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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Brehmer: Tiden von langer Periode im mittleren Wasserstande der Ostsee: zu Swinemünde. 187
schwingungen als solche mit ganzzahligem Vielfachen der Wellenlänge vorhanden
seien, entschied ich mich für die Annahme einer 26.7 jährigen (= 3 . 8.86) Tide
entsprechend dem dreifachen Apsidenumlauf. Erst später bemerkte ich Oberschwingungen,
 deren Wellenlänge nicht in ganzzahligem Verhältnis zur Grundschwingung
 standen, sondern im Verhältnis 3:2, also dem einer Quinte,‘ So ist
gs also nicht ausgeschlossen, daß diese von mir zu 26.7 Jahren angenommene
Tide, entsprechend dem 1'/,fachen Mondknotenumlauf, - 18.65 — 28 Jahre Wellenlänge
 hat. Ich glaube aber kaum, daß ein Fehler in dieser Annahme das Ergebnis
der weiteren Untersuchung wesentlich anders gestalten würde. Die unter Annahme
einer Tide mit einer Wellenlänge von 26.7 Jahren durchgeführte Analyse ergab
13 - cos (13.5° x — 168°) mit der Epoche: Anfang 1811.
Die von diesen bis jetzt errechneten beiden Tiden befreiten Jahresmittel
untersuchte ich nun auf eine dem Mondknotenumlauf entsprechende Tide, die
bisher durch die Bildung der 19jährigen Mittel ausgeschieden war. Ich fand sie zu
8. cos (19.6° x — 230°) mit der Epoche: Anfang 1811.
Nach ihrem Ausscheiden wandte ich mich nochmals der Analyse der
11.1jährigen Tide zu, entsprechend der Periode der Sonnenflecken. Die Analyse
der 100 Jahre 1811 bis 1910 ergab wie vor dem Ausscheiden der 26.7- und
18.6 jährigen Tide
— 17.cos(32.4° x — 47°) mit der Epoche: Anfang 1811,
Die Analyse der Sonnenfleckenrelativzahlen selbst lieferte bei gleicher Epoche
34.6 cos (82.4° x — 1789).
Die. 11.1jährige Tide im mittleren Wasserstande hat also ein Maximum am
1. Juli 1812 + 5 Mon., die Sonnenfleckenperiode ein Minimum am 1. Januar
1811 + 3 Mon. Beide Perioden verlaufen also entgegengesetzt: einem Fleckenmaximum
 steht ein Wasserstandsminimum gegenüber. Beide fallen aber in der
Ostsee nicht zusammen, sondern das Wasserstandsminimum verzögert sich gegen
das Fleckenmaximum um ungefähr 1'/, Jahr + 6 Mon., was vielleicht darin seinen
Grund haben dürfte, daß die Tide nicht in der Ostsee, sondern im Atlantischen
Ozean entsteht.
Nach Ausscheidung auch dieser Tiden aus den Jahresmitteln des Wasserstandes
 zeigte sich noch eine Tide von etwas über 30jähriger Periode (siehe
Tafel 1 unten). Die Größe der Amplitude der eben gefundenen 11.1 jährigen Tide
ließ mich annehmen, daß eine 33.33jährige Tide vorlag entsprechend der dreifachen
 Dauer der Sonnenfleckenperiode. Unter dieser Annahme ergab sich
6. cos (10.8° x — 251°) mit der Epoche: Anfang 1811,
Eine 22,2-, 44.4- und 56 jährige Tide entsprechend der doppelten, vierfachen
und fünffachen Dauer der Sonnenfleckenperiode fand sich nicht. Ich untersuchte
noch, ob ein Ausscheiden der 33.3jährigen Tide vor der 18.6- und 11.1jährigen
Tide für diese beiden andere Werte liefern würde, erhielt aber dasselbe Ergebnis,
Als nächstkürzere Tide vermutete ich eine dem Apsidenumlauf entsprechende
von 8.8 Jahren, auf deren Vorhandensein schon eine vorläufige Ausgleichung
hindeutete. Um sicherer zu gehen, bildete ich, einer Anregung von Herrn
Professor Stück folgend, allmählich fortschreitend die Mittel aus 2, 3, 4, 5 usw.
Jahresmitteln; aus dieser Zusammenstellung ergab sich deutlich eine Tide von
nahezu 9 Jahren Länge. Auch hier blieb wie bei der 26.7jährigen Tide zweifelhaft,
 ob die Tide einem Apsidenumlauf oder einem halben Mondknotenumlauf
entspricht. Ich entschied mich für den Apsidenumlauf, weil der Mondknotenumlauf
 nur eine Tide von 8 mm-Amplitude hervorgerufen hatte, allerdings kein
zwingender Grund, hier keine halbe Mondknötentide zu vermuten, da ich mich
ja anfangs auch zur Annahme einer fünffachen Mondknotentide entschließen mußte,
Aber auch hier scheint mir ein Fehler von 0.5 Jahren in der Annahme der Tidenlänge
 für die Bestimmung kürzerer. Tiden unwesentlich zu sein. Die Tide von
8,8 Jahren Länge entsprechend dem Apsidenumlauf, ergab sich zu
8. cos (40.9° x — 284°) mit der Epoche: Anfang 1811. a
            
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