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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1914.
stellerı konnte, die ein Vielfaches oder einen Bruchteil der Dauer einer astro-
nomischen Erscheinung in ihrer Länge aufwiesen, glaubte ich mich” bei dieser
ersten Tide für eine Länge von 94 Jahren (= 5.18.65 = fünffacher Mond-
Knotenumlauf) entscheiden zu müssen. Die harmonische Analyse!) ergab unter
dieser Annahme in Millimetern
15.5 + cos (3.83 x — 339°) mit der Epoche: Mitte 1811. (x = 1 Jahr.)
Man sieht leicht, welche falschen Schlüsse sich hätten ziehen lassen, wenn
die Wasserstandsmessungen nur über etwa 63 Jahre reichen würden, etwa von
1850 bis 1912. Man hätte leicht eine gleichmäßige Veränderung der Höhenlage
von Festland zu Meeresspiegel vermuten können, wenn man sich auf Tafel 7 oben
die 19jährigen Mittel der Wasserstandsmessungen von 1820 bis 1855 fortdenkt.
Ebenso darf man die Feststellung dieser Tide von 94 Jahren nicht für gänzlich
Sicher halten, da sie ja ein Teil einer viel längeren Tide sein kann, die sich nur
jetzt der Feststellung entzieht, da die Wasserstandsmessungen sich nur über
einen Zeitraum von 102 Jahren erstrecken. Deutlich ergibt sich aber aus der-
selben graphischen Darstellung der 19jährigen Mittel auf Tafel 7 oben, daß eine
Veränderung der Höhenlage zwischen Festland und Meeresspiegel, wie auch
schon von Herrn Seibt und Herrn Westphal ausgesprochen wurde”®), in
Swinemünde nicht vorliegt.
Um nun weitere Tiden aufzusuchen, schied ich diese 94jährige Tide aus
den mittleren Wasserständen aus, bildete aus diesen wieder von Jahr zu Jahr
fortschreitende 19jährige Mittel, die ich wieder zuerst nach Oppenheim®) zu
analysieren versuchte, was aber wieder fehlschlug. Ich mußte mir diese Mittel
daher wieder graphisch auftragen und fand eine Tide von 25 bis 30 Jahren
Länge. Ich glaubte zunächst an das Vorhandensein einer Tide parallel der
81.3jährigen Sonnenfleckenperiode, wie sie von Herrn Oppenheim festgestellt
ist®). Dann müßte ebenfalls eine Tide von 59.0 Jahren im mittleren Wasser-
stande sich zeigen entsprechend der gleichen in den Sonnenflecken-Relativzahlen.
Um den Vergleich auch auf den gleichen Zeitraum bei den Sonnenflecken und
den mittleren Wasserständen ausführen zu können, wandte ich mich mit der
Bitte um Mitteilung der nach 19014) ermittelten Sonnenflecken-Relativzahlen an
Herrn Prof. Wolfer, dessen Güte ich ihre Kenntnis verdanke. Es ergab sich
nun für die 11.1-, 31.3- und 59.0jährige Periode der Sonnenflecken-Relativzahlen:
34.6 - cos (32.4° x — 178°)°) + 4.9 + cos (12° x — 326°) + 9.1 - cos (6° x — 202°)
mit der Epoche: Anfang 1811. (x = 1 Jahr.)
für den mittleren Wasserstand der Ostsee ergab sich die 11.1jährige Tide zu
17 -.cos(32.4° x — 47° (in Millimetern) mit der Epoche: Anfang 1811.
Die 59jährige Tide fehlte und eine vorläufige Ausgleichung ergab für eine
31jährige Tide eine Amplitude von 13 mm. Da bei der 11.1jährigen Tide einer
Amplitude von 34.6 Sonnenflecken-Relativzahlen eine solche von 17 mm im
mittleren Wasserstande gegenüberstand, hätte bei der 31- und 59jährigen Tide
bei gleichem Verhältnis von Sonnenflecken und mittlerem Wasserstand sich eine
Amplitude von 2 und 5 mm ergeben müssen. Eine solche von 17 mm stand damit
aber allzusehr in Widerspruch. Dieses Mißverhältnis und das Fehlen der
60jährigen Tide im mittleren Wasserstande bewogen mich, in der nahezu 30 jährigen
Tide des Wasserstandes keine der Sonnenfleckenperiode entsprechende zu ver-
muten, sondern eine dem dreifachen Apsidenumlauf oder dem 1.5fachen Mond-
knotenumlauf entsprechende, Da ich anfangs nicht vermutete, daß andere Ober-
1) Bei den Analysen leistete mir gute Rechenhilfe: Rechenmaschine Millionär und Tafel 1
der Kollinearen und anderen graphischen Rechentafeln für geodätische Rechnungen von Dr. Brehmer.
Stuttgart 1912.
?) Seibt, Das Mittelwasser der Ostsee bei Swinemünde, 2, Mitt., S, 36.
Westphal, Das Mittelwasser der Ostsee, 5, 142.
3) Vgl. Fußnote 2, 8. 185.
4) Die vor 1901 ermittelten Relativzahlen finden sich: Wolfer, Die Wolfschen Tafeln der
Sonnenfleckenhäufigkeit. Meteorol. Ztschr. 1902, S. 193 bis 200.
5) Phase in Übereinstimmung mit Herrn Wolfer. Nach seinen Angaben a. a, O., 8. 200 liegt
ein Maximum: 1816.1; nach obigen Werten liegt ein Maximum: 1816.5.