216 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1914.
Forschung verschlossen bleiben wird —, die andere in planetarischen Störungen
der Schwere oder des elektrischen (oder magnetischen) Zustandes auf der Sonnen-
oberfläche. Die Schwierigkeit liegt zum Teil darin, daß die Periodizität des
Sonnenfleckenphänomens nicht harmoniert mit den Epochen der Konjunktion
oder Opposition der Planeten, teils auch darin, daß der absolute Betrag des Ein-
flusses auch der größten derselben sehr gering ist im Vergleich mit der irdischen
Schwere, So z.B. gibt es keine jährliche oder halbjährliche Periode der Sonnen-
flecken, welche auf einen Einfluß der Erde im Perihel und Aphel deutet, und
die Gravitationsstörung, welche die Erde auf die Sonne ausübt, beträgt nicht
einmal die Hälfte von derjenigen des Planeten Jupiter.
Bei der Diskussion der planetarischen Einflüsse glaubte man deshalb dem-
jenigen der Erde (und a fortiori des Mondes) ausschließen zu müssen, bis es
Mrs. A.S. D. Maunders!) gelang, einen auf der Statistik der Sonnenflecken ge-
gründeten Beweis zu finden dafür, daß die Erde selbst einen bedeutenden Ein-
fluß auf die Fleckenbildung ausübt, und zwar so, daß die Sonnenflecken zum
Teil verschwinden, wenn sie während der Rotation der Sonne gegenüber der
Erde zu stehen kommen, Diese unerwartete Entdeckung lehrt, daß man nicht
aufs Geratewohl Grenzen für die Größenordnung der wirksamen Kräfte im
Sonnensystem ziehen soll”),
Es ist ferner einleuchtend, daß auch die schwächsten Impulse genügen,
um unter günstigen Umständen Resonanzwirkungen hervorzubringen. Die Frage
wird dann, ob es irgendeinen Umstand gibt, welcher auf die Sonne prädis-
ponierend wirkt für Resonanz nach Mondperioden, z. B. der 11jährigen?
In dem Vorhergehenden habe ich gezeigt, daß die Jahre, in denen die
Apside der Mondbahn in die Ekliptik fiel (Knotenapside), die Epochen der
Sonnentätigkeit bilden. In diesem Umstand finde ich einen wahrscheinlichen
Grund für die Annahme, daß der Durchgang des Mondes durch die Ekliptik in
Beziehung steht zu den Phänomenen auf der Sonnenoberfläche. Diese Durchgänge
erfolgen mit einer Periodizität von 27,212 Tagen (die sogenannte drakonitische
Mondperiode), .
Die Rotationszeit der Sonne (Äquator) wird in den »Photoheliographie
Results of the Greenwich Observatory« gleich 25.38 Tage (siderisch) oder
synodisch = 27.27 Tage®)
gesetzt, welche Zahl nur um 0.06 Tage von der drakonitischen Mondperiode
differiert.
Daraus folgt, daß jedesmal, wenn der Mond die Ekliptik durchbricht, also
26.8 mal im Jahre, befindet sich ein bestimmter Ort (oder vielmehr zwei Stellen,
die eine im Zenit, die andere im Nadir) auf dem Sonnenäquator (durchschnitt-
lich) gegenüber dem Monde,
Ferner: das System Mond-Erde rotiert um seinen Schwerpunkt synodisch
in 29.53 Tagen. Nach diesem Intervall befinden sich Erde und Mond in Konjunk-
tion gegenüber der Sonne. Die Rotationszeit der Sonne in höheren Breiten ist
nach Dunegr (spektroskopische Bestimmung)
in 15° Breite = 28.40 Tage synodisch
in 30° » =29,82 >» »
Für einen bestimmten Ort in diesen höheren Breiten, die eigentliche
Geburtsstelle der Sonnenflecken (etwa in -+-27*/,° Breite), trifft die Konjunktion
Erde und Mond immer ein, wenn die beiden Himmelskörper den heliozentrischen
Meridian des Ortes passieren. In niedrigeren und höheren Breiten, wo die
Flecken seltener auftreten, wandern die »Konjunktionspunkte« um die Sonne herum.
‘) Monthly notices of the R. Astr. Soc. Vol. LXVIIL Nr. 7 (1907).
7) In der chemischen Wissenschaft hat man eine ähnliche Erfahrung gemacht nach der Ent-
deckung der Bedeutung des Dampfdruckes bei allotropischen Umwandlungen durch Van’t’Hoff.
Die Tensionskräfte, welche den rhomboedrischen Schwefel in die oktaedrische Modifikation bei gewöhn-
licher Temperatur oder eine aragonitische Calciumkarbonatfüllung in Caleit überführen, würden uns
infinitesimal vorkommen, wenn wir sie in den gewöhnlichen Maßeinheiten wie mm -Quecksilber-
druck, Dynes usw. auszuwerten versuchten,
3) Dieselbe wurde früher von Duner durch spektroskopische Bestimmungen bei + 09.4 Breite
== 25.46 Tage gefunden (siderisch)} — 27.35 Tage synodisch.