt kommt nun gerade in den Kanal von Otranto zu liegen. Die
ganztägigen Tiden sind also als stehende Schwingungen anzusehen; die Knoten-
linie derselben liegt an der Mündung der Adria in das Jonische Meer,
Was die Koinzidenzen der ganztägigen Tiden anbelangt, so findet man,
daß sich die reinen Deklinationstiden P und O genau wie die halbtägigen My
und S, verhalten: zur Zeit der Syzygien fallen sie zusammen, zur Zeit der
Quadraturen interferieren sie. Bei Voll- und Neumond summieren sich also die
Wirkungen dieser Deklinationstiden, bei den Quadraturen heben sie sich dagegen
auf, und es bleibt beim ersten und letzten Mondviertel von den ganztägigen
Tiden nur die große Lunisolartide K, übrig.
Die Koinzidenzerscheinungen zwischen den halb- und ganztägigen Tiden
sind ziemlich kompliziert, da das Zusammenwirken dieser beiden Tidengruppen
an verschiedenen Orten der Adria infolge der Verschiedenheit der x-Zahlen der
Halbtagstiden nicht in gleicher Weise stattfinden kann. Die folgende Tabelle
gibt die Koinzidenzen der wichtigsten Wellen für eine nördliche und eine süd-
liche Station wieder,
Koinzidenzschema,
Pola: Ragusa:
SVZYZICH 1 4 + uk KG tea Syzygien
Perigäum ., Perigäum
\quinoktien . . sea \quinoktien
Ka 1C= 0°
MW... d=+8(*)Y ........ IH-W,. ... dC Max.
N-W. ...d( nahe dem + Maximum (+). N-W. ... d(C(=0°
I-W. ... Ende August und Ende Februar A-W. ... Solstitien
x-W.... « Mai und Ende November N-W. ... Aquinoktien
".W. ... Mitte April und Mitte Oktober H-W. .. . Solstitien
s-W, ... « Juli « « Januar. N-W. ... Aquinoktien
IL-W.... AC= 8A 2.0.0.0. JH-W. ... d(€ Max.
A-W....di=28(F) ....... NW. ...d{=0°
Syzygien .......- Syzygien
Solstitien ....... We. Solstitien
ddl Mas. Hi KK HERE. ACC Max
Bemerkenswert ist noch, daß für die ganze Adria die mittleren Flut-
höhen im März und September am kleinsten, im Januar und Juni am größten
sind. Pola zeigt für das Lustrum 1907 bis 1911 folgende Mittelwerte in cm:
Jan, Febr. März April Mai Juni Juli August Septbr. Oktbr. Novbr. Dezbr.
65.2 62.6 57.6 59.4 63.0 66.8 65.4 62.2 59.2 60.6 644 64,5
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1) Das Zeichen -+ oder — nach dem Deklinationsbetrag bedeutet eine nördlich bzw. südlich
gerichtete Bewegung des Mondes. H-W.=— Hochwasser: N-W. — Niedrigwasser.