Pettersson, O.: Studien in der Geophysik und der kosmischen Physik. 215
Sonnenfleckenphänomen, sie hat auch keine größere Bedeutung für ‚die klima-
tischen Verhältnisse auf Erden wie die übrigen. Wenn die 11jährige Periode
vorherrscht, ist die Sonnenaktivität größer als in der 13jährigen und geringer
als in der 9jährigen Periode,
Bei dem Versuch, die Sonnenfleckenfrequenzkurve nach Mondperioden
harmonisch zu rekonstruieren, fand sich, daß keine einzige von den kürzeren
Perioden als Basis für die harmonische Analyse der ganzen Kurve von 1749 bis
1912 dienen kann. Dagegen lassen sich die Frequenzkurven zwischen 1760 und
1797 nach den Mondperioden A und Ss die Frequenzkurve von 1797 bis 1823
ebenso wie das Intervall von 1889 bis 1913 nach den Perioden SA und &D,
und das Intervall 1823 bis 1889 nach den Perioden ZA und SZ D harmonisch
rekonstruieren. Das sehr verkleinerte Diagramm!) auf S. 210 (Fig. 3) zeigt, daß
bei solchen partiellen Rekonstruktionen nicht nur die mittlere Amplitude der
Maxima der Naturkurve, sondern auch die eigentümliche Form der Wellentäler
und Wellenberge mit überraschender Schärfe und Deutlichkeit hervortreten,
aber nur für ein bestimmtes Intervall. Daraus schließe ich, daß das
Sonnenfleckenphänomen einen zyklisch periodischen Verlauf hat und
von alternierenden Perioden regiert wird. Zu einem ähnlichen Resultat
war schon früher Schuster”) im Jahre 1906 gekommen,
Resume mit Rückblick auf frühere Untersuchungen,
Es existiert ein ausgeprägter Parallelismus zwischen der Periodizität der
Sonnenfleckenfrequenz und den Mondbahnkonstellationen, Beide unterliegen
einer 92jähigen und einer 9jährigen Periode, wovon die erstere durchgehend ist
und ihre Epochen in 1433, 1523, 1614, 1705, 1797, 1889 hatte. Die 9jährige
Periode mit ihren Obertönen (4/2 Jahr usw.) und die 13jährige und 11jährige
Periode sind nicht durchgehende sondern zyklische Perioden, und ihre Rekurrenz
fällt zeitlich zusammen mit den Symmetriestellungen der Mondbahn relativ zur
Erdbahn. Es gibt zwei Arten von Symmetriestellungen. Die Knotenapside der
Mondbahn kann parallel oder transversell zu der Erdbahnapside fallen. Die
größte Sonnenaktivität findet statt bei asymmetrischer und transversaler Lage
der beiden Achsen. Bei paralleler Lage, d. h. bei den sogenannten Epochen %
1433 usw., trifft eine Ruheperiode in der Sonnenwirksamkeit ein.
Der parallele Gang der beiden Phänomene gab Anlaß zu einer astrono-
mischen Interpretation der Sonnenfleckenperiodizität, welche als Arbeitshypothese
benutzt wurde, um das von Schuster zuerst konstatierte Aufleuchten und Ver-
schwinden (Alternation) der kürzeren Perioden zu erklären, welches vom rein
mathematischen Gesichtspunkt paradox erscheint,
Die Länge sämtlicher Perioden steht im einfachen Verhältnis zu den Mond-
perioden A und D, und die Sonnenfleckfrequenzkurve von Wolfer läßt sich,
Intervall für Intervall, harmonisch rekonstruieren nach den genannten Perioden,
aber keine einzige von den kürzeren Perioden eignet sich für die Rekonstruktion
der ganzen Kurve, eben weil sie nicht durchgehend sind,
Obschon die Idee von einer Beziehung zwischen Mondkonstellationen und
Sonnenflecken meines Wissens nach nicht früher ausgesprochen wurde, entbehrt
sie nicht jeder Stütze in früheren Untersuchungen, Die Erforschung des Sonnen-
fleckenphänomens hat zwei verschiedene Richtungen eingeschlagen, Die eine
sucht den Ursprung der Fleckenbildung in periodisch verlaufenden Prozessen
innerhalb des Sonnenkörpers selbst?) — ein Gebiet, das wohl noch lange für die
1) Die harmonische Rekonstruktion der Sonnenfleckenkurve läßt sich nicht im Druck wieder-
geben, da das Original eine Länge von 4 m hat. Die vollgezogene Linie repräsentiert die Rekon-
struktion. nach der A-Periode, die gestrichelte nach der D-Periode,
2) Proc. R. Soe. 1906. On the periodieity of Sunspots, ;
3) Siehe Kr. Birkeland: Archives d. Sc. phys. et naturelles. XXXV. Geneve 1913. Norske
Videnselskabets Skrifter. Math. Naturw. Kl. 1899. . Nr. 1. Christiania 1900.
Ann. d. Hydr. usw. 1914, Heft IV-