Hänert: Graphische Lösung nautischer Aufgaben;
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Trigonometrie, Tafeln und Rechenoperationen sollen nicht benutzt werden. Da
die graphischen Verfahren für viele Naturen übersichtlicher und weniger an-
strengend sind als die rechnerischen und auch sonst diesen gegenüber manche
Bequemlichkeiten haben, ist man vielleicht geneigt, einmal näher zu prüfen, ob
auch hinsichtlich der Genauigkeit und allgemeinen Zuverlässigkeit die im
folgenden angegebenen graphischen Verfahren den praktischen Anforderungen
genügen. Bei Winkelbestimmungen geht man in der Navigation wohl kaum über
eine Genauigkeitsgrenze von +1 bis + 2 Bogenminute hinaus.
XI. Beschreibung der instrumentellen Hilfsmittel’).
(Vgl. Tafel 5.)
Der Hauptteil ist eine kreisförmige Platte aus widerstandsfähigem Holz,
die einen fest aufgeleimten und verschraubten, weißen Celluloidbelag trägt, auf
dem man mit der Feder oder dem Bleistift dünne und scharfe aber leicht ab-
waschbare Linien zeichnen kann. Die Platte hat einen Radius von 30.00 cm und
trägt an ihrem Umfang einen Teilkreis Tkr aus Messing, auf dem man noch
Sechstelgrade direkt ablesen kann. Auf der Platte ist noch ein konzentrischer
Kreis Kr von 20.00 cm Radius eingeritzt; in ihrer Mitte befindet sich ein kreis-
förmiges Loch von etwa 1 cm Durchmesser zur‘ Aufnahme des Drehzapfens z
einer Schiene. Die Mittellinie dieser Schiene geht genau durch das Zentrum
der Platte. Längs dieser Mittellinie verläuft vom Zentrum aus nach der einen
Richtung ein enger etwa 0.2 mm breiter Schlitz und nach der entgegengesetzten
Richtung eine auf einem eingelassenen Glasstreifen eingeritzte Linie, die eine
Millimetereinteilung trägt. Auch längs des Schlitzes ist eine Millimetereinteilung
angebracht. Die Teilung des Glasstreifens ist auch noch auf dem Metallrahmen,
in den er eingelassen ist, markiert. An ihren beiden Enden trägt die Schiene
je einen auf dem Teilkreis Tkr aufliegenden Nonius No. Mittels des Klemm-
stückes Kl kann die Schiene am Teilkreis festgeklemmt und mit Hilfe der Fein-
schraube Fs. genau eingestellt werden. Der Nonius gestattet, die Mittellinie der
Schiene noch auf Sechzigstelgrade, also auf ganze Minuten, genau einzu-
stellen. Durch die Schlitzführung soll: das Ziehen von Strahlen in radialer
Richtung mit hinreichender Genauigkeit ermöglicht werden; die Ungenauigkeit,
wie sie beim Benutzen eines gewöhnlichen Lineals unvermeidlich ist, soll also
hierdurch nach Möglichkeit vermieden werden. Die feine Linie des Glasstreifens
auf dem anderen Ende der Schiene dient zur genauen Einstellung der Schiene
auf einen bestimmten Punkt der Platte, Der Glasstreifen nebst seinem Rahmen
ist noch vermöge der Stellschraube St in Richtung der Mittellinie der Schiene
ein wenig verschiebbar, so daß stets einer der Teilungspunkte jener feinen Ge-
raden mit irgendeinem bestimmten Punkte der Platte zur Deckung gebracht
werden kann. Auf der Schiene ist noch das Gleitstück G schlittenartig ver-
schiebbar angebracht und kann mittels der Schraube Sr festgeklemmt werden,
In dieses Gleitstück ist eine Glasplatte eingelassen, die eine auf der Schiene
senkrecht stehende Gerade l trägt. In Verlängerung der Geraden l sind in dem
Metall des Gleitstücks G noch schmale Einschnitte s angebracht. Das Gleitstück G
soll ein schnelles und möglichst genaues Ziehen des Mittellotes einer Sehne er-
möglichen: Zu diesem Zwecke verschiebt man G so, daß sich die Linie 1 mit
der Sehne deckt, dann erhält man das Mittellot durch Ziehen entlang der Schlitz-
führung. Mit Hilfe des Gleitstücks G_kann auch ein Punkt, dessen Abstand von
der Plattenmitte eine gegebene Größe hat und mit dem Anfangsstrahl einen be-
stimmten Winkel bildet, markiert werden: Man gibt der Drehschiene und dem
Gleitstück die. erforderliche Einstellung, zieht entlang der Schlitzführung die
Gerade und fixiert die Lage der beiden Einschnitte durch kurze Striche. Der
Schnittpunkt der Verbindungsgeraden dieser Striche mit der entlang des Schlitzes
gezogenen Geraden ist der zu markierende Punkt. Die Drehschiene hat noch an
ihrem Ende in Verlängerung der auf dem Glasstreifen eingeritzten Mittellinie
einen feinen Einschnitt 8.
ij D. R. G, M. 579 494,
Ann. d, Hrydr. usw. 1914, Heft III.