Brehmer: Tiden von langer Periode im mittleren Wasserstande der Ostsee zu Swinemünde. 189
Oppenheim gefundenen Periode von 4.9 Jahren in der Erdmagnetischen Deklination!),
als diese Untersuchung ergebnislos verlief, suchte ich eine Beziehung
zur halben Sonnenfleckenperiode, teilte wieder die Monatsmittel in zwei Gruppen
und erhielt unter Annahme einer Tide von 5.57 Jahren:
1. Gruppe: 1824 bis 1862. 2. Gruppe: 1863 bis 1901. Mittel.
13 + cos (5.385° x — 292°). 12 + cos (5.385° x — 321°). 12 + cos (5.385° x — 307°).
Epoche: Mitte Januar 1824: x — 1 Monat.
In beiden Gruppen stimmen die Amplituden fast gänzlich überein, die
Phasen weisen einen Unterschied von 29°, d. i. angenähert 5.5 Monat auf = 8%
der Tidenlänge. Da der Unterschied des Ergebnisses .aus beiden Gruppen hier
zwar größer ist als bei der Bestimmung der 6.2jährigen Tide, so versuchte ich
noch eine andere Analyse unter Annahme einer Tidenlänge von 5.43 Jahren.
Sie ergab:
1. Gruppe: 1824 bis 1861, 2. Gruppe: 1862 bis 1899,
19 + cos (5.525° x — 323°). 18 - cos (5.525° x — 38°).
Eine dritte Analyse unter Annahme einer Tidenlänge von 5.71 Jahren führte
zu noch geringeren Übereinstimmungen der Gruppenergebnisse, so daß ich die
Annahme von 5.57 Jahren aufrecht erhalten mußte, a
Wieder trug ich die Jahresmittel des Wasserstandes nach Abzug auch dieser
Tiden graphisch auf. Da fanden sich noch zwei Tiden von zwar, geringer aber
doch die geschützte Fehlergrenze von 5 mm übersteigender Amplitude: eine Tide
von 12,5 Jahren Länge, entsprechend ?/, Mondknotenumlauf, und eine solche von
16.67 Jahren Länge, entsprechend dem anderthalbfachen der Sonnenfleckenperiode,
Wegen ihrer geringen Amplitude unterließ ich das umständliche Analysieren der
Monatsmittel, sondern analysierte die Jahresmittel. Die Rechnung ergab:
"16.67 jährige Tide: 8 + cos (21.6° x — 149°) mit der Epoche: Anfang 1811,
125 « « : 6- cos (28,8° x — 2320),
Bei dieser Rechnung erhielt ich wieder ein interessantes Nebenergebnis: ich
analysierte auch die nur von der 94-, 27.6- und 18.6 jährigen Tide befreiten Jahresmittel
und erhielt für die 16.67jährige Tide:
. 9. cos (21.6° x — 157°), y
also fast dasselbe wie nach Ausscheidung auch der 33.3jährigen Tide. Ebenfalls
erhielt ich für die 8.8-, 5.57- und 6.28jährige Tide fast genau dasselbe nach Ausscheidung
der 12.5- und 16.67jährigen Tide. Bei diesen geringen Amplituden
scheint die Reihenfolge des Bestimmens und Ausscheidens der einzelnen Tiden
keinen allzu großen Einfluß auf das Rechenergebnis zu haben,
Schließlich wandte ich mich der Bestimmung der kurzen im mittleren
Wasserstande zu vermutenden Tiden von 15 bis 6 Monaten Länge.zu, Wegen
der eingangs erwähnten Unsicherheit der vor 1871 liegenden Monatsmittel trennte
ich in der weiteren Rechnung die Monatsmittel von 1811 bis 1870 von den übrigen
von 1871 bis 1912, die ja fast ausschließlich aus den Aufzeichnungen des selbstschreibenden
Pegels gewonnen sind, In der letzten Hauptgruppe bildete ich
wieder zwei Untergruppen von 1871 bis 1891. und von 1892 bis 1912, um mich
durch die Übereinstimmung der in beiden Untergruppen erhaltenen Werte von
der Richtigkeit der angenommenen Tidenlänge und der Sicherheit des Rechnungsergebnisses
zu überzeugen, Zuerst suchte ich die Chandlersche Periode der Polbewegung
im mittleren Wasserstande festzustellen?). Bei dem Fehlen der Kenntnis
ihrer genauen Länge führte ich die Analyse zuerst unter der Annahme einer
Periodenlänge von 14 Monaten durch und erhielt:
L. Gruppe: 1871 bis 1891, 2. Gruppe: 1892 bis 1912.
27. cos (25,7° x — 190°. 13- cos (25.7° x — 243°). Epoche: Mitte Januar 1871: x = 1 Monat.
') s. Oppenheim a. a. 0. 8. 15.
2) Von früheren Versuchen, diese Tide im Wasserstande festzustellen, sind mir bekannt geworden:
Rollin A, Harris »Manual of tides«, Part. III, 1894, S.150ff. H. G. van de Sande
Bakhuyzen, Über die Anderung der Meereshöhe und. ihre Beziehung zur Polhöhenschwankung.
Vierteljahrsschrifi der Astronomischen Gesellschaft. Leipzig 1913. 8.218 bis 221.